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Heiko Schaffartzik wurde 2009 erstmals von Dirk Bauermann ins Nationalteam berufen © getty

Im K.o.-Spiel gegen Angola sehen die Deutschen nach einem Comeback schon wie die Sieger aus, verlieren aber die Nerven.

Aus Kayseri berichtet Michael Spandern

Kayseri - Albtraum nach einer Nervenschlacht: Mit dem K.o. vor Augen ist das DBB-Team an sich selbst gescheitert und erstmals seit 1994 in der Vorrunde einer WM ausgeschieden.

Bei der 88:92 (78:78, 35:40)-Niederlage gegen Angola verspielte Deutschland einen Zehn-Punkte-Vorsprung vier Minuten vor Schluss und zog nach zwei Ballverlusten und acht Fehlwürfen in der Verlängerung den Kürzeren.

Das Spiel am Donnerstag gegen Jordanien (ab 20.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) hat somit nur noch statistischen Wert 278679(DIASHOW: Die fehlenden Stars) .

"Einer der schlimmsten Momente"

Die Deutschen, von denen Jan Jagla (23 Punkte), Heiko Schaffartzik (18) und Tim Ohlbrecht (17) die erfolgreichsten Korbjäger waren, rangen vergeblich nach Erklärungen. Wenn sie nicht gleich in die Kabine trotteten, wo sie - wie Trainer Dirk Bauermann berichtete - Rotz und Wasser heulten.

"Ich kann mir das auch nicht erklären", sagte Steffen Hamann zu SPORT1. "Das ist sehr, sehr bitter." Philipp Schwethelm sprach von "einem der schlimmsten Momente meiner Karriere".

Beim Afrikameister war Olimpio Cipriano mit 30 Punkten der gefeierte Mann, auch der Ex-Kölner Joaquim Gomez (16 Zähler, 14 Rebounds) lieferte eine Top-Vorstellung.

Harris rückt in die Anfangsformation

Bauermann änderte erstmals seine Startfünf, brachte als Small Forward Elias Harris an Stelle von Robin Benzing. Daneben begannen Kapitän Steffen Hamann, Demond Greene, Jagla und Center Tibor Pleiß.

In der Starting Five der Angolaner standen mit Cipriano, Carlos Morais, Miguel Lutonda, Gomez und Eduardo Mingas fünf Spieler, die 2006 im längsten WM-Match der Geschichte 103:108 gegen Deutschland verloren hatten (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Nach nervösem Auftakt traf Jagla seinen dritten Wurf, verkürzte auf 3:4. Der Power Forward sorgte mit seinem zweiten Dreier auch für die erste DBB-Führung.

Cipriano nutzt Ballverlust aus

Jagla traf auch trotz enger Bewachung aus der Distanz, beim 15:8 hatte er bereits elf Zähler auf seinem Konto.

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Doch die Angolaner antworteten mit zwei Dreiern, dann nutzte Cipriano einen Ballverlust von Benzing zum Dunking und zum 16:15 - genau das hatte Bauermann vermeiden wollen.

Das DBB-Team hielt durch Hamann, der nun gemeinsam mit Ersatz-Spielmacher Heiko Schaffartzik auf dem Feld stand, und Tim Ohlbrecht dagegen.

Plötzlich neun Punkte hinten

Im zweiten Viertel gerieten die Deutschen mit 19:24 ins Hintertreffen, dann wendete Philipp Schwethelm - diesmal die Nummer 10 in Bauermanns Rotation - mit Dreier und Drei-Punkt-Spiel kurzzeitig das Blatt.

Der nun im Rebound viel präsentere Afrikameister zog auf 35:26 (18.) davon. Dann aber schlug Schaffartzik zweimal per Dreier zu und Jagla legte zum 35:39 nach.

Nach dem Seitenwechsel warfen sich die Angolaner beim 45:35 den höchsten Vorsprung heraus. Doch erneut hielt Türkei-Legionär Schaffartzik, nun als dritter Guard auf dem Parkett, dagegen.

Staiger krönt Aufholjagd

Ohlbrechts Tip-In und Hamanns Drei-Punkt-Spiel brachten die "Bauermänner" wieder auf fünf Punkte heran. Doch zwei Offensivfouls von Chris McNaughton und Ohlbrecht sowie ein haarsträubender Benzing-Ballverlust kosteten das Momentum.

[kaltura id="0_helo2n7g" class="full_size" title="Hamann im Interview"]

Immerhin: Nach Schwethelms zweitem und Schaffartziks viertem Dreier waren die Deutschen vor dem Schlussviertel auf 54:58 dran.

Lucca Staiger, als letzter der elf eingesetzten Spieler am Ball, netzte zweimal aus acht Metern ein - endlich führte Deutschland wieder, 62:58!

Angola gibt nicht auf

Auch Jagla war von außen erfolgreich, Ohlbrecht vollstreckte trotz Foul, und das DBB-Team lag mit acht Punkten vorn.

Jagla versiebte zunächst zwei Freiwürfe, dann einen Korbleger, um schließlich unter dem Jubel des DBB-Fanblocks seinen sechsten und siebten Dreier zu versenken - 74:64 (37.) 279764(DIASHOW: Die Stars der WM).

Ohlbrecht sorgte 1:45 Minuten vor Schluss mit dem 77:68 vermeintlich für die Entscheidung, doch nach einem Gomez-Dreier und einem Dunk von Felizardo Ambrosio waren die Afrikaner wieder auf vier dran.

Hamanns Ballverluste führen zur Verlängerung

Routinier Greene, an diesem Abend bei all seinen sieben Versuchen aus dem Feld mit Fahrkarten, scheiterte aus der Distanz, Deutschland eroberte mit klasse Defense den Ball, doch Hamann passte ihn ins Nichts.

Cipriano leistete sich ein Offensivfoul, Hamann erneut einen Fehlpass. Dann versenkte Ambrosio per Dreier zum 76:77 (SERVICE: Die WM-Statistiken).

23 Sekunden vor Schluss traf Schaffartzik nur einen von zwei Freiwürfen, Cipriano dagegen beide. Im letzten Angriff geriet Schaffartziks Nahdistanzwurf im Zurückfallen viel zu kurz - Verlängerung.

Cipriano steigt zum Helden auf

Gomez legte in der Overtime vier Punkte vor, Schaffartzik traf zwei Freiwürfe, Cipriano versenkte einen Wurf unter Bedrängnis und legte nach Jagla-Ballverlust im Gegenzug zum 86:80 ein.

Staiger führte Deutschland noch mal heran, doch Ohlbrecht verpasste mit einem Hakenwurf das 84:86. Dafür netzte Schwethelm per Dreier aus dem Laufen zum 85:87 ein - noch 29 Sekunden.

Cipriano behielt bei zwei Freiwürfen die Nerven, Benzing scheiterte zweimal aus der Distanz, das war's! Der Traum von Istanbul war zum Albtraum von Kayseri geworden.

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