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Dirk Nowitzki spielt in Litauen seine fünfte EM. 2005 wurde er zum MVP ernannt © getty

Das Knie behindert Nowitzki beim Zittersieg gegen Mazedonien. Bauermann fährt die Nörgler an - und preist den grauen Leitwolf.

Aus München berichtet Michael Spandern

München - Heiko Schaffartziks Siegeswurf hin, die deutsche Rückkehr an die Stätte des historischen Triumphes her - am Ende drehte sich doch wieder alles um Dirk Nowitzki.

Der hatte sich vor dem 70:68-Zittersieg gegen Mazedonien (Bericht u. Video) in der proppevollen Münchner Olympiahalle, wo Deutschland vor 18 Jahren seinen einzigen EM-Titel erobert hatte, kurz noch mal zur Behandlung des rechten Knies in die Kabine begeben.

Mit einer Bandage um den Meniskus kehrte er zurück und lief beim vorletzten Test fünf Tage vor dem EM-Auftakt gegen Israel (ab 19.45 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE im TV auf SPORT1) lange Zeit merklich unrund.

"Unglaublich, da dabei zu sein!"

"Nichts Schlimmes, vor dem Spiel hat es ein bisschen gezwickt", beruhigte Dirkules die Fans bei SPORT1. "Es hat zwar ein bisschen gedauert, bis es warm geworden ist und ich in die Gänge gekommen bin, aber am Schluss hat es sich ganz gut angefühlt."

"Ganz gut" genügte Nowitzki zu einer Weltklasse-Aktion in der Schlussminute, als er beim Fast-Break in von Dirk Bauermann geschätzten neun Metern Entfernung vom Korb abstoppte, einen Dreier versenkte und den Bundestrainer zum Schwärmen brachte: "Unglaublich, da dabei zu sein!"

Dass beim frisch gebackenen NBA-Champion neben 13 Punkten auch zwei Ballverluste und manche defensive Unachtsamkeit zu sehen gewesen sei, wagte ein Journalist zu kritisieren.

"Unsere NBA-Profis waren müde"

Das brachte Bauermann einigermaßen auf die Palme: "Habt ihr sie noch alle", fuhr er alle Nörgler an.

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"Ich glaube nicht, dass es sich irgendein anderer Athlet wenige Wochen, nachdem er die größte Trophäe gewonnen hat, antut, eine EM zu spielen", sagte Bauermann. "Das ist unglaublich anerkennenswert und beweist, welch großen Respekt er vor diesem Sport und vor seinem Land hat."

Den Substanzverlust merkte er aber Nowitzki genauso an wie Topscorer Chris Kaman (14 Zähler, 7 Rebounds) die fehlende Kraft nach vier Monaten ohne Spielpraxis. "Es war offensichtlich, dass unsere NBA-Profis müde waren, da mussten andere in die Bresche springen."

Leitwolf Schultze ist Bauermanns Held

Schaffartzik tat das viereinhalb Sekunden vor Schluss, als er seinen defensiven Lapsus ausbügelte, der Todor Gecevski den vermeintlich siegbringenden Dreier für die Mazedonier eröffnete.

[kaltura id="0_k7h2ianh" class="full_size" title=" Jedes Spiel wird ein Kampf"]

Bauermann hatte aber einen anderen Helden ausgemacht: "Die zweite Fünf hat uns zurück ins Spiel gebracht, und Sven Schultze war ihr Anführer." 442265(DIASHOW: Der DBB-Kader für die EM).

Der ALBA-Haudegen mit dem graumelierten Haaren kam zwar nur auf fünf Punkte, die ersten drei davon aber beendeten im dritten Viertel Mazedoniens beste Phase. Zudem entnervte er mit Pero Antic den wertvollsten Akteur des Balkan-Teams.

"Hohe Belastung ist alternativlos"

"Sven hat uns neue Energie gegeben", betonte Bauermann - wohl wissend, dass diese im fünften Spiel binnen acht Tagen Mangelware war.

Nicht nur bei Nowitzki, dessen muskuläre Probleme der medizinische Stab am Wochenende analysieren will, so der Bundestrainer.

Da half auch die großartige Stimmung - "am Ende war die Hölle los", fand Nowitzki - nicht. Die meiste Zeit zuvor habe sein Team dafür wenig geboten, gestand der Superstar.

Nur zwei Wochen Vorlauf mit den Stars

Wichtiger als die spielerischen Defizite auszumerzen ist es dem Bundestrainer aber, "aus dem roten Bereich herauszukommen", in dem seine Mannen stecken. Die hohe Belastung, zu der ungewollt noch die horrenden Temperaturen in den Hallen kommen, "ist aber alternativlos".

Gerade mal zwei Wochen hat er, um Nowitzki und Kaman zu integrieren, und hadert: "Es bleibt für alles zu wenig Zeit."

Dennoch verspricht Bauermann für die EM: "Die Mannschaft wird voll da sein!"

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