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Dennis Schröder (l.) lief 2011 zum ersten Mal für Braunschweig in der Beko BBL auf © getty

Kampf um die EM-Plätze: Der DBB-Coach räumt Schröder bei SPORT1 Chancen ein. Hamann könne helfen. Ohlbrecht ist nicht gesetzt.

Aus Berlin berichtet Michael Spandern

Berlin - Tim Ohlbrecht in der NBA, Dennis Schröder zum Hoop Summit eingeladen, der Tabellenzweite FC Bayern oft mit drei Deutschen in der Starting Five - Bundestrainer Frank Menz hatte zuletzt viel Grund zur Freude, wenn es um seine Schützlinge geht.

Beim TOP FOUR in Berlin, bei dem er gleich acht Akteure aus dem letztjährigen, 23 Mann starken A-Kader beobachten konnte, stellte der Bundestrainer allerdings klar, dass die Entwicklung nicht von ungefähr kommt.

"Als ich vor sieben Jahren beim DBB angefangen habe, war nicht ein einziger Bundesligaspieler in meinem A2-Kader", erinnert sich der im Dezember aufgerückte Nachfolger von Svetislav Pesic.

"Und von den U20-Spielern hat keiner in der 2. Liga gespielt. In dieser Saison hatten alle A2- und U20-Spieler nach den ersten zehn Spieltagen zweistellige Minuten in der ersten Liga."

Schröders Explosion beeindruckt Menz

Allen voran Super-Teenie Schröder. Der Spielmacher der New Yorker Phantoms Braunschweig steht durchschnittlich 25:19 Minuten pro Partie auf dem Feld und liefert währenddessen 12,2 Punkte und 3,3 Assists ab (DATENCENTER: Beko BBL).

"Eine hervorragende Saison, fast schon eine Explosion", staunt selbst Menz über den 19-Jährigen, der als jüngster Deutscher aller Zeiten ins Allstar Game berufen wurde.

Die Athletik von Schröder, dessen Mutter aus Gambia stammt, hebe sich deutlich von der seiner Konkurrenten ab und sei "auch im europäischen Vergleich herausragend".

Günther und Schaffartzik vorn in der Fan-Gunst

Und wohl seinetwegen wollte Menz die SPORT1-Frage, ob er beim TOP FOUR die drei besten deutschen Spielmacher gesehen habe, nicht klar bejahen.

Im Pokalfinale lieferten sich Ulms Per Günther und Heiko Schaffartzik (ALBA Berlin) ein hochklassiges Duell, Steffen Hamanns FC Bayern sicherte sich Platz 3.

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Der 25-Jährige Günther sammelte bei der Online-Wahl der diesjährigen Allstars die meisten Stimmen, Schaffartzik (29) beim Voting ein Jahr zuvor. Neben der Fans-Gunst spricht für die Beiden, dass sie Leistungsträger bei international erfolgreichen Teams sind.

Menz signalisiert Hamann Interesse

Dirk Bauermanns erste Wahl war aber, bis er 2011 seinen Posten als Bundestrainer räumte, stets Steffen Hamann.

Den famosen EM-Quali-Sommer unter Pesic verpasste der Routinier verletzungsbedingt. Doch bei den Europameisterschaften im September könnte der 31-Jährige durchaus wieder dabei sein.

"Ich habe ihm mein Interesse signalisiert und gesagt, dass ich mir gut vorstellen kann, dass er eine gute Rolle in der Nationalmannschaft spielen kann", berichtet Menz, schränkt aber ein: "Das macht nur Sinn, wenn er kerngesund und hochmotiviert ist."

Wohl mit drei Spielmachern zur EM

Daran bestehen derzeit eigentlich kaum Zweifel, schließlich blüht Hamann wie seine deutschen Teamkollegen unter Bayern-Trainer Pesic auf, stand sogar mehrmals in der Startformation.

Bei Menz müsste er allerdings kleinere Brötchen backen: "Er könnte einer der erfahreneren Kräfte sein, die die jungen Spieler anleiten", erläutert der Bundestrainer. "Wenn er seine Rolle versteht und akzeptiert, kann er eine große Hilfe sein."

Könnte bedeuten: Schaffartzik und Günther haben die Nase vorn, aber ein dritter Point Guard fliegt mit nach Slowenien.

Somit liefern sich der FCB-Kapitän und der zwölf Jahre jüngere Schröder ein heißes Rennen um diesen Platz. Menz jedenfalls bestätigte SPORT1, dass Schröder "auf jeden Fall die Chance" habe, ins Team zu rücken.

Gute Chancen für Ohlbrecht

Ebenso spannend dürfte es auf den großen Positionen zugehen, selbst wenn Dirk Nowitzki - wie es seine klare Tendenz ist - und in seinem Schlepptau Chris Kaman aussetzen.

Abgeschrieben hat Menz die Big Men der Dallas Mavericks aber längst nicht: "Wir warten, bis die Saison vorbei ist. Und ich hoffe, dass sie die Playoffs noch schaffen. Dann werden sich die Manager des DBB und der Mavericks zusammensetzen."

Der neue Deutsche in der NBA, Tim Ohlbrecht, wäre selbst wenn er wollte nicht unbedingt unter den zwölf Auserwählten: "Letztendlich muss er sich mit allen anderen vergleichen", sagt Menz, aber: "Er hat gute Chancen."

Versicherung für Ohlbrecht nicht so teuer

Gut für den Deutschen Basketball-Bund, dass eine für Ohlbrecht zu zahlende Versicherung weit günstiger wäre als bei den Kaman und Nowitzki, da die Summe je nach Vertrag gestaffelt ist.

Ohlbrechts Weg über die D-League nötigt Menz Respekt ab. "Er hat sich dort durchgesetzt, da muss man den Hut vor ziehen." Er äußert aber Zweifel, "ob der Weg Schule machen wird".

Noch vor wenigen Jahren schien der Weg in die Staaten - in der Regel ans College - als Königsweg für Toptalente, um mehr Spielzeit als in der BBL zu bekommen.

Menz rät Talenten von Amerika ab

Dank der Begrenzung auf nun höchstens sechs Ausländer ist dies nun anders. Die Verschärfung kommt jedoch zu spät, meint Menz: "Ich hatte selten dafür Verständnis, dass unsere jungen Spieler hier nicht mithalten können sollten."

Doch wenn sie sich nach Durchlaufen der Nachwuchsteams mit 19 Jahren gegen drei oder vier Jahre ältere Amerikaner durchsetzen müssten, kämen sie ohne Quote kaum zum Einsatz. "Dann ist es klar, dass die Spieler nach Amerika wechseln."

Inzwischen aber würde er "keinem, der eine A-Kader-Perspektive hat, einen Wechsel nach Amerika empfehlen. Wenn sie Einsatzzeiten kriegen, sind sie in Deutschland besser aufgehoben."

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