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Svetislav Pesic (r.) trainiert derzeit noch Roter Stern Belgrad © imago

Der neue Bundestrainer rechnet bei der EM-Quali nicht mit dem Superstar. Vielmehr hinterfragt er das Nachwuchskonzept des DBB.

München - Svetislav Pesic hat seinen Vertrag noch nicht unterschrieben, doch der Terminplan des neuen Bundestrainers ist schon voll.

Der 62-Jährige will möglichst schnell viele Gespräche führen, um sich nach der Rückkehr auf den Posten ein Bild von den Verhältnissen rund um die deutsche Nationalmannschaft zu verschaffen (ANALYSE: So tickt Svetislav Pesic).

Wann es dabei zum Kontakt mit Superstar Dirk Nowitzki kommt, ist allerdings noch offen.

Pesic, der künftig eine Doppelfunktion ausüben und weiter in seiner Heimat als Trainer bei Roter Stern Belgrad arbeiten wird, setzt weiter auf den NBA-Champion.

Pesic rechnet nicht mit Nowitzki

Doch der Serbe hat sich bereits damit abgefunden, dass er zu Beginn seiner zweiten Amtszeit ohne den Star der Dallas Mavericks auskommen muss.

"In der EM-Qualifikation rechne ich nicht mit ihm. Ich glaube, er rechnet jetzt auch nicht mit einer Anfrage von mir. Er braucht Ruhe, er muss sich im Sommer erholen und nachdenken über seine Zukunft", sagte Pesic der "Süddeutschen Zeitung".

Erfolge wiederholen

Im Sommer geht es in den ersten Pflichtspielen unter dem Nachfolger von Dirk Bauermann um die Tickets für die Endrunde 2013.

20 Jahre nach dem größten Erfolg der deutschen Basketballer, die 1993 bei der Heim-EM unter Pesic den bislang einzigen Titel holten, wird der Erfolgstrainer das DBB-Team wieder bei einer Endrunde betreuen - sollte die Qualifikation gelingen (BERICHT: Pesic neuer Bundestrainer).

Kritik am Umgang mit Nowitzki

Pesic hofft, dass in Slowenien auch Nowitzki zum Aufgebot gehört. "Natürlich werde ich mit ihm über seine Pläne sprechen", sagte der Trainer und kritisierte in aller Deutlichkeit den bisherigen Umgang mit dem deutschen Ausnahmespieler.

"Nowitzki ist großartig, aber er war doch immer der Problemlöser", sagte Pesic. Man habe sich zu oft gedacht, "der Dirk wird das schon übernehmen".

Junge Generation muss sich beweisen

"Alle haben sich ein bisschen viel auf ihn verlassen, der Verband und auch die anderen Spieler. Sie haben sich hinter ihm versteckt", sagte Pesic.

Vorerst hat sich das "Problem" erledigt, Nowitzki steht nicht zur Verfügung. Unter Pesic werden die jüngeren Spieler mehr in der Verantwortung stehen.

Als einer der EM-Fahrer, die im vergangenen Jahr in Litauen die Olympia-Qualifikation verpassten, hat Routinier Sven Schultze seine Karriere bereits beendet. Ob Kapitän Steffen Hamann und Jan-Hendrik Jagla weitermachen, ist unklar.

Gespräche stehen an

Pesic muss diese Fragen klären, bevor er sich intensiv mit seiner ersten Aufgabe, der Kaderplanung, beschäftigt.

Zudem will der renommierte Coach das Nachwuchskonzept des DBB kritisch hinterfragen. Dafür soll es Gespräche mit den Trainern der deutschen Jugendmannschaften geben.

"Dann werde ich sehen, wie viel dieses schriftliche Konzept wert ist und gleichzeitig die bisherigen Resultate analysieren."

"Weltmeister im Blablabla"

Allerdings nähert sich Pesic dem Thema mit einiger Skepsis.

"In der Theorie darin, Konzepte auf Pressekonferenzen und so weiter gut zu verkaufen, sind wir ja Weltmeister - das Blablabla habe ich in Deutschland schon ein paar Mal erlebt."

Der Kontakt zur zweiten Heimat sei auch nach seinem Abschied vom Nationalteam vor 19 Jahren nie abgerissen. "Ich habe mich immer als Teil des deutschen Basketballs gefühlt", sagte der ehemalige Trainer von ALBA Berlin und RheinEnergie Köln.

Pesic erwartet schweres Programm

Seinen neuen Schützlingen traut Pesic durchaus etwas zu. "Wir haben junge Talente wie Robin Benzing oder Tibor Pleiß, und ich finde diesen Jahrgang sehr, sehr interessant", sagt der Trainerfuchs.

Dennoch rechnet Pesic in der Anfangszeit mit Schwierigkeiten:

"Wir werden auch in diesem Sommer nicht viel Zeit haben, die Spieler zu testen, die in Zukunft eine Chance bekommen werden. Die Qualifikation für die Europameisterschaft 2013 wird deshalb überhaupt nicht einfach."

"Wie Otto Rehhagel"

Wie lange die neuerliche Zusammenarbeit mit dem DBB laufen soll, ist bislang noch offen.

"Pesic plant nicht mehr langfristig. Über meinen Vertrag werden wir erst übernächsten Sonntag reden", sagte der Erfolgstrainer.

Das Karriereende ist für den ehemaligen Profi aber noch lange nicht in Sicht. "Ich finde, ich muss wie Otto Rehhagel mindestens bis zu meinem 75. Lebensjahr arbeiten."

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