Mit College-Bubis zurück an Europas Spitze?
Von Eric Böhm
München - Zuletzt kochte das Thema auch bei den Olympischen Spielen in London hoch.
Da immer mehr Nationen ihre Athleten zur Ausbildung ins Ausland schicken, sei Deutschland ins Hintertreffen geraten - die Talente würden nur im eigenen Saft schmoren.
Zumindest in dieser Hinsicht taugt der DBB als Vorbild. Denn im erweiterten Nationalkader stehen gleich mehrere Jungspunde mit wertvoller College-Erfahrung aus den USA (EXKLUSIV: Jan-Hendrik Jagla im SPORT1-Interview).
Neben den aktuell in Prüfungen vertieften Elias Harris und Niels Giffey gehören Mathis Mönninghoff und Patrick Heckmann dazu.
Mut zur Jugend
"Ich habe gar nicht damit gerechnet, hier zum Einsatz zu kommen. Ich sammele die Erfahrungen und genieße jede Sekunde, die ich auf dem Feld stehe", sagte Mönninghoff am Rande des Supercups in Bamberg bei SPORT1.
Die Leistungen Mönninghoffs wurden nach dem Turnier in Franken vom neuen Bundestrainer Svetislav Pesic mit der Nominierung für den EM-Quali-Kader honoriert.
Unter Pesic wird die Nationalmannschaft konsequent verjüngt (NACHBERICHT: Auch Polen geknackt: DBB-Neustart macht Mut).
Neben den schon BBL-gestählten Philip Zwiener, Philipp Neumann - er feierte beim Supercup sein DBB-Debüt - oder Maik Zirbes stoßen auch immer mehr Jungs mit USA-Erfahrung in den Kader vor.
Schon früher wagten Spieler wie Detlef Schrempf, Christian Welp oder Ademola Okulaja als Teenager den Sprung über den großen Teich, um sich mit den besten Korbjägern zu messen.
Trend kehrt sich um
Nahezu alle wurden im späteren Verlauf ihrer Karriere zu Leistungsträgern im Nationalteam und brachten neben sportlichen auch menschliche Qualitäten ein.
In der Generation um Dirk Nowitzki ebbte diese Welle deutlich ab. Der Ausnahmespieler ging ohne Umweg in die NBA, aber einigen seiner Altersgenossen hätte die College-Erfahrung sicher gutgetan.
Einige Talente wagen den Sprung
Schließlich gibt es an den fantastisch ausgestatteten Unis eine Rundumbetreuung, die neben den basketballerischen Talenten auch Siegermentalität, Disziplin und Selbstständigkeit einimpft.
Davon profitiert aktuell neben Harris (Gonzaga), Giffey und Enosch Wolf (UConn Huskies) auch Heckmann, der für Boston College auf Korbjagd geht.
Der zweimalige EM-Fünfte mit der U 20 spielte 2011/2012 eine starke Freshman-Saison - durchschnittlich 8,3 Punkte pro Partie - musste in Bamberg allerdings kurzfristig passen.
"Es lief nicht mehr rund"
Mönninghoff kehrt dagegen zur neuen Spielzeit nach Deutschland zurück. Als Teamkollege von Harris lieferte er 2010/2011 respektable Spiele als Neuling bei den Gonzaga Bulldogs ab.
Im vergangenen Jahr bekam der Scharfschütze plötzlich kaum noch Spielzeit.
"Bei Gonzaga lief es nicht mehr rund. Ich kann es mir nicht erklären. Im Training habe ich immer mein bestes gegeben, aber der Coach hat es wohl nicht gesehen", meinte der Flügelspieler.
Mönninghoff: Richtiger Schritt
Ab jetzt spielt er für TBB Trier in der BBL, missen möchte er seine Zeit an der Westküste der USA jedoch nicht.
"Ich freue mich auf Trier, aber die Erfahrung am College hat mich charakterlich und persönlich extrem weitergebracht – auch wenn es am Ende nicht mehr gepasst hat", bestätigte der 20-Jährige.
Staiger ebenfalls gestählt
Ähnliches gilt für Lucca Staiger. Auch er ging einst als exzellenter Schütze in die USA, um bei den Iowa State Cyclones für Furore zu sorgen.
Im Januar 2010 verließ er jedoch fluchtartig das Team, obwohl er zum Stamm zählte und mit zehn verwandelten Dreiern in einem Spiel einen Teamrekord hält.
Mehr Unterstützung von Nowitzki
Auch deshalb hatte sich Ex-Nationalspieler Schrempf von Nowitzki schon vor einiger Zeit etwas mehr Unterstützung für die deutschen College-Bubis gewünscht.
"Das würde ich mir wünschen. Spanier und Argentinier haben untereinander ein großes Netzwerk. Es wäre toll, wenn Dirk etwas mehr machen würde. Seine Erfahrung könnte sehr viel helfen", meinte Schrempf.
Nächstes Talent nach Conecticut
Trotz durchaus zwiespältiger Erlebnisse kann die physische und mentale Toughness zu einem der Trümpfe dieser neuen Nationalmannschaft werden.
Vielleicht wird sich diese Qualität schon in der am Samstag beginnenden EM-Qualifikation - Auftakt gegen Luxemburg - bezahlt machen.
Das nächste Talent ist auch schon in den Startlöchern. Flügelspieler Leon Tolksdorf wird Teamkollege Giffeys und Wolfs in Connecticut und sicher perspektivisch auch im Nationalkader auftauchen.
Auch wenn die Resultate nicht immer stimmen werden, könnten sich andere Sportarten vom mutigen Bekenntnis zu Jungspunden eine Scheibe abschneiden.