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Elias Harris gelangen gegen Argentinien sechs Punkte © imago

Die Deutschen wollen nach dem Achtungserfolg gegen Argentinien "etwas Zählbares" gegen die Serben. Die kommen mit Wut im Bauch.

Aus Kayseri berichtet Michael Spandern

Kayseri - Der erste von drei Break-Bällen ist vergeben, doch die Konzentration gilt bereits dem zweiten.

Nach dem ärgerlichen 74:84 (42:39) gegen den Olympia-Dritten Argentinien bemüht sich das deutsche Nationalteam, das Positive aus dem vor allem kämpferisch herausragenden WM-Auftakt mit in die Partie gegen Vize-Europameister Serbien (ab 17.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER)zu nehmen.

"Die Feuertaufe haben wir bestanden, aber jetzt geht es um etwas Zählbares", sagt Jan Jagla, nachdem gleich neun Mitspieler ihr WM-Debüt gefeiert hatten.

Greene ärgert sich über "Dummheit"

Zwei Routiniers waren es aber, welche die greifbare Sensation verspielten: Demond Greene ließ sich elf Sekunden vor dem Ende den Ball von Hernan Jasen abluchsen, und Steffen Hamann vergab vier Sekunden später beim Stand von 74:77 zwei Freiwürfe.

"Wir haben uns immer wieder gesagt: 'Wir verlieren dieses Spiel nicht!' Und daran haben wir auch geglaubt. Nur wegen einer Dummheit hat es dann nicht geklappt", ärgert sich Greene, der mit 20 Punkten und unnachgiebiger Defensivarbeit bester Deutscher war.

Bundestrainer Dirk Bauermann führt aber auch das "ganz eigenartige" Offensivfoul, das die Referees abseits des Balls Tim Ohlbrecht anlasteten, als Grund für die Niederlage an und bemerkte, dass der Albiceleste 19 Freiwürfe mehr als dem DBB-Team zugesprochen wurden.(SERVICE: Die WM-Statistiken)

Viele Pfiffe zugunsten von Scola und Delfino

Auch Kapitän Hamann hadert mit den Unparteiischen: "Es ist schwer zu verteidigen, wenn Scola und Delfino jeden Pfiff bekommen."

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Die NBA-Größen Luis Scola (Houston Rockets) und Carlos Delfino (Milwaukee Bucks) kamen gemeinsam auf 47 Punkte, auch weil sie allein in der zweiten Spielhälfte 14 deutsche Fouls herausholten - drei mehr, als das gesamte argentinische Team nach dem Seitenwechsel kassierte.

Greene mahnt jedoch, nicht in den Wunden zu bohren: "Wenn wir negativ denken und die Köpfe hängen lassen, werden wir gegen Serbien untergehen." Er rechnet erneut mit einem hoch intensiven Spiel: "Das wird ein Hundekampf."

Bauermann sauer auf Angola

"Wir sind nach einem 14-Punkte-Rückstand zurückgekommen, daraus werden wir Energie ziehen", verspricht Bauermann, der alle zwölf Spieler und keinen länger als 29 Minuten einsetzte.

Umso mehr ärgert es ihn, dass Serbien trotz der Sperren gegen die Topleute Nenad Krstic und Milos Teodosic und folglich vorerst nur zehn Spielern im Kader weniger Kraft aufwenden musste, um zum 94:44-Kantersieg gegen Angola zu spazieren. 278679(DIASHOW: Die fehlenden Stars)

[kaltura id="0_p0dydcj9" class="full_size" title="Die Schlüsselszene gegen Argentinien"]

"Das war sehr unerfreulich. Ich weiß nicht, was die Angolaner im Schilde führen und ob sie sich für andere Spiele schonen. Aber das war sehr wenig an Einsatzwillen."

"Das wird sie wütend machen"

NBA-Center Krstic, der im Testspiel einem Griechen einen Stuhl an den Kopf warf, und Euroleague-MVP Teodosic, einer der beiden Auslöser der wüsten Schlägerei, werden auch gegen Deutschland fehlen. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

"Die Nachrücker sind bestimmt hungrig darauf zu beweisen, dass sie nicht nur ein adäquater Ersatz, sondern besser als die Arrivierten sind", glaubt Bauermann. "Mal abwarten, ob die Serben nun schwächer sind, aber auf jeden Fall werden die Sperren sie wütend machen."

"Da hat er recht", sagt Small Forward Marko Keselj zu SPORT1. Die Strafen seien nicht gerechtfertigt, meint der Ex-Kölner, der aus dem deutschen Team nur seine einstigen Mitspieler Tibor Pleiß und Philipp Schwethelm kennt. .

Milicic-Tirade bleibt haften

Bauermann hingegen versteht nicht, warum sich die Serben über das Strafmaß beschweren. "Im Gegenteil: ihre Entschuldigung hätte deutlicher ausfallen können."

"Ich meine, etwas mehr Demut würde ihnen gut tun - gerade wenn man daran denkt, was Darko Milicic bei der EM 2007 gemacht hat", erinnert er an den Wutausbruch des NBA-Centers nach der Vorrunden-Niederlage gegen Griechenland.

Milicic hatte vor serbischen TV-Kameras die Schiedsrichter, deren Mütter und Töchter derart vulgär beschimpft, dass der Weltverband ihm eine Strafe von 10.000 Euro aufbrummte.

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