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Dirk Bauermann trainiert neben der Nationalmannschaft auch den FC Bayern München © imago

Nach dem Vorrunden-Aus bei der WM schätzt Dirk Bauermann im Interview die Folgen ein. Das Hauptziel sei jedoch erreicht.

Aus Kayseri berichtet Michael Spandern

Kayseri - Was ein Spätsommermärchen hätte werden sollen, endete jäh in einem Melodram mit Überlänge:

Trotz bravouröser Auftritte bei der knappen Auftaktniederlage gegen Argentinien und dem Sensationssieg gegen Serbien ist Deutschland erstmals seit 1994 in der Vorrunde einer WM ausgeschieden.

Die 88:92 (78:78, 35:40)-Niederlage gegen Angola nach Overtime bedeutete das Ende.

Im Interview spricht Bundestrainer Dirk Bauermann über verpasste und erreichte Ziele, seine Zukunft und die Perspektive der Nach-Nowitzki-Generation. Er ist sich sicher: "Diese Mannschaft hat eine große Zukunft!"

Frage: Herr Bauermann, Deutschland hat das ausgelobte Ziel Achtelfinale verpasst. Woran ist ihr Team gescheitert?(SERVICE: Die WM-Statistiken)

Dirk Bauermann: Wir haben mit der jüngsten deutschen Basketball-Nationalmannschaft aller Zeiten das große Ziel, unter die letzten 16 zu kommen, nicht erreicht - und das denkbar knapp. Das muss man anerkennen und mit dieser bitteren Erkenntnis nach Hause fahren. Aber vorzuwerfen hat sich da keiner etwas.

Frage: Wirft das Vorrunden-Aus die Entwicklung des deutschen Teams zurück? (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Bauermann: Ich glaube das überhaupt nicht. Rückschläge und die Fähigkeit, Rückschläge zu verarbeiten, daraus zu lernen und sich nicht auf seinem Weg beirren zu lassen, gehören im Sport dazu.

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Frage: Wie geht der Weg dieser Spieler nun weiter?

Bauermann: Das Ziel hieß auch, den Spielern die Motivation zu geben, im Verein so hart zu arbeiten, dass wir uns im nächsten Jahr und in den nächsten Jahren noch besser präsentieren können. Sie wissen, dass sie mehr tun müssen, dass jeder im nächsten Sommer noch besser zurückkommen muss.

Frage: Nagt eine solche Niederlage nicht noch lange an den Beteiligten?279764(DIASHOW: Die Stars der WM)

Bauermann: Ich bin sicher, dass sie diese junge Mannschaft eher hungriger auf Erfolge in der Zukunft macht als so wehzutun, dass jetzt die große Depression eintritt. Wir müssen nicht mit gesenktem Haupt nach Hause fliegen.

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Frage: Kann diese Generation ohne Dirk Nowitzki womöglich nicht mehr erreichen?

Bauermann: Doch, wir hätten es schaffen können, sind aber knapp vor der Ziellinie abgefangen worden. Viel schlimmer wäre jedoch gewesen, wenn die vorige Generation mit Nowitzki sich nicht für Olympia qualifiziert hätte. Da hast du kein Morgen, aber diese Mannschaft hat ein Morgen, ein Übermorgen und ein Überübermorgen. Und deshalb ist es auf lange Sicht kein Beinbruch, so weh es im Moment auch tut.

Frage: Aber der nächste deutsche NBA-Spieler, Tibor Pleiß, ist lange kein Nowizki, saß gegen Angola überwiegend auf der Bank?

Bauermann: Tibor ist sicher noch nicht in der Lage, ein Spiel offensiv zu tragen. Ihm - wie wir das 2008 mit Nowitzki und Chris Kaman gegen Angola getan haben ? regelmäßig den Ball in Korbnähe zu geben, das ist noch eine viel zu große Erwartung. Tibor ist noch nicht so weit, seine Größe auszunutzen, wird das aber in kurzer Zeit sein.

Frage: Wie sieht denn mittelfristig die Perspektive von Pleiß und Co. aus?

Bauermann: Viele Nationen beneiden uns für diese talentierte Generation. Die Kollegen vom türkischen TV haben Vergleiche mit Arsenal London und Arsene Wenger gezogen, von einer Schule von jungen Basketballern gesprochen, die noch einen Weg noch vor sich haben. Diese Mannschaft hat eine große Zukunft!

Frage: Gehen Sie den Weg in die Zukunft auf jeden Fall bis 2012 als Bundestrainer mit?

Bauermann: Daran ändert sich nichts. Unser wichtiges Ziel, nämlich sehr junge Spieler an dieses sehr hohe Niveau heranzuführen, haben wir hundertprozentig erreicht.

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