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Elias Harris spielt in den USA bei der Gonzaga Universität © imago

Der Sieg über die Türkei beim Supercup ist für den Bundestrainer "der größte Schritt nach vorne". Ein Härtesiegel vergibt er nicht.

Aus Bamberg berichtet Michael Spandern

Bamberg - Die deutlichste Schwachstelle ist ausgemerzt - zumindest für den Moment.

Beim 68:54 (37:26)-Erfolg gegen die Türkei zum Abschluss des Supercups in Bamberg demonstrierte das deutsche Nationalteam körperliche Robustheit und auch in den Gesten Aggressivität.

"Damit kann man zufrieden sein", erklärte Bundestrainer Dirk Bauermann auf SPORT1-Nachfrage, ahnte aber, dass nicht nur die Türken in knapp zwei Wochen bei der WM (LIVE im TV auf SPORT1) ganz anders zu Werke gehen.

"Wir werden da wieder überrascht sein, wie ruppig es zugeht", sagte er voraus, "und wenn die Schiedsrichter so viele unsaubere Aktionen durchgehen lassen wie im Spiel gegen Kroatien, muss es uns besser gelingen, uns darauf einzustellen."

"Der größte Schritt nach vorne"

Am liebsten wäre Bauermann, dass die Deutschen nicht nur reagieren, was die Härte angeht, sondern den Ton angeben. "Wir dürfen da nicht der Zweite sein. Wir dürfen nicht der sein, der sich wehrt."

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Die 67:79-Schlappe gegen die Kroaten vom Freitag war ebenso wenig vergessen wie die 67:78-Niederlage gegen Litauen, als sich das DBB-Team kaum gesteigert hatte.

Am Sonntag aber waren die "Bauermänner" nicht wiederzuerkennen. "Das war der größte Schritt nach vorne in diesem Sommer", freute sich der Coach, dessen Mannen sich 18 Rebounds mehr als die Türken angelten.

Neun Assists von Jagla

Ein Verdienst auch von Energizer Elias Harris, der in 18 Minuten so viele Rebounds (sieben) holte und so viele Fouls (fünf) zog wie kein Teamkollege: "Das war sensationell", stellte Bauermann fest.

Offensiv lobte er vor allem Power Forward Jagla und Spielmacher Hamann: "Jan und Steffen haben hervorragende Entscheidungen getroffen und die richtigen Pässe gespielt."

Stolze neun Assists sammelte Jagla, der mit 14 Punkten zudem deutscher Topscorer war und sich nicht einen Ballverlust leistete, immerhin fünf Vorlagen Hamann.

Tadel für Benzing

Jagla ist für Bauermann auch einer von Vieren, die sich nach den Absagen der NBA-All-Stars Dirk Nowitzki und Chris Kaman in der Supermann-Rolle abwechseln sollen (WM-Vorbereitungsspiel Deutschland - Puerto Rico Fr., ab 19.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

"Diesen einen Großen, dem man nur den Ball geben muss, und es passiert etwas Gutes - diesen Supermann haben wir nun nicht. Daher müssen wir die Mismatches nutzen, die mal Elias oder Robin Benzing, mal Jan oder Tim Ohlbrecht haben", erläutere der Bundestrainer.

Besagter Benzing (10 Punkte, 2 Rebounds) aber war der Einzige, der am Sonntag auch Tadel erhielt: Zwar habe der Ulmer besser agiert als an den Tagen zuvor. "Aber er hat wieder das Individuelle übertrieben. Nicht jeder Wurf ist ein guter Wurf. Robin muss lernen, die anderen einzubeziehen."

Mangelnde Einstellung bei Türkoglu?

Doch auch die Türken dürften von ihrem Small Forward nicht begeistert gewesen sein.

NBA-Profi Hidayet Türkoglu, der bei den Phoenix Suns in den nächsten vier Jahren 44 Millionen Dollar kassiert, traf nur zwei von sieben Würfen. Und was viel schwerer wiegt: er trottet alles andere als austrainiert übers Parkett.

"Er ist ein Topspieler in der Welt", meinte Bauermann - um sich gleich zu korrigieren: "Zumindest war er es bis vor zwei Jahren."

Zweifel an der Türken-Chemie

Wohl auch deshalb streut er Zweifel, dass der Zusammenhalt im türkischen Team optimal ist: "Ob es da bei der Chemie so stimmt wie bei uns, da bin ich mir nicht so sicher."

Allerdings geht der Bundestrainer auch davon aus, dass das Team von Bogdan Tanjevic bei der WM nicht nur körperlich, sondern auch mental in besserem Zustand ist: "Ein Turnier im eigenen Land - das schweißt zusammen."

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