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Dirk Nowitzki wurde bei der WM 2002 zum wertvollsten Spieler gewählt © getty

Nach dem Gewinn des NBA-Titels bezweifelt Nowitzki die EM-Teilnahme. Bei SPORT1 spricht der DBB-Generalsekretär über die Chancen.

Von Michael Spandern und Eric Böhm

München - Dirk Nowitzki hat gegen die scheinbar übermächtigen Miami Heat unglaublichen Willen bewiesen und sich seinen großen Traum erfüllt (Video, Bericht und412486 Bilder).

Selbst Fieber und einen Sehnenriss im Finger konnten den Star der Dallas Mavericks auf dem Weg zum NBA-Titel nicht aufhalten.

Bei den deutschen Basketball-Fans sorgte jedoch eine seiner Aussagen zur Europameisterschaft in Litauen (31. August bis 18. September, LIVE im TV auf SPORT) für Aufregung.

Nowitzki hatte in einem Interview gesagt, dass er gar nicht wisse, wann die EM genau stattfindet, obwohl er schon im letzten Jahr seine Zusage gegeben hatte (Bericht: Nowitzki doch nicht zur EM?).

DBB-Generalsekretär Wolfgang Brenscheidt spricht im SPORT1-Interview über Nowitzki, die Chancen auf eine EM-Teilnahme und Chris Kaman.

SPORT1: Herr Brenscheidt, welches Gefühl haben Sie? Nimmt Dirk Nowitzki an der Europameisterschaft teil?

Wolfgang Brenscheidt: Ich glaube, es geht gar nicht um meine Gefühle. Wir haben mit Dirk vor einiger Zeit über das Thema EM gesprochen. Unsere Ausrichtung bleibt unverändert. Er ist seit 20 Jahren Nationalspieler - angefangen bei der U 16 - und man musste ihn nie bitten oder betteln, für Deutschland zu spielen. Wenn ich es richtig vor Augen habe, hat er jetzt 111 Spiele in den Knochen. Die Gesundheit des Spielers geht vor. Er soll jetzt zur Ruhe kommen, dann werden wir uns zusammensetzen.

SPORT1: Sind Sie und der Verband enttäuscht, dass Nowitzki nach eigener Aussage nicht weiß, wann die EM genau stattfindet?

Brenscheidt: Nein, darüber habe ich eher geschmunzelt. Ich war auch in Dallas vor Ort. Jeder, der gesehen hat, was dort los ist, nimmt das nicht zu ernst. Das ist die Entscheidung der Journalisten, ihn zwei Tage nach der Meisterschaft permanent auf die EM anzusprechen. Wir als DBB haben das nicht getan, da wir uns an die getroffenen Absprachen halten. Wenn man ihn jetzt - unter dem Eindruck der langen Saison - zu einer Entscheidung drängen würde, käme möglicherweise ein anderes Ergebnis dabei heraus, als wenn er sich erst mal regeneriert und wohlverdienten Urlaub macht.

SPORT1: Was kann der DBB tun, um ihn zum Spielen zu bewegen?

Brenscheidt: Dirk spielt gern in der Nationalmannschaft. Er hat gesagt, dass es für ein Thema ist, die jungen Spieler zu den Olympischen Spielen zu führen. Wir müssen jetzt abwarten, was in den nächsten zwei bis fünf Wochen bei ihm passiert und wie es ihm körperlich geht. Ende Juli gehen wir ins Trainingslager nach Spanien, da wäre Dirk ohnehin noch nicht dabei. Es bleibt also genug Zeit. Letztendlich ist es seine Entscheidung, er kennt seinen Körper am besten. Wenn Dirk kommt, kommt er fit.

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SPORT1: Sie warten also, bis Nowitzki bereit ist, seine Entscheidung zu treffen?

Brenscheidt: Nein. Wir sind ja im Dialog mit Holger Geschwindner (Nowitzkis persönlicher Trainer und Mentor, Anm. der Red.). Aktuell stehen wir mit Dirk nicht in Kontakt. Wir wollen ihn mit der EM ganz bewusst in Ruhe lassen. Er soll jetzt seinen Erfolg genießen.

SPORT1: Welche Argumente liefern Sie Nowitzki?

Brenscheidt: Die Frage ist, ob wir überhaupt Argumente brauchen. Grundsätzlich verfolgen wir die Philosophie, dass die Spieler von sich aus und gern zur Nationalmannschaft kommen. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele ist die klare Zielsetzung. Das sind die Hauptargumente, die man ins Feld führt. Das betrifft nicht nur Dirk. Bei ihm spielen darüber hinaus körperliche und mentale Faktoren eine Rolle.

SPORT1: Auf der DBB-Homepage steht seit April das Video, in dem Nowitzki seine Absicht bekräftigt, dabei zu sein ("Wir sehen uns"). Können Sie seitdem einen Stimmungsumschwung feststellen?

Brenscheidt: Eigentlich nicht. Die gesamte Republik wünscht sich natürlich eine schnelle Entscheidung und seine EM-Teilnahme. Die Entscheidung können wir jetzt nicht forcieren. So ist es auch mit Geschwindner abgesprochen, der mit ihm das Training abstimmt. In den fünf Wochen bis zum Beginn des Trainingslagers wird es Gespräche geben und die Planung kann weitergehen.

SPORT1: Befürchten Sie bei Nowitzki ein Motivationsloch?

Brenscheidt: Ich könnte mir vorstellen, dass er im Moment in einem Motivationsloch steckt, wenn er an Basketball denkt. Das ginge jedem Athleten so. Grundsätzlich hat es aber nie Probleme gegeben, ihn zum Spielen zu motivieren.

SPORT1: Stehen Sie in Kontakt mit Mavericks-Besitzer Mark Cuban?

Brenscheidt: Nein. Wenn es um die finalen Entscheidungen geht, hat das Dirk immer mit ihm direkt geregelt, oder respektive Geschwindner.

SPORT1: Wie ist der Stand bei Center Chris Kaman von den Los Angeles Clippers?

Brenscheidt: Mit Chris stehen wir auch in Kontakt. Er ist im leichten Training. Wir bereiten jetzt gemeinsam mit Chris die Formalitäten vor. Denn die Versicherungsproblematik hängt auch davon ab, ob es einen NBA-Lockout gibt. Wir bereiten die Szenarien vor. Im Hintergrund bereiten wir alles für ein 'Go' vor, sodass wir innerhalb von zwölf Stunden starten können.

SPORT1: Elias Harris (Gonzaga University) musste verletzt absagen. Ist er ein herber Verlust?

Brenscheidt: Es ist sehr schade. Er hat ein sehr großes Potenzial. Aber auch da gilt, die Gesundheit des Spielers geht vor. Wenn er von sich aus sagt, er muss einen Rückzieher machen, ist das so zu akzeptieren. Er ist ein Verlust, aber auf der Position haben wir ausreichend Optionen.

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