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Ingo Weiss stieg 2006 zum DBB-Präsidenten und Bauermann-Chef auf © imago

DBB-Boss Weiss will Dirk Bauermann als Bundestrainer behalten, auch wenn der in der Beko BBL coache. Pommer nennt Gegengründe.

Von Michael Spandern

München - Zur ersten Aufarbeitung des deutschen Vorrunden-K.o. bei der WM setzte sich der Deutsche Basketball-Bund (DBB) noch vor Ort in Kayseri mit Dirk Bauermann zusammen.

Die zweite Runde steht an, sobald DBB-Boss Ingo Weiss aus der Türkei zurück ist. "Dann werden wir auch den Bericht des Bundestrainers haben", sagt der Präsident. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Aber Rechenschaft ablegen muss Bauermann keineswegs: "Ich bin mit dem Abschneiden gut zufrieden", erläutert Weiss gegenüber SPORT1. "Das Achtelfinale wäre natürlich wünschenswert gewesen, aber eine klare Zielvorgabe war das nicht. Daher muss sich Dirk Bauermann auch nicht daran messen lassen."

"Auf die richtigen Pferde gesetzt"

"Wenn's nach mir geht, hat Bauermann bei uns einen Vertrag bis 2022. Er macht einen exzellenten Job", stellt Weiss klar und verknüpft sein Schicksal mit dem des Coaches: "Solange ich Präsident bin, wird Dirk Bauermann auch der Bundestrainer sein."

Das Ausscheiden durch die Niederlage gegen Angola wischt er in der Hoffnung auf kommende Siege vom Tisch: "Wenn ich auf Nummer sicher hätte gehen wollen, hätte ich zwei, drei erfahrene Korsettstangen mitnehmen müssen, aber wir haben mit den Youngstern auf die richtigen Pferde gesetzt."

Um ganz in Bauermanns Jargon anzufügen: "Wir werden mit dieser jungen Mannschaft auch noch ganz viele Siege feiern."

Daher erwägt er, den 2013 auslaufenden Vertrag mit dem Bundestrainer weit vorher zu verlängern: "Wir werden rechtzeitig darüber reden. Vielleicht 2011, vielleicht schon in der nächsten Woche, wenn wir uns treffen. "

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"Lex Bauermann" verbietet Doppeljob

Doch Bauermann wechselt vorerst die Pferde, und setzt sich mit ganzer Kraft als Klubtrainer für den Aufstieg des Zweitligisten FC Bayern München ein.

Der Pro-A-Krösus von Uli Hoeneß' Gnaden startet in zweieinhalb Wochen in die Saison, um dann in der folgenden Spielzeit die Beko BBL aufzumischen.

Doch deren Regularien verbieten, dass der Bundestrainer gleichzeitig einen Erstligisten betreut. Seit 2008 ist dies festgeschrieben und im Volksmund als "Lex Bauermann", der damals bei den Brose Baskets Bamberg zurücktrat, bekannt.

Weiss fordert eine Ausnahme

Weiss aber glaubt, dass es eben für Bauermann zumindest eine Ausnahme von der Regel geben müsse und werde.

"Es geht darum, den Basketball-Sport voranzubringen. Dazu zählt, dass Dirk Bauermann weiter Bundestrainer ist. Und dazu zählt auch, dass der FC Bayern aufsteigt und in der BBL für Furore sorgt", behauptet der DBB-Boss.

Und er betont: "Sollte es dann Konflikte zwischen Verband und Liga geben, dann werden diese selbstverständlich gelöst. Da werden wir Möglichkeiten finden, da mache ich mir keine Sorgen."

Liga-Boss Pommer ist irritiert

Beko-BBL-Chef Jan Pommer ist über diese Sorglosigkeit einigermaßen irritiert: "Ich kann den Optimismus des Herrn Weiss nicht teilen", sagt Pommer zu SPORT1.

Die Regularien ließen die Ämterunion nicht zu, wobei es "nicht um Starrsinn" gehe und er sich durchaus mit den Beteiligten austauschen wolle.

Doch Pommer erinnert daran, dass Bauermann seinerzeit selbst gemerkt habe, warum er nicht Diener zweier Herren sein könne, und die Gründe hätten nichts von ihrer Gültigkeit und ihrem Gewicht verloren.

"Höhere Autorität bei den Schiedsrichtern"

Erstens seien zwei so anspruchsvolle Jobs kaum unter einen Hut zu bringen. Zweitens habe der Bundestrainer viel größere Chancen, deutsche Spieler zu seinem Verein zu locken, da die sich natürlich fürs Nationalteam anbieten wollen.

Und drittens "hat der Bundestrainer eine höhere Autorität bei den Medien und auch bei den Schiedsrichtern", ruft Pommer ins Gedächtnis. Bauermann wurde zu seiner Bamberger Zeit vorgeworfen, die Referees von der Seitenlinie aus hartnäckig und ungestraft zu bearbeiten.

Pommer erklärt: "Die Probleme sind da zu lösen, wo sie entstehen. Und das ist nicht bei uns". Will heißen: Der DBB oder die Münchner müssten sie etwas einfallen lassen. "Schließlich wären die Bayern auch nicht begeistert gewesen, wenn Urs Siegenthaler DFB-Chefscout und gleichzeitig beim HSV Sportdirektor geworden wäre."

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