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Dirk Bauermann steht als DBB-Coach vor seiner dritten WM nach 1994 und 2006 © getty

Dirk Bauermann erklärt bei SPORT1 die WM-Marschroute der Deutschen und eine neue Option. Er spricht über Krstics Entgleisung.

Von Rainer Nachtwey

München - Das deutsche Team ist in Kayseri gelandet - und bereit für eine packende WM (ab Sa., 20.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER). Das glaubt auch Dirk Bauermann, der SPORT1 kurz vor dem Abflug zu den Titelkämpfen in der Türkei noch Rede und Antwort stand.

Der Bundestrainer hält zwar am Ziel Achtelfinale fest, hofft aber auch auf eine Weiterentwicklung seiner jungen Schützlinge.

Im Interview erklärt der 52-Jährige seine letzten Kader-Entscheidungen und eine daraus folgende neue Option. Zudem spricht Bauermann über die Entgleisung des serbischen Centers Nenad Krstic im Testspiel gegen die Griechen: "Solche Dinge gehören entsprechend geahndet." Dennoch sind die Serben einer seiner Geheimtipps.

SPORT1: Herr Bauermann, wie zufrieden sind Sie mit der Vorbereitung auf das Turnier?

Dirk Bauermann: Das Fundament ist gelegt. Wir sind in einem hervorragenden konditionellen Zustand. Wir haben eine tiefe Mannschaft, in der nicht sieben oder acht, sondern zwölf spielen können und wenigstens zehn in jedem Spiel eingesetzt werden.

SPORT1: Sie haben Yassin Idbihi und Konrad Wysocki als letzte Spieler aus dem WM-Kader gestrichen. Was sprach gegen sie?

Bauermann: Überhaupt nichts. Yassin und Konrad haben sehr hart gearbeitet und zufriedenstellende Leistungen abgeliefert. Aber es hat einfach mehr für die anderen gesprochen - auch übergeordnete Gründe. 276892(DIASHOW: Der deutsche WM-Kader)

SPORT1: Und zwar?

Bauermann: Wir wollen den Neuaufbau weiter mutig fortsetzen und in diesem Zusammenhang den jungen Spielern die Möglichkeit geben, sich bei der WM weiterzuentwickeln. Und da sind insbesondere auf Konrads Position mit Robin Benzing, mit Elias Harris, mit Philipp Schwethelm aber auch mit Tim Ohlbrecht, weil Konrad ja auch auf der 4 spielen kann, junge Spieler mit großem Talent und weniger Erfahrung. Unsere strategische Entscheidung war es, mit den jungen Spielern in die WM zu gehen. Das war ein Grund. (Nowitzki hofft auf "großen Schub" für DBB-Bubis)

SPORT1: Was war der andere?

Bauermann: Wir haben überlegt, ob wir mit zwei oder drei Aufbauspielern in so ein großes Turnier gehen. Normalerweise geht man mit dreien. Im letzten und vorletzten Jahr waren es bei uns nur zwei. Diesmal haben wir uns anders entschieden. Vor allem weil Per Günther in den letzten zwei Wochen sehr gut trainiert hat und gegen Puerto Rico auch noch mal sehr gut gespielt hat. Er hatte daher als dritter Aufbauspieler die Nase vorne.

[kaltura id="0_g78hycov" class="full_size" title="Tim Ohlbrecht Der Distanzsch tze"]

SPORT1: Eröffnet sich Ihnen durch den dritten Aufbauspieler eine zusätzliche taktische Überlegung, nämlich Steffen Hamann und Heiko Schaffartzik gemeinsam auf dem Feld spielen zu lassen?

Bauermann: Sicherlich. Das ist nun wahrscheinlicher. Wenn Per nicht dabei wäre, wäre das nicht möglich.

SPORT1: Wie war die Situation bei Idbihi?

Bauermann: Yassin war bei den großen Spielern eine wirkliche Bereicherung und es gibt überhaupt nichts zu kritisieren. Aber Christopher McNaughton war einfach eine Nuance präsenter, eine Nuance aufmerksamer, eine Nuance physischer und das hat am Ende für ihn gesprochen.

SPORT1: Die voraussichtlich über das Weiterkommen entscheidenden Gruppenspiele gegen Angola und Jordanien sind die letzten beiden der fünf Gruppenspiele. Ist das ein Vorteil oder ein Nachteil?

Bauermann: Wenn ich vorher hätten wählen dürfen, hätte ich es so ausgesucht, wie es jetzt ist, eindeutig. Jedes Spiel hilft uns in der Entwicklung. Ich bin mir sicher, dass wir im Laufe des Turniers stärker werden. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

SPORT1: Besteht die Gefahr, dass die Mannschaft sich in den ersten Spielen etwas zurückhält?

Bauermann: Wir dürfen auf keinen Fall versuchen, uns nur auf die letzten beiden Spiele zu konzentrieren, die wir gewinnen müssen, daran besteht kein Zweifel. Wir reden hier von einer WM, und zu glauben, man könnte sich dreimal ein bisschen schonen, damit man hinten raus richtig frisch ist, ist naiv und funktioniert mit einer jungen Mannschaft nicht. Sie muss immer Gas geben, die Jungs müssen an ihre Grenzen gehen, und ich traue uns absolut zu, eines dieser ersten drei Spiele zu stehlen und einen Überraschungscoup zu landen, wie wir es gegen Russland bei der EM im letzten Jahr getan haben.

SPORT1: Im zweiten Spiel treffen Sie auf Serbien. Da gab es zuletzt einen Eklat um Nenad Krstic, der einen griechischen Spieler mit einem Stuhl verletzt hat. Glauben Sie, dass er gesperrt wird?

Bauermann: Schwer zu sagen. Grundsätzlich haben solche Dinge im Sport nichts zu suchen. Und ich finde auch - ganz unabhängig, ob wir dadurch jetzt einen Vorteil haben sollten oder nicht -, dass man solche Dinge nicht zulassen und auch klar bestrafen muss. Man muss sehen, wie die FIBA entscheidet, aber solche Dinge gehören entsprechend geahndet.

SPORT1: Die USA haben am Sonntag gegen Spanien ein Vorbereitungsspiel bestritten. Ist das die Generalprobe für ein zu erwartendes Endspiel gewesen?

Bauermann: Ja, das ist sicherlich sehr wahrscheinlich. Aber es gibt noch andere Mannschaften wie unseren Gruppengegner Argentinien. Serbien und Australien zählen für mich zu den Geheimfavoriten. Nicht unbedingt auf die Goldmedaille, aber zumindest für einen Platz auf dem Treppchen. Die Griechen sind aus meiner Sicht sehr stark, stärker als in den Jahren zuvor, in denen sie bereits eine gute Rolle gespielt haben. Auch die Brasilianer mit ihren ganzen NBA-Leuten darf man nicht aus den Augen lassen?

SPORT1: Vor zwei Wochen hatten Sie die Türken noch auf der Gold-Rechnung?

Bauermann: Man muss sehen, ob die Türken den Heimvorteil nutzen können oder ob sie wie bisher nicht zu ihrer Leistung finden.

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