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Tim Ohlbrecht gab bereits mit 17 Jahren sein Debüt in der BBL © getty

Als einziger DBB-Spieler ohne Verein will Tim Ohlbrecht die EM zum Vorspielen nutzen. Allerdings bleibt ihm nicht viel Spielzeit.

München - Die wochenlange Schufterei hat sich voll ausgezahlt.

Stundenlang stand Tim Ohlbrecht tagtäglich beim Wurftraining in der Halle, schwitzte beim Workout im Kraftraum und den regelmäßigen Fitnessübungen, als sich andere Nationalspieler längst von der strapaziösen Saison erholten.

Ganz wie sein Vorbild Dirk Nowitzki hat sich der 22-Jährige in aller Abgeschiedenheit mit einem Privattrainer für die Basketball-EM fit gemacht, und die Sonderschichten im fernen New Jersey haben sich gelohnt.

Nach schwierigen Wochen und einer zwischenzeitlichen Krankheitspause schaffte der Center den Cut in den 12er-EM-Kader 442265(DIASHOW: Der DBB-Kader für die EM).

Der alte Ohlbrecht ist zurück

Beim Länderspiel gegen Bosnien-Herzegowina (Bericht) präsentierte er sich in herausstechender Form.

Reihenweise stopfte der 2,10-m-Mann die Bälle spektakulär in den Korb und holte sich ein Lob vom Bundestrainer ab. "Da haben wir den alten Tim Ohlbrecht gesehen", sagte Dirk Bauermann.

Verkrampft an der Seite Nowitzkis

Allerdings zeigt der letztjährige Bonner stark wechselnde Leistungen.

Bei den enttäuschenden Auftritten beim Beko Supercup in Bamberg wirkte der der Youngster an der Seite der NBA-Profis Nowitzki und Chris Kaman verkrampft, so richtig gelingen wollte ihm nichts.

Nach der Eigenwerbung gegen Bosnien wusste er die acht Minuten Spielzeit beim 70:68-Erfolg über Mazedonien wenig zu nutzen, versteckte sich (Bericht).

Bei dem einen oder anderen Beobachter wurden schon Erinnerungen an die abgelaufene Bundesliga-Saison wach.

[kaltura id="0_toywrruk" class="full_size" title="Ohlbrecht Heute war alles dabei "]

Warten auf neuen Vertrag

Mit den Telekom Baskets Bonn hat Ohlbrecht ein unbefriedigendes Jahr hinter sich. Der gebürtige Wuppertaler konnte den Erwartungen nicht gerecht werden, verpasste mit seinem Klub die Playoffs und steht jetzt als einziger Nationalspieler im EM-Aufgebot ohne Vertrag da.

Druck verspürt die deutsche Nachwuchshoffnung wegen der ungewissen Zukunft aber nicht: "Ich sehe das ganz locker. Irgendwann wird der Vertrag auf dem Tisch liegen."

1200 Würfe pro Tag

Ohlbrecht blieb trotz aller Enttäuschung ruhig und entschied sich, wieder anzugreifen. Aus der Not machte er eine Tugend: "Bei uns stand ja leider schon früh fest, dass wir die Playoffs nicht schaffen würden. Ich habe meine ursprünglichen Pläne zusammen mit meinem Agenten geändert und mir ein Training in den USA organisiert."

Mit einer Ballwurf-Maschine arbeitete Ohlbrecht in einer privaten Trainingshalle intensiv am Handling und seiner Technik, bis zu 1200 Würfe am Tag standen auf dem Programm.

Das freiwillige Training hat sich nicht nur körperlich ausgezahlt: "Ich bin mental stärker und gebe jeden Tag 100 Prozent."

Präsentation auf der großen Bühne

Der Tripp an die Ostküste war eine Art Neustart für "Timmi", schließlich ging es nicht ausschließlich darum, erneut den Sprung in das deutsche Aufgebot zu schaffen.

Die EM in Litauen (ab 31. August bis 18. September LIVE im TV auf SPORT1) ist für Ohlbrecht auch eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich auf der Suche nach einem neuen Klub ins Schaufenster zu stellen.

8 Minuten für vier "Big Men"

Bauermann wird Ohlbrecht wie in der Vergangenheit auch diesmal Gelegenheiten dazu verschaffen. "Unter dem Korb ist er ein wichtiger Spieler für uns. Das hat er bewiesen", betonte der Bundestrainer zuletzt noch einmal.

Viel Spielzeit bietet sich ihm jedoch nicht. Nowitzki und Kaman werden rund 32 Minuten auf dem Court stehen. Die restlichen 8 Minuten muss er sich mit den drei weiteren "Big Men" Jan Jagla, Sven Schultze und Tibor Pleiß teilen.

Mit 22 Jahren bereits mehr als 50 Länderspiele

Dennoch gehört der frühere Bamberger bei den "Bauermännern" zum Stammpersonal. Seit seinem Debüt im Nationalteam vor drei Jahren hat Ohlbrecht kein großes Turnier verpasst, war bei Olympia 2008, der EM 2009 und WM 2010 dabei.

Mehr als 50 Länderspiele hat er in seinen jungen Jahren schon absolviert, weitere Einsätze werden schon in der kommenden Woche bei seiner ganz persönlichen Werbeveranstaltung in Litauen folgen.

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