Geburt geglückt: Mit Pesic zurück in die Zukunft
Aus Bamberg berichtet Eric Böhm
Bamberg - Der erste Auftritt auf deutschem Boden erinnerte an die glorreichen Tage seiner ersten Amtszeit.
Sportlich war es beim Beko Supercup zwar nur ein hart erkämpfter 79:70-Erfolg gegen Finnland (Spielbericht), aber der frische Wind erinnerte an die Zeit im Vorfeld des historischen EM-Coups, der sich 2013 zum 20. Mal jährt.
In Abwehr und Angriff steckte gegen die Finnen noch viel Sand im Getriebe. Die Spieler haben seit dem ersten Lehrgang im Juli aber schon Pesics Philosophie angenommen und sind mit Feuer bei der Sache.
Im Finale wartet nun Polen (16.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).
"Es wird besser und besser. Wir sind eine junge Mannschaft, deshalb unterlaufen auch noch Fehler, aber es macht sehr viel Spaß. Wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Lokalmatador Karsten Tadda, der in seinem "Wohnzimmer" in der ersten Fünf stand, bei SPORT1.
Nostalgische Gefühle
Passend zu Svetislav Pesics Comeback auf der DBB-Trainerbank ertönte nach der stimmungsvollen Vorstellung des Teams die Titelmusik aus "Zurück in die Zukunft".
Ein Hauch von Nostalgie wehte tatsächlich durch die Stechert Arena.
Während der 62-Jährige diverse Freunde und Konkurrenten früherer Tage - unter anderem Vorgänger Dirk Bauermann - begrüßte, überwachte seine rechte Hand Emir Mutapcic wie zu Berliner Zeiten mit Argusaugen das Aufwärmprogramm.
"Im Basketball brauchst du Geduld. Das hat sich nicht geändert. Wir haben viele junge Spieler, die zum ersten Mal international dabei. Da passieren leichte Fehler, aber sie wollen alles geben. Das ist für am wichtigsten", philosophierte Pesic.
Variabilität ist gefordert
Die Handschrift des Trainerfuchses war gegen Finnland bereits zu erkennen. Die Balance zwischen Spiel in der Zone und Distanzwürfen soll stimmen.
Genau dort lag in den vergangenen Jahren ein wunder Punkt. Viel zu oft wurde sich auf schwierige Sprungwürfe verlegt - lange Phasen ohne Punkte waren die Folge.
"Basketball ist kein Eishockey. Inside- und Outside-Spiel muss sich ergänzen. Gegen aggressive Mannschaften ist das eine Grundvoraussetzung. Das sollte unsere Stärke sein, da müssen wir uns noch deutlich steigern", forderte Pesic.
Langfristiges Ziel
Dabei hat der 62-Jährige nicht nur die am kommenden Samstag gegen Luxemburg beginnende EM-Qualifikation im Auge, er will Deutschland dauerhaft in die europäische Spitze zurückbringen.
"Ich kann eine Mannschaft nicht nur auf die Qualifikation vorbereiten. Das ist wichtig, aber wir müssen die Spieler entwickeln. Wir müssen an unser Limit kommen, um gegen sogenannte Basketball-Länder eine Chance zu haben", betonte Pesic.
Chemie stimmt
Dabei fiel schon gegen Finnland auf, dass er neben seinem auf Schnellangriffe ausgerichteten Stil auch eine unglaublich positive Grundstimmung gebracht hat.
Heiko Schaffartzik, der von der Bank kam und meist als Shooting Guard eingesetzt wurde, hatte schon vor der Partie die "Geburt einer neuen Mannschaft" angekündigt.
"Es passt im Team. Die Jugend kommt voran, der Coach setzt auf uns", bestätigte Youngster Mathis Mönninghoff gegenüber SPORT1.
Pesic hat Projekte
Plötzlich glauben auch Problemfälle wie der überragende Jan-Hendrik Jagla wieder an sich. Der Center blüht als Kapitän noch einmal auf. Gegen Finnland war er mit 20 Punkten deutscher Topscorer.
Den nächsten Pflegefall hat Pesic auch schon ausgemacht. Das Rezept, um den bei Bayern München zuletzt im Abseits stehenden Philipp Schwethelm wieder aufzubauen, liegt schon parat.
"Auf der Bank werden die Spieler nicht besser. Er trainiert gut und lebt von seinem Wurf. Er ist wichtig für uns. Philipp hat 25 Minuten gespielt, weil ich unbedingt wollte, dass er einmal trifft", erklärte der Coach.
Alt und Neu
Der Erfolgstrainer setzt auf eine Mischung zwischen altbewährten Methoden und der konsequenten Förderung seiner jungen Talente.
Die Spielweise der Finnen deckte zwar oftmals Schwächen in der Defensive gegen Distanzwürfe auf, dennoch wähnt sich das Team auf einem guten Weg und baut Selbstvertrauen auf.
"Es macht mir Spaß, weil die Jungs so engagiert sind und sich verbessern wollen. Ich will sie in diesem Sommer verbessern", sagte Pesic.
Pleiß vor Nagelprobe
Gegen Polen (ab 16.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) gibt es dazu gleich die nächste Gelegenheit. Vor allem NBA-Center Marcin Gortat wird ein schwerer Prüfstein für Jagla und Tibor Pleiß, der sich gebührend aus Bamberg nach Spanien verabschieden will.
Die EM-Qualifikation ist dann der nächste wichtige Schritt. Zum 20-jährigen Jubiläum des EM-Titels wäre es vermessen, an eine Wiederholung zu glauben.
Das wäre wohl nur mit Doc Browns Zeitmaschine aus dem Hollywood-Klassiker möglich. Ein respektables Abschneiden in Slowenien und ein Team mit langfristiger Perspektive wäre aber fast genauso wertvoll.