Auch Polen geknackt: DBB-Neustart macht Mut
Aus Bamberg berichtet Eric Böhm
Bamberg - Zumindest für ein Wochenende wirkte die Magie der Trainerlegende schon einmal.
Svetislav Pesic hat Deutschland mit dem knappen 78:74 gegen Polen (Bericht) nicht nur den zweiten Supercup-Triumph nach 2004 ermöglicht, sondern auch eine Aufbruchsstimmung erzeugt.
Mit einer jungen Mannschaft, die an der langen Leine Tempo-Basketball spielen soll, konnten im Vorfeld der so wichtigen EM-Qualifikation die Fans begeistert werden.
Entsprechend würdigte der alte, neue Bundestrainer zuerst auch die frenetischen Anhänger in Bambergs Stechert Arena: "Sie haben uns in den entscheidenden Momenten großartig unterstützt. Das braucht diese junge Mannschaft und weiß es auch zu schätzen."
Pesics System greift schon
Vielmehr aber wurde Pesics Heimdebüt an beiden Tagen durch eine Wechselwirkung zum Erfolg. Denn der erfrischende Spielstil fachte die Begeisterung auf den Rängen erst so richtig an.
Beide Partien gegen letztendlich nicht mehr als solide Gegner auf Augenhöhe dürfen nicht überbewertet werden, es fiel jedoch auf, wie gut die Truppe das System des 62-Jährigen schon nach wenigen Wochen verinnerlicht hat.
Die auf Schnellangriffe und Balance zwischen Inside-Präsenz und Distanzwürfen ausgelegte Offensive wurde speziell in der ersten Hälfte gegen Polen deutlich.
"Darauf legt der Coach auch im Training enormen Wert. Wir haben seine Vorstellungen schon ganz gut drauf, es geht aber immer noch besser", bestätigte Kapitän Jan-Hendrik Jagla bei SPORT1.
Abkehr vom Bauermann-Stil
Es ist neben den personellen Veränderungen wohl die greifbarste Neuerung.
Während Vorgänger Dirk Bauermann mehr auf den Halbfeld-Angriff und seine Systeme setzte, bevorzugt Pesic den sogenannten "Flow", er will einen flüssigen Stil mit viel Tempo.
Dass dabei speziell zu Beginn seiner Amtszeit noch viele Fehler passieren, ist logisch, die kampfstarken Polen forcierten zwölf Ballverluste und deckten angeführt von NBA-Star Marcin Gortat (14 Punkte, 8 Rebounds) Schwächen in der Deckung auf.
"Wir haben in der ersten Halbzeit sehr gut gepunktet, in der zweiten Hälfte passierten einige Fehler. Die Polen können auch spielen und sind viel erfahrener. Deshalb war es ein guter Test", sagte Pesic.
Big Men trumpfen auf
Taktisch bekommt Co-Captain Heiko Schaffartzik eine zumindest teilweise neue Rolle. Er spielt nur noch als zweiter Guard. Bastian Doreth und der gegen Polen auftrumpfende Per Günther teilen sich den Spielaufbau.
Neben der hervorragenden Teamchemie (NACHBERICHT: Geburtsstunde geglückt) fiel besonders die starke Präsenz des Teams unter den Körben auf.
Das Gespann Jagla - mit 16 Punkten wieder Deutschlands Topscorer - und Tibor Pleiß stand Gortat und Co. in nichts nach. "Wir harmonieren gut, weil wir uns schon lange kennen. Jan ist ein Klassespieler", gab sich Pleiß auf SPORT1-Nachfrage sehr bescheiden.
Pleiß' großer Abschied
Dabei war das Endspiel sein Moment. In seinem vorerst letzten Spiel in der "Frankenhölle", er wechselt von den Brose Baskets zu Caja Laboral nach Spanien, trumpfte der 22-Jährige im Duell mit einem alten Bekannten groß auf.
"Ich habe ja mit Marcin in Köln zusammengespielt und Tag für Tag mit ihm trainiert. Es war ein tolles Erlebnis. Er ist schließlich ein NBA-Leistungsträger. Er hat mir gesagt, ich soll weiter an mir arbeiten", erklärte Pleiß.
Auf dem Feld gab es aber keine Freundlichkeiten. Schon in den ersten Minuten räumte er den Center der Phoenix Suns per Monster-Block ab, dann gelang ihm auch der vorentscheidende Dunking zum 74:71.
Vorteil an den Brettern
Mit seinem Double-Double (12 Zähler, 11 Rebounds) untermauerte der Center seinen Anspruch, sich zu einem der besten europäischen Big Men zu entwickeln.
Auch kämpferisch gaben die großen Jungs des Kaders die Linie vor. Immer wieder setzten auch die jungen Talente wie der starke Maik Zirbes (9 Punkte, 6 Rebounds) nach und unterstützten einander.
Das war auch für Pesic der ausschlaggebende Punkt: "Wir haben am Brett sehr gut gearbeitet. Es sind 17 Offensiv-Rebounds. Wir haben zweimal den Rebound-Vorteil gehabt und gut verteidigt. Auf diese Stärke kann man aufbauen."
Ernst beginnt
Die psychologische Aufbauarbeit trug in Bamberg erste Früchte. Einstige Pflegefälle wie Jagla sprühen vor Selbstvertrauen, und auch in der engen Schlussphase gegen die Polen geriet die junge Truppe nicht in Panik und suchte weiter den Weg zum Korb.
Nach der Generalprobe am Montag in Leipzig gegen Georgien wird es allerdings ernst. Am Samstag in Hagen beginnt die EM-Qualifikation mit der Partie gegen Luxemburg, und die guten Ansätze stehen auf dem Prüfstand.
"Uns erwarten sehr harte Qualifikationsspiele. Dieser Aufbauprozess geht aber darüber hinaus. Ich will die Spieler bis zum Ende dieser Phase nicht nur zur EM 2013 bringen, sondern jeden einzelnen auch verbessern", betonte Pesic.
Der Neustart macht in jedem Fall Mut für die anstehenden Aufgaben.