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Svetislav Pesic (r.) im Individualtraining mit Robin Benzing im Sommer 2010 © imago

Svetislav Pesic kehrt zu seiner "alten Liebe" zurück. Sohn Marko erklärt bei SPORT1, wie der Coach Pesic tickt.

Von Johanna Herdejost

München - Nach monatelangem Rätselraten ist die Katze aus dem Sack.

Svetislav Pesic, der ehemalige Nationaltrainer und Vater des EM-Erfolgs von 1993, kehrt zu seiner "alten Liebe" zurück und übernimmt erneut die Zügel beim DBB-Team (Bericht: Pesic neuer Bundestrainer).

"Er war über all die Jahre dem deutschen Basketball sehr verbunden", verrät sein Sohn Marko, Sportdirektor beim Bundesligisten FC Bayern München, im Gespräch mit SPORT1. Immer, wenn es seine Trainerjobs im Ausland zuließen, sei er in seiner Wahlheimat Berlin gewesen.

Nachdem es Dirk Bauermann gemäß Statuten nicht mehr möglich ist, sowohl die deutsche Nationalmannschaft als auch ein Bundesliga-Team in Personalunion zu betreuen, musste sich der Verband auf Trainersuche begeben.

Noch ein Jahr in Belgrad

Immer wieder tauchte in diesem Zusammenhang der Name Svetislav Pesic auf. Mit seiner Verpflichtung ist es dem DBB nun gelungen, einen der erfolgreichsten Basketballtrainer Europas ins Boot zu holen.

Pesic wird zudem seinen Vertrag beim serbischen Team Roter Stern Belgrad erfüllen und dort noch ein weiteres Jahr als Trainer tätig sein.

Der Coup, der dem DBB gelungen ist, löste durchweg positive Reaktionen aus.

"Ein gigantischer Erfahrungsschatz"

"Svetislav ist eine hervorragende Lösung für den deutschen Basketball. Er spricht die Sprache und kann sehr gut mit jungen Spielern arbeiten. Ich bin überzeugt, dass es eine gute Zusammenarbeit wird", sagte Bauermann.

Der Geschäftsführer von ALBA Berlin, Marco Baldi, meinte: "Sveti hat einen gigantischen Erfahrungsschatz und ist sehr ambitioniert. Ich kann dem DBB nur gratulieren." Und BBL-Boss Jan Pommer sprach von einer "exzellenten Wahl".

Für Rödl "einer der besten Coaches"

Henrik Rödl, dessen Name in der Diskussion um die Bauermann-Nachfolge selbst auftauchte, zeigte sich ebenfalls erfreut: "Das ist eine Riesensache für den deutschen Basketball. Pesic ist einer der besten Coaches Europas, und das sage ich nicht nur, weil er natürlich auch mein persönlicher Mentor war", sagte Triers Coach gegenüber "news352.lu".

Rödl wurde 1993 bei ALBA Berlin als 24-Jähriger von Pesic zum Kapitän geformt und feierte unter ihm den Pokalsieg, mehrere Meistertitel in Serie und den Gewinn des Korac Cups ? ein Erfolg, der bis heute keinem weiteren deutschen Team gelang.

Primärziel Jugendförderung

Damals wie heute sieht der mittlerweile 62-jährige Pesic eine große Aufgabe darin, junge Spieler zu fordern und zu fördern.

"Ich weiß, dass es für ihn ein wichtiger Entscheidungsgrund war, dass Perspektive und Talent vorhanden sind. Wäre das nicht der Fall, hätte er den Job nicht angenommen", erklärte sein Sohn.

Denn durch seine Arbeit bei der FIBA Europe als Mentor für Basketballtrainer war Svetislav Pesic nicht nur bei sämtlichen großen Events der letzten Jahre anwesend.

Er hat die Spiele des DBB-Teams bei der EM 2011 in Litauen verfolgt und konnte sich bei U-16-, U-18- und U-20-Europameisterschaften ein Bild von den deutschen Stützen für die Zukunft machen.

"Junge Spieler werden profitieren"

Spieler wie Johannes Lischka, Karsten Tadda, Per Günther oder Maik Zirbes haben sich in ihren Vereinen kontinuierlich nach oben gearbeitet und werden die Konkurrenz um die Kader-Plätze beleben.

"Gerade die jungen Spieler werden von ihm und seiner Erfahrung profitieren", meint Marko Pesic, der über die größte Motivation seines Vaters sagt:

"Für ihn ist es eine der größten Befriedigungen als Trainer, Spieler zu verbessern. Natürlich ist es ihm auch wichtig, Spiele und Meisterschaften zu gewinnen. Aber zu sehen, wie Spieler wachsen, motiviert ihn, Trainer zu sein."

"Die Liebe zum Basketball"

Pesic senior ist ein gerissener Trainerfuchs, der die "Balkan-Basketballschule" liebt: Ausdauernde und aggressive Verteidigung und das schnelle Spiel nach vorne - Emotionen und Disziplin gehören für ihn gleichermaßen zum Spiel.

Doch an oberster Stelle steht ein anderes Ziel: "Zuallererst will ich die Liebe zum Basketball vermitteln", erklärte der Serbe in einem früheren Interview mit der "FAZ".

Inwieweit der Weltmeister-Trainer von 2002 seine Maxime mit der DBB-Auswahl umsetzen kann, wird sich erstmals im Sommer zeigen.

Ausgezeichnete Ausgangssituation

Vom 18. August bis zum 11. September bestreiten die deutschen Korbjäger die Qualifikationsspiele für die Europameisterschaft 2013 in Slowenien.

Dass der ehemalige Bundestrainer Bauermann einen sauberen Arbeitsplatz übergeben hat, davon ist Marko Pesic überzeugt: "Was Dirk Bauermann hinterlassen hat, ist eine sehr gute Struktur."

Doch nicht nur das, denn "alle Spieler sind gesichtet, deshalb wird mein Vater sehr gute Bedingungen vorfinden. Ich denke, es ist alles für einen guten Start vorbereitet", so der Filius.

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