Matchball in Baku
Vom DBB-Team berichtet Eric Böhm
Ulm - Dieser Schweden-Happen hat nur zu Beginn und am Ende etwas Schluckauf verursacht.
Letztendlich gelang der deutschen Nationalmannschaft beim 81:66 ( Spielbericht) gegen die wacker kämpfenden, aber doch biederen Nordeuropäer ein souveräner Erfolg.
Nach dem dritten Sieg im dritten EM-Qualifikationsspiel könnten die Tickets zur EM 2013 in Slowenien bereits mit einem Sieg im weit entfernten Aserbaidschan so gut wie gebucht werden ( DATENCENTER: Die EM-Qualifikation).
"Wir haben gegen die direkten Konkurrenten Schweden und Bulgarien jetzt ein gutes Punkte-Polster. Diese Mannschaft hat Talent und Enthusiasmus. Die Richtung stimmt", bilanzierte Bundestrainer Svetislav Pesic.
Chemie stimmt
Der erste Auftritt des DBB-Teams in Ulm seit 18 Jahren bestätigte die Eindrücke dieses Sommers.
Pesic hat in Rekordzeit eine junge Mannschaft geschmiedet, die nicht nur seine sportlichen Vorstellungen von dynamischem Tempo-Basketball schon solide umsetzt, sondern großen Teamgeist zeigt.
"Es ist wichtig, dass sie in einem Pflichtspiel den Druck spüren und damit zurechtkommen. Sie arbeiten auf und neben dem Court gut zusammen", bestätigte Pesic auf SPORT1-Nachfrage.
Staiger glänzt
Außerdem offenbarte sich gegen die One-Man-Show des schwedischen NBA-Stars Jonas Jerebko (Detroit Pistons) eine neue Qualität und Quantität.
Als der leicht übermotivierte Lokalmatador Per Günther früh sein drittes Foul kassierte, sprangen Ergänzungsspieler wie Lucca Staiger in die Bresche.
Der eigentlich nur als hervorragender Schütze bekannte gebürtige Ulmer trumpfte plötzlich auch als Passgeber und giftiger Verteidiger auf.
"Ich fühle mich sehr fit und habe körperlich einen Schritt nach vorn gemacht. Es ist eine große Ehre, für Coach Pesic zu spielen. Er gibt uns Freiheiten auf dem Feld", betonte Staiger.
Reservisten helfen mit
Auch Philipp Schwethelm oder Tim Ohlbrecht steuerten ihren Teil zu der ausgeglichenen Teamleistung bei.
Gleich sieben Spieler erzielten mindestens sieben Punkte. Bedenkt man den Altersdurchschnitt von 23,7 Jahren, ist das eine Entwicklung, die mittel- und langfristige Perspektiven verspricht.
Der deutsche Navarro
Neben dem starken Robin Benzing, der Jerebko über die gesamte Partie in Abwehr und Angriff großartig Paroli bot, ragte Heiko Schaffartzik aus dem Kollektiv heraus.
Der Co-Kapitän - von Pesic eigentlich nur noch als Shooting Guard eingesetzt - übernahm während Günthers Abwesenheit auch wieder Verantwortung im Spielaufbau.
Da er auch seine gewohnten Dreier nicht vernachlässigte, zog Pesic im Anschluss einen für den Berliner äußerst schmeichelhaften Vergleich.
"Für Heiko ist der Korb groß wie ein Swimmingpool. Er denkt immer, dass er treffen kann. Das ist eine Qualität. Er erinnert mich an den jungen Juan Carlos Navarro, den ich in Barcelona trainiert habe", lobte der Trainerfuchs.
"30 Minuten exzellenter Basketball"
Das sich der 62-Jährige noch längst nicht zurücklehnen kann, war sowohl in der holprigen Anfangsphase, als auch im Schlussviertel zu sehen.
Nach einer haushohen Führung ließen sich die Spieler vom euphorischen Publikum anstecken und wollten eine Show bieten, statt die Uhr souverän herunterzuspielen.
So kamen die Schweden, die nach zwei Niederlagen aus drei Spielen kaum noch Chancen auf einen der zwei ersten Gruppenplätze haben, unnötigerweise auf 58:70 heran.
"Wir haben 30 Minuten exzellenten Basketball gespielt, dann hat die Konzentration etwas gelitten. Wir haben uns von den tollen Zuschauern verleiten lassen und die Geduld verloren. Das müssen wir besser lösen", forderte der Cheftrainer.
"Kleines Grauen"
Beim Sieg in Bulgarien ( Bericht) musste das Team eine ähnliche Phase überstehen. Trotzdem geht die Entwicklung in eine positive Richtung.
Denn trotz fehlender Erfahrung machen sie die Spiele zu, das war auch schon beim Supercup in Bamberg deutlich geworden.
"Im vierten Viertel hatten wir ein kleines Grauen zu überstehen, aber wir haben wieder herausgekämpft. Die Fans haben uns dabei geholfen. Es hat heute großen Spaß gemacht", sagte Staiger.
Schwere Aufgabe
Der Trip nach Baku könnte weitere Aufschlüsse gewähren, wie lernfähig dieser bisher so überraschend souveräne neue Kader ist.
Schließlich geht es für den neuen Tabellenführer der Gruppe B bei den unberechenbaren Aserbaidschanern um Top-Center Charles Davis möglicherweise schon um den Gruppensieg.
Bereits am Morgen nach dem Sieg in Ulm ging es auf die lange Reise, da die Partie schon am Montag ansteht.
"Das ist natürlich nicht optimal. Wir haben kaum Zeit, zu regenerieren und treffen in einem wichtigen Spiel auf einen starken Gegner", warnte Pesic.