Supercup-Triumph! Pleiß zähmt Gigant Gortat
Aus Bamberg berichtet Eric Böhm
Bamberg - Die neue Ära des deutschen Basketball hat einen starken Anfang genommen.
Die deutsche Nationalmannschaft gewann das Finale des Beko Supercup mit 78:74 (45:46) gegen nervenstarke Polen. Es war nach 2004 erst der zweite Erfolg bei der 24. Austragung des eigenen Turniers.
Dabei stand wie erwartet das Duell der großen DBB-Akteure mit dem erneut gut aufgelegten NBA-Star Marcin Gortat (14 Punkte) im Mittelpunkt.
Neben Tibor Pleiß (12 Zähler) knüpfte vor allem Jan-Hendrik Jagla (16) an seine Topleistung des ersten Auftritts in der Stechert Arena tags zuvor an.
Spektakulärer Dunking
Der spektakuläre Dunking von Pleiß über Gortat zum 74:71 gab letztlich den Ausschlag.
"In knappen Spielen sind vor allem offensive Rebounds gefragt. In der zweiten Halbzeit gelang und das sehr gut. Damit haben wir viel Selbstvertrauen getankt", sagte Bundestrainer Svetislav Pesic bei SPORT1 über das Erfolgsrezept seiner Mannschaft.
Schaffartzik beginnt
Nach dem sehr soliden 79:70-Erfolg gegen Finnland (Spielbericht) änderte der zurückgekehrte Coach seine Startformation nur auf einer Position.
Anstelle des Lokalmatadoren Karsten Tadda begann Co-Captain Heiko Schaffartzik als Shooting Guard neben Spielmacher Bastian Doreth.
Der Frontcourt mit Robin Benzing, Kapitän Jan-Hendrik Jagla und Center Tibor Pleiß blieb unverändert.
Deutsches Duo mit Blitzstart
Die beiden Big Men bestätigten gleich zu Beginn ihre gute Form aus dem Finnland-Spiel und sorgten mit Sprungwürfen für die ersten acht Punkte des DBB-Teams.
Vor allem Pleiß, der zur kommenden Saison nach Spanien wechselt. stand bei seiner vorläufigen Abschiedsvorstellung in Bamberg im Blickpunkt. Schließlich hatte er die unangenehme Pflicht, Gortat (Phoenix Suns) im direkten Duell gegenüberzustehen.
Mit einem Monster-Block gegen den einstigen Deutschland-Legionär - von 2003 bis 2007 spielte Gortat bei RheinEnergie Köln - zeigte der 22-Jährige schon früh, dass ihn die Aufgabe anstachelte.
Guter Angriffsrhythmus
Angeführt von Jagla und Pleiß erkämpfte sich Deutschland gegen energisch auftretende Gäste bis zum Ende des ersten Viertels eine 29:21-Führung.
Die von Pesic geforderte Balance zwischen Offensivaktionen unter dem Korb und Distanzwürfen stimmte in der ersten Hälfte und stellte die Polen vor deutliche Probleme.
Polen nutzen Räume
In der eigenen Abwehr taten sich aber erneut einige Lücken auf. So konterten die Polen den 11:0-Lauf der DBB-Riesen mit acht Zählern in Folge zum 33:37 aus ihrer Sicht.
Zwar konnte Gigant Gortat nicht so dominieren wie beim Kantersieg gegen die Türkei, dafür hatten die Schützen um Michal Ignerski und Italien-Legionär Jakub Wojciechowski (19 Zähler) von Benetton Treviso zu viel Freiraum.
Entsprechend entwickelte sich bis zur Pause ein gutklassiger Shootout, den auf deutscher Seite die agilen Türme Pleiß und Jagla bestimmten. So ging es mit einem knappen 45:46-Rückstand in die Kabine.
Schaffartziks Dreier bringt Schwung
Im dritten Viertel musste die junge Mannschaft aber eine vierminütige Dürrephase überstehen. In dieser Phase spielten die Polen ihre größere Erfahrung aus.
Erst ein Dreier von Schaffartzik (10 Punkte) brach den Bann, wenig später ließ er einen weiteren seiner patentierten Distanzwürfe folgen und sorgte für das umjubelte 56:53.
Selbst die zweite Garde um den Ulmer Per Günther (11 Zähler) trat nun selbstbewusster auf und erkämpfte einen 63:58-Vorsprung nach drei Abschnitten.
Der junge Maik Zirbes hielt an den Brettern mit vielen wichtigen Rebounds stark dagegen.
Krimi in der Schlussphase
Im spannenden Schlussviertel konnte dann der Ernstfall für die anstehende EM-Qualifikation geprobt werden.
Pesic hätte in der Endphase am liebsten selbst mit verteidigt und musste von den Schiedsrichtern immer wieder vom Spielfeldrand verscheucht werden.
Die ausgeglichene Partie wogte ständig hin und her. Der pfeilschnelle Günther hielt Deutschland im Spiel. In die Schlussminute ging es mit einem hauchdünnen 71:70-Vorteil.
Pleiß' phänomenaler Dunking und ein bitterer Ballverlust der Polen besiegelten letztendlich den knappen Prestigeerfolg.