vergrößernverkleinern
Dirk Bauermann macht Heiko Schaffartzik klar: Wurfkünste sind für einen Regisseur nicht alles © getty

Im Teil II des Interviews der Woche sagt der Bundestrainer, warum Schaffartzik von der Bank kommt. Er nennt seine WM-Favoriten.

Von Michael Spandern

München - Zwei Wochen vor der WM in der Türkei (28. August bis 12. September) legt sich Dirk Bauermann fest: Steffen Hamann ist für den Bundestrainer trotz der Herabwürdigung vom alten Arbeitgeber ALBA Berlin die Nummer 1 im Spielaufbau.

"Er ist eindeutig als Aufbauspieler gesetzt", sagt Bauermann im zweiten Teil des Interview der Woche von SPORT1.

Vor dem Supercup in Bamberg, bei dem die DBB-Korbjäger auf Kroatien (Fr., 18 Uhr live im TV), Litauen (Sa., 18 Uhr live im TV) und die Türkei (So., 19 Uhr live im TV) treffen (alle Spiele auch im LIVESTREAM), spricht Bauermann zudem über sein Luxusproblem auf der Position 3, das große Talent von Tibor Pleiß.

Unter seinen sechs WM-Favoriten sticht einer heraus.

SPORT1: Bei den Small Forwards haben Sie mit Robin Benzing und Elias Harris so etwas wie ein Luxus-Problem. Wer müsste auf welche Position ausweichen, damit beide gemeinsam spielen?

Bauermann: Wir haben ja auch noch Konrad Wysocki. Damit besitzen wir auf dieser Position sehr viel Qualität. Elias muss auf der 3 spielen. Er muss diesen Sommer die Umstellung von der 4 auf die 3 schaffen. Robin kann auf der 2, 3 und der 4 spielen und Konrad hat im Training fast ausschließlich auf der 4 gespielt. Robin und Konrad werde ich daher wohl variabel einsetzen, Elias hingegen wird ausschließlich auf der 3 spielen.

SPORT1: Bei den Spielmachern hatte Heiko Schaffartzik bei der EM die Nase klar vor Steffen Hamann. Steht Schaffartzik auch in der Türkei in der Starting Five?

Bauermann: Das sehe ich anders. Heiko hat eine sensationelle EM gespielt, überhaupt keine Frage. Aber hat er vor allem durch seine hohe Trefferquote überzeugt. Aber die Qualität eines Aufbauspielers liegt nur in dritter oder vierter Linie bei der Trefferquote. Im Fußball misst man einen Regisseur ja auch nicht daran, wie viele Tore er schießt.

Deshalb ist in meinen Augen Steffen der komplettere Aufbauspieler. Heiko ist sicherlich der korbgefährlichere, der bessere Schütze. Aber Steffen hat mit seiner Größe von 1,94 Metern, seiner Übersicht und seiner Erfahrung all die Dinge, die man auf internationalem Niveau braucht. Er wird sicherlich ein besseres Turnier spielen wie bei der EM. Er ist eindeutig als Aufbauspieler gesetzt, und Heiko wird sicherlich auch auf der 1, aber auch mal mit Steffen zusammen auf der 2 spielen. Heiko wird Energie und Punkte von der Bank bringen.

SPORT1: Bei ALBA Berlin wurde Hamann entlassen. Als er sich über Coach Pavicevic beschwerte, warf Manager Baldi ihm Selbstüberschätzung und mangelnden Willen sich weiterzuentwickeln vor. Haben beide Seiten etwas falsch gemacht?

Bauermann: Ich möchte mich da nicht einmischen. Ich sage nur so viel: Steffen ist Kapitän der Nationalmannschaft, hat gegen Holland sein 100. Länderspiel bestritten. Ich habe ihn immer als einen hart an sich arbeitenden Spieler erlebt. Ich habe ihn bei Bamberg mit 20 Jahren in die Starting Five geholt und er hat sich seither ständig weiterentwickelt. Ich glaube, dass er weder an Selbstüberschätzung leidet, noch dass er keinen Willen zeigt, sich weiterzuentwickeln. Ich glaube, dass es hier darum geht, sich in einem schwer zu begründenden Prozess zu rechtfertigen.

SPORT1: Kann Hamann diese Fehde mit ALBA ausblenden?

Bauermann: Diese Vertragsauflösung ist für ihn einerseits sicher sehr bitter, weil ich weiß, dass es ihm dort sehr gut gefallen hat. Andererseits glaube ich, dass er dadurch motivierter, mit mehr Energie in die WM geht, dass er zeigen will, dass er der beste Aufbauspieler in Deutschland ist.

SPORT1: Im WM-Vorrundenspiel gegen Serbien treffen mit Tibor Pleiß und Nenad Krstic zwei zukünftige Teamkollegen bei den Oklahoma City Thunder aufeinander. Ein Duell auf Augenhöhe?

Bauermann: Von der Größe her, ja. Tibor hat im Vergleich zu Krstic noch viel zu lernen. Bei ihm ist noch lange kein Ende seiner Entwicklung abzusehen. Es wird noch Jahre dauern, bis er seinen Zenit als "großer Mann" erreicht haben wird. Wir haben sicherlich den talentierteren Spieler, aber Krstic ist ein Spieler, der mit allen Wassern gewaschen ist. Er kennt jeden Trick und hat eine Härte - auch mental -, von der Tibor noch weit entfernt ist.

SPORT1: Im Kader der USA steht mit Kevin Durant nur ein Spieler, der 2010 im All-First-, All-Second- oder All-Third-Team der NBA stand. Spielen die USA trotzdem um Gold mit?

Bauermann: Das werden sie sicher. Das ist eine Mannschaft, die aufgrund ihres Talents und ihrer sensationellen Athletik jeder Mannschaft Probleme bereiten wird. Aber natürlich sind sie anfälliger, keine Frage. Ob das Werfen von außen oder das Verteidigungsverhalten ausreicht, um ganz vorne mitzuspielen, wird sich zeigen. Sie werden auf jeden Fall eine prominente Rolle bei der Medaillenvergabe spielen.

SPORT1: Und wer sind in Ihren Augen die weiteren Kandidaten?

Bauermann: Ich sehe die Argentinier auch ohne Ginobili als sehr starke Mannschaft. Die Serben können das Überraschungsteam der WM werden, sie kommen mit viel Selbstvertrauen und der Silbermedaille bei der EM. Die Griechen und die Spanier werden sicherlich eine Rolle spielen.

SPORT1: Sie haben jetzt fünf Teams genannt: Wer ist Ihr Topfavorit?

Bauermann: Wen ich noch nicht genannt habe, sind die Türken als Heimmannschaft. Da wird eine unglaubliche Begeisterung sein. Wie weit das tragen kann, wissen wir selbst. Das haben wir zuletzt bei der Eishockey-WM gesehen, als die deutsche Mannschaft Vierter geworden ist. Oder die Handballer, die 2007 Weltmeister wurden. Beim Fußball wissen wir, was vor vier Jahren alles los war. Der Heimvorteil trägt unglaublich weit, zumal in den Hallen noch mehr los sein wird. Sie sind der sechste Kandidat und für mich vielleicht sogar der Favorit.

>> Hier geht es zurück zum ersten Teil

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel