"Den Jungs zeigen, wo es langgeht"
Aus Bamberg berichtet Eric Böhm
Bamberg - Jan-Hendrik Jagla hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet.
Nach einer schwierigen Saison bei Bayern München in der Beko BBL blühte der 2,13 m große Forward im Sommer mit der Nationalmannschaft förmlich auf.
Beim Final-Sieg im Beko-Supercup gegen Polen war Jagla mit 16 Punkten Deutschlands Topscorer, im Halbfinale gegen Finnland beeindruckte er mit 20 Zählern. (SPIELBERICHT: Supercup-Triumph! Pleiß zähmt Gigant Gortat)
Als ältester Spieler im Kader nimmt der 31-Jähirge außerdem den Status als Führungsspieler im jungen deutschen Team ein. Bastian Doreth, der im vergangenen Jahr auch bei den Bayern mit Jagla zusammenspielte, lobt den Routinier als "vorbildlichen Leader".
Im SPORT1-Interview spricht Jagla über seine Rolle, die unterschiedlichen Philosophien von Bundestrainer Svetislav Pesic und Vorgänger Dirk Bauermann und das Fehlen von Dirk Nowitzki.
SPORT1: Sie hatten ein schweres Jahr beim FC Bayern München. In der Nationalmannschaft wirken Sie in diesem Sommer wie ausgewechselt. Woran liegt das?
Jan-Hendrik Jagla: Ich glaube, ich habe in München nicht schlecht gespielt, ich habe einfach nur sehr wenig gespielt. Das ist der Unterschied. Je mehr Minuten man bekommt, desto besser ist das Selbstvertrauen.
SPORT1: Ihr Teamkollege Heiko Schaffartzik hat vor den Testspielen in Deutschland gesagt, wir würden die Geburt einer neuen Mannschaft sehen. Wie zufrieden sind Sie mit dem Stand des neuformierten Teams?
Jagla: Wir können sehr zufrieden sein. Wir haben in den letzten Wochen sehr hart gearbeitet. Langsam können wir auch umsetzen, was der Coach von uns möchte. Wir bringen seine Philosophie aufs Feld. Die Mannschaft ist sehr gut zusammengewachsen. Alle Spieler haben viel Selbstvertrauen und sind mit Spaß bei der Sache. Da kann man auch kleine Fehler wie Ballverluste verkraften und lässt sich nicht aus dem Rhythmus bringen – dann läuft es.
SPORT1: Coach Pesic wollte beim Supercup unbedingt gegen Finnland spielen, da sie in ihrer Spielweise EM-Qualifikationsgegner Schweden ähneln. Was können Sie aus diesem Sieg mitnehmen?
Jagla: Die Finnen sind ein starkes Team. Sie haben im vergangenen Jahr gute Mannschaften geschlagen. Es hilft gegen Teams zu spielen, die mit kleineren Centern agieren, gute Schützen haben und sehr viel Druck machen. Wir haben Mannschaften in der Gruppe, die ähnlich spielen werden. Es war ein wichtiger Prüfstein für uns. Wir sind langsam reif für die Qualifikation.
SPORT1: Es ist aufgefallen, dass die gesamte Mannschaft und die Trainer sehr positiv gestimmt waren. Die Teamchemie scheint zu passen, oder?
Jagla: Absolut. Wenn man viele junge Spieler dabei hat, ist die Stimmung besonders wichtig. Den Jungs muss klar sein, was hier von ihnen erwartet wird, aber sie müssen eben auch positiv bestärkt werden.
SPORT1: Die wichtigste Neuerung in diesem Sommer ist natürlich der neue Bundestrainer. Im Verein arbeiten Sie weiterhin unter Dirk Bauermann. Was unterscheidet die beiden Erfolgstrainer?
Jagla: Das ist schwer zu sagen. Sie sind schon lange im Geschäft und haben viel Erfahrung. Sie haben unterschiedliche Philosophien. Bei Pesic ist viel auf Schnellangriffe ausgelegt, Bauermann ist sehr auf seine festen Spielzüge bedacht. (NACHBERICHT: Auch Polen geknackt: DBB-Neustart macht Mut)
SPORT1: Bauermann hat beim Supercup in Bamberg in der ersten Reihe zugeschaut. So konnten Sie beim ihm ein bisschen Eigenwerbung betreiben, oder?
Jagla (lacht): Es hat sicher nicht geschadet.
SPORT1: Sie sind in diesem Sommer der einzige Spieler über 30 im Kader. Außerdem wurden Sie zum Kapitän ernannt. Nehmen Sie die Rolle als Führungsspieler an?
Jagla: Auf jeden Fall. Es ist eine große Ehre. Für mich geht es darum, den Jungs zu zeigen, wo es langgeht. Ich will ihnen vermitteln, worauf es in der Nationalmannschaft ankommt und sie motivieren. Die Jungs wissen, dass sie immer auf mich zukommen können und mich um Rat fragen können.
SPORT1: Die EM-Qualifikation startet am Wochenende. Haben Sie sich schon genauer mit den Gegnern beschäftigt?
Jagla: Eigentlich nicht. In der momentanen Phase sind wir immer noch mehr mit uns selbst beschäftigt. Wenn wir unsere Leistung bringen, wird es passen.
SPORT1: Dirk Nowitzki ist in diesem Sommer nicht beim Team dabei. Die EM 2013 könnte für ihn wieder ein Thema sein. Ist es deshalb eine besondere Motivation, die Qualifikation zu schaffen?
Jagla: Das weiß ich nicht. Ich glaube, darüber denkt jetzt niemand nach. Dirk trifft seine Entscheidungen. Die Jungs wollen alle spielen, viele sind noch nie bei einer EM gewesen. Das sollte genug Motivation sein.