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Steffen Hamann (r.) wechselte 2010 von ALBA Berlin zum FC Bayern München © imago

Nach dem Zweitliga-Jahr ist der Spielmacher "gut erholt". Er erklärt SPORT1, wie schwer es ist, Nowitzki und Kaman zu füttern.

Von Michael Spandern

München - Aus der zweiten Liga zur Europameisterschaft.

Steffen Hamann gelang zunächst mit dem FC Bayern München der Aufstieg aus der ProA in die Beko BBL, nun fährt der Spielmacher als einer der deutschen Hoffnungsträger zur EM nach Litauen (ab 31. August LIVE im TV auf SPORT1).

"Ich bin deswegen kein schlechterer Spieler geworden", verteidigt der Routinier bei SPORT1 seinen Wechsel nach München.

Mit seinen 30 Jahren gilt Hamann neben den beiden NBA-Stars Dirk Nowitzki und Chris Kaman als einer der Führungsspieler im Kader, an dem sich Youngster wie Robin Benzig, Philipp Schwethelm oder Tibor Pleiß orientieren können. (BERICHT: Der große Blonde macht DBB-Youngster stark)

Beim Supercup in Bamberg und beim 86:64-Sieg gegen EM-Teilnehmer Bosnien-Herzegowina (BERICHT: Deutschland fertigt Bosnien ab) war neben Licht auch viel Schatten beim Franken.

Im Interview mit SPORT1 spricht der DBB-Point-Guard über das Zusammenspiel mit dem NBA-Duo, die Ziele der Mannschaft bei der EM und sein Jahr im Unterhaus.

SPORT1: Im vierten Test mit den beiden NBA-Stars der erste Kantersieg - was genau lief gegen Bosnien-Herzegowina besser?

Steffen Hamann: Wir hatten eben schon drei Spiele zusammen gespielt und haben dann gegen Bosnien den Ball schön laufen lassen. Die Bosnier haben eine starke Mannschaft, mit vielen Spielern aus europäischen Klubs. Daher war der Sieg ein Schritt in die richtige Richtung. Dadurch, dass der EM-Kader jetzt feststeht, ist auch etwas Ruhe eingekehrt. Jeder weiß, was zu tun ist. 442265(DIASHOW: Der DBB-Kader für die EM)

SPORT1: Was ist zu tun, wenn Nowitzki und Kaman ihre Pause bekommen?

Hamann: Wir müssen einfach weiter unseren Basketball spielen, das haben wir in den letzten beiden Sommern und bei dem Turnier in Izmir auch ohne die beiden getan. Auch wir können ja alle Basketball spielen und müssen uns nicht verstecken. Ohne die beiden können wir dann etwas mehr Pick-and-Roll spielen, mit den Beiden bringen wir den Ball mehr nach innen. Wir sind für beide Spielweisen gut gewappnet und ich denke, das haben wir bisher auch gut umgesetzt.

[kaltura id="0_i1dynmju" class="full_size" title="Deutschland fertigt Bosnien ab"]

SPORT1: Das Hauptkonzept heißt: Den Ball zu Dirk Nowitzki oder Chris Kaman bringen. Klingt wie ein einfacher, aber auch langweiliger Job für den Playmaker.

Hamann: Um Gottes willen - nein! Es ist nicht so einfach, die Beiden in Szene zu setzen, denn sie werden ja in der Regel sehr gut vom Gegner verteidigt. Mit Langweile hat das mich Sicherheit nichts zu tun. Dass unsere Marschroute so lautet, wissen mittlerweile alle. Wenn man solche zwei Spieler in der Mannschaft hat, dann sollte man das auch nutzen. Die beiden kreieren aber auch viele Situation für uns andere, das ist also eine Win-win-Situation.

SPORT1: Sie kämpfen noch ein wenig mit ihrer Stabilität, haben sich beim Supercup und auch in Bremen einige Ballverluste geleistet. Liegt das an der Nervosität, nach drei Jahren wieder mit Nowitzki und Kaman zu spielen?

Hamann: Nervös bin ich überhaupt nicht. Der Aufbauspieler hat den Ball oft in der Hand, da passiert das halt mal. In den ersten Spielen hatten wir zudem noch etwas Abstimmungsprobleme. Das wird jedoch von Spiel zu Spiel besser.

SPORT1: Viele bemängelten bei ihrem Wechsel zu den Bayern, dass Sie nach einem Jahr Zweitklassigkeit Probleme haben würden, wieder auf internationalem Topniveau anzugreifen. Was antworten Sie Ihnen?

Hamann: Wer sagt das? Ich bin deswegen kein schlechterer Spieler geworden. Ich habe bereits zehn Jahre lang auf höchstem Niveau gespielt. In der zweiten Liga habe ich vielleicht nicht gegen die stärksten Gegner gespielt, aber alleine schon durch die Mannschaft, die wir in München hatten, auf hohem Niveau trainiert. Da hat man sich im Training einiges erarbeitet. Ich denke nicht, dass ich irgendwas verlernt habe und gegen größere Gegner zurückstecken muss.

SPORT1: Sie selbst haben bei ihrem Wechsel gesagt, dass es vielleicht gut ist, nicht so viele Spiele zu haben. Fühlen Sie sich frischer als ein Jahr zuvor?

Hamann: Auf jeden Fall. Dass wir nur einmal in der Woche gespielt haben, hat mir mit Sicherheit gutgetan. Die Reisen waren längst nicht so anstrengend, als wenn man noch unter der Woche ins Ausland reisen muss. Mein Körper hat sich in diesem Jahr gut erholt, denn auch die Pause im Sommer war etwas länger. Somit konnte ich mich gut auf die Nationalmannschaft vorbereiten.

SPORT1: Bauermann hat sich wie in den Jahren zuvor frühzeitig auf Sie als Starter festgelegt. Aber wer glauben Sie spielt am Ende, wenn es Spitz auf Knopf steht: Sie, Heiko Schaffartzik ? oder beide?

Hamann: Wir haben beides ausprobiert, aber wer spielt, hängt von vielen Faktoren ab: Wie das Spiel für denjenigen läuft, vom Spiel und von der Aufstellung des Gegners. Der Trainer wird schon die richtige Entscheidung treffen. Wichtig ist, dass jeder mit seiner Rolle zufrieden ist und alles fürs Team tut. Auch wenn Heiko länger spielen sollte als ich, habe ich damit kein Problem. Wir beide ergänzen uns gut und können auch zusammen spielen.

SPORT1: Wie ist das Verhältnis zu Schaffartzik, der ja bei ALBA den Job hat, den Sie 2010 verloren haben?

Hamann: Wie verstehen uns sehr gut, haben auch öfter im Jahr Kontakt, schreiben uns SMS. Das ist nicht nur mit Heiko so, sondern bei der Nationalmannschaft mit jedem einzelnen.

SPORT1: Coach Bauermann stöhnt über die schwere Auslosung. Müssen wir uns Sorgen machen, dass Deutschland wie 2010 bereits in der Vorrunde scheitert?

Hamann: Es wird mit Sicherheit nicht einfach. Jeder, der weiß, wer dieses Jahr bei der EM dabei ist, weiß auch, dass es keine leichten Gegner gibt. Vor allem nicht in unserer Gruppe. Der Vorteil ist, dass wir keinen Gegner unterschätzen. Ein Weiterkommen wird mit Sicherheit kein Selbstläufer, aber es ist unser Maßstab, mit dieser Mannschaft die Zwischenrunde zu erreichen.

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