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Jan-Hendrik Jagla steht beim polnischen Meister Asseco Prokom Gdynia unter Vertrag © imago

Die Deutschen ringen Vizeeuropameister Serbien nieder und dürfen vom Viertelfinale träumen. Jagla und Greene überragen.

Aus Kayseri berichtet Michael Spandern

Kayseri - Paukenschlag für die "Bauermänner": Die Deutschen landeten im zweiten WM-Spiel den erhofften Coup und haben nach dem epischen 82:81 (73:73, 69:69, 37:35)-Thrillersieg nach doppelter Verlängerung gegen Vize-Europameister Serbien realistische Aussichten, mehr als den vierten Gruppenplatz zu belegen.

Der würde aller Voraussicht nach zum schier aussichtslosen Achtelfinal-Duell mit den USA führen.

In der Kadir Has Arena stiegt Jan Jagla mit 22 Punkten, neun Rebounds und einem Wahnsinns-Dreier 63 Sekunden vor der letzten Sirene zum gefeierten Helden auf, auch Demond Greene (15 Zähler) ragte gerade in der entscheidenden Phase heraus.

"Nach der knappen Niederlage gegen Argentinien durfte es einfach nicht noch mal schief gehen", atmete Jagla auf, spielte aber seinen Beitrag herunter: "Ich habe wie immer versucht, dem Team das zu geben, was es braucht." 278679(DIASHOW: Die fehlenden Stars).

Das Glück des Tüchtigen

"Ich bin stolz auf die Entwicklung, die dieses Team genommen hat", sagte Dirk Bauermann. "Wir haben so hart gearbeitet, dass wir den Sieg auch verdient hatten."

Wie Jagla, der mit Ablauf der Wurfuhr in Schräglage aus der linken Ecke traf, sah auch der Bundestrainer das Glück beim Dreier zum 82:77 auf Seiten des Tüchtigen.

Bereits am Montag haben seine Mannen gegen Australien die Chance (ab 17.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER), ihre Ausgangsposition fürs nun hoch wahrscheinliche Weiterkommen zu verbessern.

"Nicht nur Basketball-Deutschland, ganz Sport-Deutschland hat mit uns gefiebert und schaltet dann hoffentlich wieder ein", hoffte der Bundestrainer.

Perovic in Serbiens Mitte

Die Deutschen begannen erneut mit Kapitän Steffen Hamann, Demond Greene, Robin Benzing, Jan Jagla und NBA-Draftee Tibor Pleiß (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

In der Startfünf der Serben ersetzten Spielmacher Stefan Markovic und Center Kosta Perovic die nach der Schlägerei im Testspiel gegen Griechenland gesperrten Milos Teodosic (Olympiakos Piräus) bzw. Nenad Krstic (Oklahoma City Thunder).

Barca-Neuzugang Perovic avancierte mit 20 Punkten auch zum erfolgreichsten serbischen Werfer.

"Naughty" stopft mit Wucht

Die Deutschen taten sich gegen die hautenge Deckung der Serben schwer, und gerieten mit 9:13 in Rückstand. Fünf Reservisten brachten neue Energie - und Heiko Schaffartzik per Dreier den Anschluss.

Ein Ballverlust von Elias Harris und ein Offensivfoul von Chris McNaughton verhinderten, dass das DBB-Team näher kam.

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Dann aber stopfte "Naughty" den Ball nach Schaffartziks Bodenpass wuchtig zum 14:17-Pausenstand in den Korb.

Schaffartzik bringt Deutschland in Front

McNaughton scheute auch den Kontakt mit Perovic nicht, verwandelte erst mit einem Korbleger, dann nach Foul zumindest einen Freiwurf - der Ausgleich.

Nachdem Jagla hinten Milan Macvan lupenrein abgeräumt hatte, netzte Schaffartik einen Dreier zum 21:20 ein. Pleiß erhöhte per Hakenwurf, blockte hinten Dusko Savanovics Wurf beeindruckend ab

Hamann vollstreckte zwei Korblegern unter Bedrängnis. Nach dem zweiten ging er angeschlagen vom Feld, Schwethelm traf den Bonusfreiwurf zum 32:28.

Hamann mit Pflaster über dem Auge

Mit der Halbzeitsirene traf Schaffartzik, der seinen Gegenspieler ausfintiert hatte, in Schräglage zur 37:35-Führung.

[kaltura id="0_75f378o2" class="full_size" title="Sensationssieg f r Deutschland"]

Wieder mit der Startfünf und einem über dem Auge gepflasterten Hamann, setzte sich Deutschland dank zweier Greene-Körbe leicht auf 44:39 ab.

Schaffartzik mit Glück aus der Distanz

Allerdings ließ die Verteidigung nun etwas nach. Milenko Tepic glich aus, Markovic brachte die Serben mit Freiwürfen mit 50:48 in Front (28.).

McNaughton antwortete mit einem Drei-Punkt-Spiel. Harris legte auf Schwethelms Zuspiel per Dunk zum 53:50 nach.

Und dank Schaffartziks glücklichem Dreier nahmen die "Bauermänner" eine 56:54-Führung mit ins Schlussviertel.

Rasic bringt Serbien in die Overtime

Doch Jagla sorgte per Dreier und Halbdistanzwurf wieder für etwas Luft, Hamann mit dem 65:59 (34.) für die höchste Führung eines Teams.

Greene hielt die Deutschen mit zwei schwierigen Körben mit sechs Punkten vorn.

Doch in den verbleibenden zwei Minuten warf Schaffartzik dreimal klar vorbei, vier Sekunden vor Schluss mit dem Sieg vor Augen. Rasic hatte zuvor mit zwei Dreiern ausgeglichen. 279764(DIASHOW: Die Stars der WM).

Schaffartzik trifft beim Korbleger über Macvan nicht mal den Ring, die Serben lassen sich den Ball im Fast-Break von Greene abluchsen, doch der steht auf der Auslinie.

Hamann wird der Pfiff verwehrt

In der ersten Verlängerung brachte Hamann das DBB-Team mit Freiwürfen und Korbleger 73:69 nach vorn.

Gleich zweimal tippte Jagla den Ball, der auf dem eigenen Korb tanzt, weg und sicherte diesen. Tepic mit einem Dreier und Perovic von der Freiwurflinie glichen erneut aus.

Der letzte Angriff gehörte Hamann, der beherzt über links zum Korb ging. Doch trotz einigem Körperkontakt auch am Arm blieb der Pfiff bleibt aus - zweite Verlängerung. (SERVICE: Die WM-Statistiken).

Tepic vergibt Siegchance für Serbien

Jagla verwandelte zwei Freiwürfe, hielt hinten Perovic stand. Und Greene traf erneut zwei schwierige Würfe - 79:73!

Tepic brachte die Osteuropäer allerdings nach einem Offensivrebound und mit zwei Freiwürfen bis auf zwei Punkte heran.

Dann schlägt die Stunde für Jaglas wilden Dreier zum 82:77. Tepic trifft Freiwürfe zum 79:82. Greene verliert den Ball, foult, muss raus. Noch 40 Sekunden. Rasic verkürzt zum 81:82. Benzing für drei? Nein, knapp vorbei.

Die Serben haben die Chance zum Sieg, doch Tepic vergibt sie, bedrängt von Jagla. Der Thriller ist vorbei - und der Jubel bei den Deutschen unbeschreiblich.

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