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Dirk Bauermann betreut die deutsche Nationalmannschaft bereits seit 2003 © getty

Nach dem Ende des WM-Sommers sorgt sich Dirk Bauermann um die Trainingsmoral seiner Spieler und sehnt Dirk Nowitzki herbei.

Aus Kayseri berichtet Michael Spandern

Kayseri - Der WM-Sommer ist nach der bitteren Schlappe gegen Angola vorbei.

Trotz des abschließenden Sieges gegen Jordanien verstreuen sich die DBB-Riesen am Freitag von Istanbul aus in alle Winde - "enttäuscht, und das wird eine Weile anhalten", sagt Heiko Schaffartzik (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Das Ziel Achtelfinale ist verpasst, auch wenn Bundestrainer Dirk Bauermann das nach außen hin anders verkauft und darauf verweist, dass die Weiterentwicklung seines jungen Teams, seiner jungen Spieler an erster Stelle gestanden habe.

Aber just um die macht er sich unüberhörbar Sorgen, bevor er sie bis zur Vorbereitung auf die EM 2011 für zehn Monate in die Obhut der Vereine entlässt (SERVICE: Die WM-Statistiken).

"Talent ist auch Verpflichtung"

Bauermann graut davor, dass seine Top-Talente Tibor Pleiß, Elias Harris, Robin Benzing und Tim Ohlbrecht stagnieren.

Auch wenn er keinen der Vier namentlich für dessen physischen Zustand und dessen Wettkampfhärte in der Türkei kritisierte: Verlässliche Stützen waren sie nicht und dürfen daher die mahnenden Worte durchaus auf sich beziehen.

"Solche Spieler müssen verstehen, dass ein Talent auch eine Verpflichtung ist, mehr zu tun als die anderen, auch an Schwächen zu arbeiten, wenn sie müde sind oder keine Lust haben", dozierte er. Nicht umsonst gäbe es schließlich auch ewige Talente.

Im Gleichschritt mit "Dirk the Work"

Und dann erzählt der Bundestrainer vom gerade 22-jährigen Ohlbrecht, dem dieser Stempel bereits von mancher Seite aufgedrückt wurde.

2008 habe er Ohlbrecht beim Training für die Olympia-Quali befohlen, nie vom Feld zu gehen, bevor sich Dirk Nowitzki hinsetzt. Der erwarb sich in Dallas nicht ohne Grund den Spitznamen "Dirk the Work".

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Seinen NBA-All-Star sehnt Bauermann auch deshalb dringend herbei, damit der den Talenten als Vorbild Arbeitsmoral vorlebt.

"Das hat dann viel größere Wirkung, als wenn es ein Trainer, auch wenn es ein erfahrener Bundestrainer ist, immer wieder sagt", glaubt der 52-Jährige.

Im Klub mit älteren USA-Importen

Doch erst mal geht es für den Großteil des WM-Dutzend zurück in die Beko BBL, und an die Seite von gesetzten USA-Importen. Die falschen Vorbilder, unkt Bauermann.

"Die Jungs dürfen sich nicht dem anpassen, was zehn Jahre ältere Amerikaner machen", fordert er. "Sie sind in der Verantwortung für ihre Karriere."

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"Ich denke jeder Spieler kann noch mehr tun. Keiner kann sagen, er tut genug", sagte ALBA Berlins Lucca Staiger (24) zu SPORT1 . "Es war uns eine Lehre, so früh rauszufliegen. Jetzt werden alle hart arbeiten, damit sie für 2011 besser gerüstet sind."

"Vertrauensverhältnis" zu Taylor und Fleming

Bauermann bemüht sich, keine Gräben zwischen dem DBB und den Bundesligisten aufzureißen.

So habe er zu den Coaches Mike Taylor und Chris Fleming, die in Ulm Benzing bzw. in Bamberg Pleiß unter ihrer Fittiche haben, "ein Vertrauensverhältnis aufgebaut" und wolle gar nicht in deren Athletikprogramm hereinreden. "Wir wollen kein konkurrierendes System aufbauen."

Dass Benzing und Pleiß, trotz dessen 23-Punkte-Auftritt gegen Jordanien, athletisch noch längst nicht internationalen Maßstäben gerecht werden, stellte er allerdings nicht in Abrede.

In Europa für die NBA reifen

Während Pleiß bereits in der NBA von den Oklahoma City Thunder im diesjährigen Draft ausgewählt wurde, zog Benzing seine Anmeldung zurück.

Einen Wechsel in die amerikanische Profiliga hält Bauermann allerdings in diesem Alter ohnehin für den falschen Schritt.

Talentierte Spieler sollten "nicht von der NBA herumspinnen, sondern sich bei einem Topklub in Europa durchsetzen", mahnt er. Pleiß spielt mit Bamberg 2010/11 in der Europaliga zumindest gegen solche Topklubs - neben Jan Jagla wohl als einziger der zwölf "Bauermänner".

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