vergrößernverkleinern
Dirk Nowitzki (M.) holte mit dem DBB-Team 2005 EM-Silber © getty

Das DBB-Team nähert sich gegen Bosnien ) der EM-Form. Nowitzkis Einfluss macht sich auch außerhalb des Feldes bemerkbar.

Bremen - Dirk Nowitzki hatte alles im Griff und war Chef auf dem Feld, selbst wenn er nicht auf dem Feld war.

Er führte die deutschen Basketballer auch von der Bank aus - und das Team lechzt regelrecht danach, von dem NBA-Champion auf den Weg gebracht zu werden.

"Oh je, nein, nein. Ich habe ihm weder den Rang abgelaufen, noch habe ich ihm die Show gestohlen", sagte der 22-jährige Robin Benzing und wehrte sich trotz seiner 19 Punkte beim 86:64-Sieg gegen Bosnien-Herzegowina, der Star des EM-Testspiels von Bremen gewesen zu sein. (BERICHT: Deutschland fertigt Bosnien ab)

Die Spieler verehren ihren Anführer, der trotz allen Starrummels einer von ihnen ist. Nach jeder gelungenen Aktion schielen sie zu Nowitzki - und schon ein bloßes Nicken empfinden sie wie einen Ritterschlag.

"Wenn der große Blonde aufsteht und klatscht, ist das etwas Erhebendes für alle", erklärte Bauermann. "Da kann ich anfeuern und auf den Popo klatschen wie ich will. Ein Lob von Dirk ist etwas ganz anderes, ein starkes Signal."

Lehrstunde beim NBA-Champion

Nowitzki spielte in Bremen knapp 17 Minuten lang; und dennoch macht er alle allein durch seine Präsenz ein bisschen stärker. "Es ist unwahrscheinlich, wie er die Jungs mitreißt", sagte Bauermann.

Lucca Staiger zum Beispiel. "Er hat mit ihm ein extra Wurftraining gemacht und ihm gezeigt, was er umstellen soll. Sensationell, wie sich Dirk verhält", erzählte der Bundestrainer, der in Chris Kaman von den LA Clippers einen zweiten NBA-Mann im Team hat.

Kaman als Spaßvogel

Die beiden 2,13-Meter-Hünen ergänzen sich wie zuletzt bei Olympia 2008. "Keiner will dem anderen etwas wegnehmen, wir wollen nur zusammen gewinnen", sagte Nowitzki.

Er machte neun, Kaman, der laut Bauermann "die Jungen mit seinen Späßen locker hält", zwölf Punkte.

[kaltura id="0_i1dynmju" class="full_size" title="Deutschland fertigt Bosnien ab"]

"Dirk und Chris schaffen Freiräume - und die nutzen wir", erklärte Benzing. "Die Jungen spüren das Vertrauen der beiden", beschreibt Bauermann, weshalb die Chemie im Team stimme.

Und die NBA-Stars merken, "dass sie mit anderen guten Basketballern zusammen spielen und man ihnen den Ball anvertrauen kann".

Reichlich zu tun und die Zeit ist knapp

Kleine und große Fehler blieben im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina auch wegen der vielen Experimente und der vergleichsweise kurzen Spielzeit Nowitzkis nicht aus. Das war eingeplant, zumal der Gegner nicht zur ersten Garde der EM-Starter zählt. 442265(DIASHOW: Der DBB-Kader für die EM)

"Sie haben maximal Außenseiterchancen", sagt Bauermann und verabschiedete seine Spieler in einen freien Tag. "Wo sie sich aufhalten, wissen wir ja dank der ständigen Kontrolle der Antidoping-Agentur NADA", sagte er mit einem Schmunzeln.

Bei den letzten beiden Tests am Freitag in München (ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) und Sonntag in Berlin jeweils gegen Mazedonien soll nun der Feinschliff kommen.

"Es ist noch reichlich zu tun, und die Zeit ist knapp", sagte der Coach. "In Litauen müssen wir einen Mittelweg finden", fordert Bauermann, "einerseits Dirk und Chris zu unterstützen, andererseits aber nicht ausrechenbar zu werden."

Nowitzki bereit für "Dirkules"-Aufgabe

Nur wenn die deutsche Mannschaft am 18. September im Endspiel der Europameisterschaft steht, ist das Ziel Olympia erreicht. Sollte es nur zu Platz drei bis sechs reichen, geht der Weg über ein Quali-Turnier.

"Ich habe schon 2008 gesagt, dass ich Olympia noch mal erleben will", sagt Nowitzki. Er ist bereit für die "Dirkules"-Aufgabe. "Es macht Spaß mit den Kollegen, die ich lange nicht gesehen habe."

Der Akku ist wieder voll - ziemlich jedenfalls. "Gestern waren wir bei 65 Prozent - heute sind es 66", sagt Bauermann und lächelt angestrengt angesichts der bevorstehenden Strapazen.

"Wenn alles optimal läuft, haben wir elf Spiele binnen zweieinhalb Wochen. Das ist brutal." Robin Benzing und die anderen Nationalspieler schreckt das nicht. "Sie sind topfit" (Bauermann) - und sie wollen dem Chef imponieren. Auch wenn er gar nicht auf dem Feld ist.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel