81:66! Pesic-Team zerlegt Schweden
Vom DBB-Team berichtet Eric Böhm
Ulm - Die deutsche Nationalmannschaft hat in der EM-Qualifikation ihre weiße Weste bewahrt.
Beim ersten Länderspiel in Ulm seit 1994 gelang gegen Schweden ein souveräner 81:66 (45:28)-Erfolg. Damit übernahm die Mannschaft von Bundestrainer Svetislav Pesic in der Gruppe B die Tabellenführung. ( DATENCENTER: Die EM-Qualifikation)
Auffälligste Akteure in dem extrem ausgeglichenen Kader waren vor 6000 Zuschauern Scharfschütze und Regisseur Heiko Schaffartzik (15 Punkte) sowie der einstige Ulmer Robin Benzing (15).
Bereits am Montag kommt es in Baku zum Spitzenspiel gegen Aserbaidschan, dann könnte der entscheidende Schritt in Richtung Endrunde 2013 in Slowenien folgen.
Günther zu ungestüm
Pesic setzte in der Startformation neben dem starken Frontcourt Benzing, Tibor Pleiß und Kapitän Jan-Hendrik Jagla auf den Lokalmatadoren Per Günther und Co-Captain Schaffartzik im Aufbau.
In der Anfangsphase tat sich das DBB-Team gegen die Schweden um ihren überzeugenden NBA-Star Jonas Jerebko von den Detroit Pistons - sieben seiner 22 Zähler im ersten Viertel - ziemlich schwer.
Die Gäste versuchten dynamisch zum Korb zu kommen und zogen immer wieder deutsche Fouls und gingen Mitte des ersten Viertels mit 11:5 in Führung.
Zudem handelte sich Günther in seinem „Wohnzimmer“ etwas übermotiviert drei schnelle Fouls ein und verschwand schon in der Anfangsphase auf der Bank.
Benzing und Staiger im Duett
Durch einen wunderbaren Sprungwurf im Rückwärtsfallen von Benzing legte sich die spürbare Nervosität der jungen Truppe im Hexenkessel ratiopharm arena.
Einen 9:0-Lauf krönte der Flügelspieler des FC Bayern München mit einem Dreier, der die Nordeuropäer zu ihrer einer Auszeit zwang und den Gastgebern ihre erste Führung bescherte.
Lucca Staiger sorgte per Dreier für die knappe 19:17-Führung nach dem ersten Spielabschnitt. Neben Staiger und Benzing punktete dabei einzig der zukünftige Spanien-Legionär Pleiß.
Defense bringt Offense
Der ehemaliger Ulm-Coach Brad Dean hatte die Schweden jedoch gut auf das System der Deutschen eingestellt - zunächst kamen nur selten Schnellangriffe zustande.
Im Angriff blieb seine Mannschaft aber zu sehr auf Jerebko beschränkt und damit eindimensional. Durch die starke Defensive, löste sich dann bei Pesics Team auch vorn die Blockade.
Ludwigsburgs Staiger (12 Zähler) trat nicht nur als Werfer in Erscheinung und lieferte eines seiner besten Länderspiele. Plötzlich klappten auch schwierige Anspiele und Würfe.
Schaffartzik schlägt zu
Schaffartzik versenkte zwei seiner typischen Distanzwürfe und ermöglichte der DBB-Auswahl dank eines 11:0-Zwischenspurts den 38:24-Vorsprung.
Zur Pause stand wenig später ein beruhigendes 17-Punkte-Polster, weil der Ball immer wieder unter den Korb gebracht wurde - 15 Freiwürfe allein in der ersten Hälfte untermauern dies.
Außerdem wurden - wie schon in den vergangenen Länderspielen - die Bretter beherrscht. Den klaren Rebound-Nachteil (21:14) konnten die Schweden nicht kompensieren.
Souveräne zweite Hälfte
Den starken Rhythmus konnte auch die Halbzeit nicht brechen. Zu Beginn des dritten Viertels wollte dann nämlich auch Günther seinem Publikum etwas zeigen.
Unter seiner Regie vergrößerte Deutschland die Führung kontinuierlich. Im Angriff stimmte jetzt die Balance und fast jeder Spieler durfte glänzen.
Sogar Philipp Schwethelm (9 Punkte) durfte sich seinen Frust aus der vergangenen Beko-BBL-Saison von der Seele schießen. Schon vor dem Schlussabschnitt (66:42) schien die Messe gesungen.
Benzing setzt Schlusspunkt
Vorführen wollten sich die Schweden aber nicht lassen. Knapp sechs Minuten vor dem Ende verkürzten sie blitzschnell auf 58:70.
Letztendlich hielten die Publikumslieblinge Benzing – im direkten duell mit Jerebko und Günther die kämpferischen Gäste auf Distanz. Benzings Dreier zum 79:62 machte alles klar.
"Wir haben leider im letzten Viertel die Konzentration verloren und können mit dem Ende nicht zufrieden sein. Aber vorher haben wir 30 Minuten exzellenten Basketball gespielt. In einem EM-Qualifikationsspiel ist es aber wichtig, die Konzentration bis zum Ende hochzuhalten", sagte Trainer Pesic nach der Partie und lobte:
"Die Richtung stimmt aber, ich kann sagen: weiter so!"
Langer Weg zum Spitzenspiel
Viel Zeit zum Genießen bleibt jedoch nicht, schon in zwei Tagen steht die extrem lange Reise nach Baku an.
Der Hauptkonkurrent um den Gruppensieg mit dem eingebürgerten Center Charles Davis ist ein nicht zu unterschätzender Prüfstein.
Für die Schweden ist der EM-Zug dagegen nach der zweiten Pleite im dritten Spiel fast schon abgefahren.