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Jan Jagla (r.) gelangen gegen Angola immerhin sieben Dreier © imago

Das DBB-Team bringt sich im K.o.-Spiel gegen Angola um den Lohn für den WM-Sommer. Bauermann nimmt die Routiniers in Schutz.

Aus Kayseri berichtet Michael Spandern

Kayseri - Die Stille nach dem Schluss währte rund eine halbe Stunde.

Nachdem die Angolaner ausgiebig ihren großen Overtime-Erfolg geschildert hatten, kam Dirk Bauermann nebst Reservist Philipp Schwethelm aus der Kabine, um bei der obligatorischen Pressekonferenz das deutsche Vorrunden-Aus zu erklären (SERVICE: Die WM-Statistiken).

Das 88:92 (78:78, 35:40) gegen den Afrikameister, das dem abschließenden Spiel gegen Jordanien (ab 20.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) jede Bedeutung nimmt, sei "mit der bitterste Moment in sechs Jahren als Bundestrainer", räumte Bauermann ein. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Das Ziel Achtelfinale war so nahe, nachdem die Deutschen nach der Halbzeit einen Zehn-Punkte-Rückstand in einen Zehn-Punkte-Vorsprung verwandelt und noch 1:45 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit deutlich mit 77:68 vorn gelegen hatten.

Es folgten "einige dumme Fehler", wie Schwethelm wertete. Und Bauermann haderte: "Wir hatten Ballverluste, die uns sehr weh getan haben."

"Plötzlich macht sich die Angst vor der Niederlage breit", fügte er an, "und dann verwandelt der Gegner auch noch einen so glücklichen Dreier aus acht Metern mit Brett."

Glück, das gegen Serbien noch auf deutscher Seite war, Glück das Bauermann in jenem Spiel als das des Tüchtigen bezeichnet hatte. 279764(DIASHOW: Die Stars der WM)

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Sieben Fahrkarten von Greene

Die Angolaner kämpften sich in die Verlängerung, weil sie sieben Rebounds mehr als die Deutschen holten, weil Steffen Hamann in der Schlussminute zwei Fehlpässe gab, weil Demond Greene alle seine Feldwürfe verfehlte.

"Wir wären nie so weit gekommen, wenn wir die beiden nicht gehabt hätten. Solche Dinge passieren, Schwamm drüber", nahm Bauermann die Routiniers in Schutz.

Jan Jagla, der vor allem durch sieben Dreier auf 23 Punkte kam, Heiko Schaffartzik (18) und Tim Ohlbrecht (17) hielten die Deutschen im Spiel, vergaben aber auch etliche Chancen.

Dass die Trefferquote der Deutschen in der Overtime auf 27 Prozent sank, hatte für Joaquim Gomez einen Grund: "Da waren sie ein wenig müde, glaube ich", sagte er SPORT1.

Der Ex-Kölner Gomez war mit 16 Zähler und 14 Rebounds auffälligster Akteur nach Olimpio Cipriano (30 Zähler, sechs davon in der Verlängerung).

Und er hatte eine Ahnung, warum die längeren Deutschen beim Rebound klar mit 37:44 den Kürzeren zogen: "Rebounds sind eine Sache der Einstellung, und die hat bei uns gestimmt."

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Während die Angolaner das Weiterkommen feierten, weinten die Deutschen in der Kabine, und Bauermann kleidete die Trauer in Worte: "Das war ein Ende des Sommers, das die Mannschaft so nicht verdient hat."

"Ich finde, dass diese junge Mannschaft für diese harte Arbeit, das tolle Miteinander, das Zuhören und Besser-Werden-Wollen auch eine Belohnung verdient gehabt hätte", erläuterte der Coach. "Und da wäre ein Achtelfinale gegen die USA eine sensationelle Geschichte gewesen."

Doch statt des Traum-Duells mit den NBA-Stars steht nun bereits am Freitag der Heimflug an, und erst in rund zehn Monaten geht es bei der Vorbereitung auf die EM 2011 gemeinsam weiter.

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