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Philipp Schwethelm debütierte am 31. Juli 2010 gegen Belgien im Nationalteam © dpa

Der Bayern-Zugang ließ in seinem Debüt-Sommer den Bundestrainer umdenken. Auch im Nationalteam hat er hohe Ziele.

Von Michael Spandern

München - Er gehört nicht zu den von Uli Hoeneß als "Raketen" angepriesenen Neuzugängen.

Und sein Wechsel zum FC Bayern ging genauso leise über die deutsche Basketball-Bühne wie Philipp Schwethelm diese eroberte.

Doch bereits in seinem zweiten Sommer im Nationalteam könnte Schwethelm der wichtigste Joker im Ärmel von Dirk Bauermann sein (Deutschland heiß auf stärkere Gegner).

Auf der Suche nach der Point-Guard-Zukunft

Schwethelm, der sich nach dem enttäuschenden Vorrunden-Aus bei der WM 2010 als einziger Spieler den Journalisten stellte, habe eine außerordentliche Ruhe und Präsenz, lobt der Bundestrainer.

Just nach dem Waterloo gegen Angola, das damals auch die zwölf Punkte des starken Schwethelms nicht verhindern konnten, hatte der Coach eine Idee:

Wie in seinen BBL-Lehrjahren in Köln könne der Zwei-Meter-Mann doch auch im Nationalteam die Position des Playmakers bekleiden, auf der Bauermann allen Bekenntnissen zu Steffen Hamann zum Trotz seit Jahren nach einer zukunftsfähigen Lösung sucht 442265(DIASHOW: Der DBB-Kader für die EM).

Deutlich größer als Schaffartzik

"Ist doch schön, wenn ich auch mal einen Geistesblitz habe", scherzt Bauermann gegenüber SPORT1, meint es aber mit Regisseur Schwethelm ernst.

"Auf diesem Niveau braucht man große Spielmacher ", sagt er. Hamann ist rund 10, Schaffartzik 18 Zentimeter kleiner als der etatmäßige Small Forward.

"Es geht nicht darum, irgendwelche Schwächen zu kompensieren", wiegelt Schwethelm bei SPORT1 ab, "sondern dass ein weiterer Spieler diese Position spielen kann, wenn sich einer verletzt, müde ist oder Foulprobleme hat."

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"Mehr Verantwortung übernehmen"

"Sonst wäre es eng gewesen, mit zwei Point Guards zu spielen", erläutert er, und hat sich wohl auch daher keine Gedanken gemacht, aussortiert zu werden.

"Ich bin mit großem Selbstvertrauen in diesen Sommer gegangen, ich habe eine gute Saison gespielt", weiß Schwethelm, der für die Eisbären Bremerhaven durchschnittlich 9,8 Punkte und 3,9 Rebounds pro Spiel ablieferte.

Er habe andere Ziele als einfach nur den Cut zu schaffen, betonte er, "nämlich mehr Verantwortung zu übernehmen".

Eine Bitte an den Eisbären-Coach

Auch für die Rolle des Regisseurs, die er in Köln von Ex-Weltmeister Sasa Obradovic von der Pike auf lernte, fühlt sich Schwethelm gewappnet: "Das habe ich zwar in den letzten Jahren eher weniger gemacht, aber durch die Chance, die mir der Coach gegeben hat, meine Sicherheit zurückgewonnen."

Schließlich bereitete Bauermann den Coup von langer Hand vor, wurde nach der WM bei Eisbären-Coach Doug Spradley vorstellig und bat diesen, Schwethelms Playmaker-Fähigkeiten weiter zu schulen - zumindest im Training.

Überhaupt war Bremerhaven ideal für den 22-Jährigen, um sich weiterzuentwickeln, nachdem er in Köln die von Defensive und taktischer Finesse geprägte jugoslawische Schule durchlaufen hatte.

Mit Hamann durch München

"In Bremerheven haben wir uns mehr auf Tempo und Offensive konzentriert, dass sind Aspekte, an denen ich zuvor wenig gearbeitet hatte und noch große Lücken hatte", sagt Schwethelm.

Nun folgt der Schritt nach München, wo im Augenblick "etwas Riesiges entsteht", meint er. "Wir wollen nicht nur in Deutschland an der Spitze sein, sondern in ein paar Jahren auch in Europa ganz oben angreifen. Das ist eine Perspektive, die so kein anderer deutscher Verein bietet."

Und auch die Perspektive, vom derzeitigen Spielmacher Nummer 1 in Deutschland zu lernen, ist einzigartig: Probleme mit Steffen Hamann deuten sich jedenfalls nicht an - im Gegenteil: der stellte Schwethelm in München die Stadt vor und gab Restaurant-Tipps.

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