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Svetislav Pesic war zwischen 1993 und 2000 Trainer von ALBA Berlin © getty

Bundestrainer Pesic hat keine Angst, seinen Ruf zu ramponieren. In Teil 2 des SPORT1-Interviews spricht er über Dirk Bauermann.

Von Michael Spandern

München - Die Lex Bauermann machte den Stuhl des Bundestrainers frei, frei für eine Rückkehr von Svetislav Pesic.

Dessen Vorgänger Dirk Bauermann musste im Herbst 2011 gehen, weil die Beko BBL ihm untersagte, gleichzeitig Head Coach des Bundesliga-Aufsteigers FC Bayern und Bundestrainer zu sein.

Allerdings: Auch der Neue hat einen Zweitjob, und auch er hat potentiell einigen Einfluss auf die Bayern, bei denen sein Sohn Marko als Sportdirektor arbeitet.

In Teil 2 des SPORT1-Interviews versichert Pesic, dass die Münchner keinerlei Privilegien haben werden (EXKLUSIV: Svetislav Pesic im Interview - Teil 1).

Zudem spricht der 62-Jährige über seine Tätigkeit bei Roter Stern Belgrad und die Gefahr, sich seinen Ruf als Trainerlegende in Deutschland zu ramponieren.

SPORT1: Herr Pesic, vor mittlerweile 19 Jahren haben Sie Deutschland zum Europameister gemacht. Seither gab es eine WM-Bronze- und eine EM-Silbermedaille, aber auch viele Misserfolge. Was ist falsch gelaufen?

Pesic: Gar nichts ist falsch gelaufen. Die Erwartungen sind immer groß im Spitzensport. Das ist normal, und man muss sich auch große Ziele setzen. Als ich 1987 nach Deutschland kam, wollte ich Europameister werden. Alle haben gelacht. Doch nach harter Arbeit haben alle verstanden, dass deutscher Basketball nicht nur aus Vereinsbasketball besteht.

SPORT1: Die Beko BBL verbietet dem Bundestrainer einen zeitgleichen Job in der Bundesliga. Der DBB hat die Argumente dafür nie so richtig akzeptiert und die Regel auch beim Ende von Bauermanns Amtszeit kritisiert. Was halten Sie von ihr?

[kaltura id="0_8z6cl8rm" class="full_size" title="Nowitzki weiter f r Deutschland "]

Pesic: Ich bin immer ein Freund von Regeln. Wir brauchen Regeln. Das sollte jedoch davon abhängig sein, ob sich der Trainer das zutraut. Ich sehe überhaupt keinen Grund, dass der Bundestrainer nicht auch Vereinstrainer sein kann, wenn der Verein das auch will. Das funktioniert schließlich in Spanien, Italien, Griechenland, Russland und Serbien auch.

SPORT1: Es hieß seitens der Liga, Bayern-Profis könnten profitieren, weil Bauermann sie womöglich bevorzugt nominiert. Und der FC Bayern könnte profitieren, wenn er Nationalspieler mit dem gewichtigen Wort des Bundestrainers zum Wechsel drängt. Nicht viel anders ist es doch jetzt, wo der Sohn des Bundestrainers Sportdirektor bei den Münchnern ist...

Pesic (lacht): Die Bayern haben doch schon genügend Nationalspieler. Nein, ich kann Ihnen versichern, dass ich mich da überhaupt nicht einmischen und niemanden bevorzugen werde.

SPORT1: Erstaunlich ist, dass alle drei letztjährigen Auslandstransfers der Bayern - Sharrod Ford, Chevon Troutman und Jared Homan - aus Italien kamen und damit Markos Handschrift tragen. Hat er seinen Vater nicht nach Wechselkandidaten aus der Adria-Liga gefragt oder haben Sie ihm keine Tipps gegeben?

Pesic: Ich freue mich riesig, dass Marko ein wichtiger Teil des neuen Basketball-Programms in München ist. Immer mehr ehemalige Nationalspieler nehmen eine wichtige Rolle im deutschen Basketball, das finde ich sehr gut. Was Marko angeht: Er ist so selbständig und hat so gute Kontakte, dass er meinen Rat nicht braucht.

SPORT1: In der Bundesliga tritt die 6+6-Regelung in Kraft, jedes Team darf nun höchstens sechs Ausländer pro Spiel einsetzen. Wie lange dauert es, bis das Nationalteam davon profitiert?

Pesic: Das Wichtigste ist, dass diese Regel überhaupt gekommen ist. Aber es besteht die Gefahr, dass sie nach ein oder zwei Saisons wieder gekippt wird. Die Teams, die nach der Änderung schlechter abschneiden, werden sich beschweren. Erst recht, wenn sie nun mehr Geld für die Deutschen ausgeben müssen. Erst wenn sich die Regel drei bis fünf Jahre hält, kann der gesamte Basketball in Deutschland davon profitieren.

SPORT1: Ihr großes Ziel - die WM 2014 - liegt aber noch davor. Was macht Ihnen Mut, es zu erreichen?

Pesic: Ich sehe viel Potential in den Spielern, das Talent ist da. Aber es wird Zeit dauern, Potenzial in Qualität umzuwandeln. Geduld und Arbeit sind das Wichtigste. Jeder muss in seinem Verein kontinuierlich gut arbeiten und auf seine Chance warten.

SPORT1: Warum ist es bei den vergangenen beiden Turnieren nicht gelungen, das Potenzial in bessere Resultate umzuwandeln?

Pesic: Ich will nicht in der Vergangenheit leben, nur aus ihr lernen. Ich habe und werde auch weiterhin mit Dirk Bauermann sprechen, um Erfahrungen auszutauschen. Wichtig ist aber am Ende meine Analyse der Spieler. Ich möchte herausfinden, welcher Spieler eine große Zukunft hat, um Basketball auf Spitzenniveau zu zeigen.

SPORT1: Während der nächsten Saison werden Sie aber viel Zeit in Serbien sein, wo Sie ihren zweiten Job als Trainer von Roter Stern Belgrad haben. Wie lange läuft Ihr Vertrag dort?

Pesic (lacht): Ich würde gerne noch ein Jahr in Belgrad arbeiten, danach mal sehen. Ich weiß noch gar nicht, ob ich das alles schaffe.

SPORT1: Wie viel steht für Sie persönlich auf dem Spiel? Ihr Ruf als Trainer-Legende könnte Schaden nehmen...

Pesic: Mein Status ist unwichtig. Ich denke nie an mögliche Auswirkungen eines Siegs oder einer Niederlage. Ich konzentriere mich stets auf meinen Plan. Wenn wir verlieren, werde ich nicht weinen. Als Trainer darf ich keine Enttäuschung zeigen. Ich habe zwar vieles gewonnen, aber jeder muss sich immer wieder neu beweisen.

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