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Spielt in der kommenden Saison für den FC Bayern: Lucca Staiger (r.) © getty

Deutschland holt sich nach vielen Pleiten bei der Generalprobe für die Eurobasket dringend benötigtes Selbstvertrauen

Aus Bamberg berichtet Eric Böhm

Bamberg - Die EM-Form kommt allmählich: Die deutsche Nationalmannschaft hat ihre Generalprobe für die Europameisterschaft in Slowenien (4. Bis 22. September) bestanden.

In der berüchtigten "Frankenhölle" von Bamberg gab es gegen die ebenfalls für das Turnier qualifizierten Schweden durch ein 78:66 (40:31) das nach zuletzt sieben Niederlagen in acht Partien dringend benötigte Erfolgserlebnis.

Kapitän Heiko Schaffartzik war mit 17 Punkten Topscorer des Teams. Bei den Skandinaviern ragte NBA-Youngster Jeffery Taylor (25 Zähler) heraus.

"Das war ganz wichtig, das letzte Spiel so zu gewinnen. Wir haben mit Selbstvertrauen und Leidenschaft als Team gespielt", sagte Bundestrainer Frank Menz.

"Wir hatten ein wahnsinnig schweres Programm. Die Mannschaft weiß, was sie leisten kann."

Bis zum Auftakt am Mittwoch in Ljubljana gegen Gruppenfavorit Frankreich (21 Uhr) muss aber noch an der Feinabstimmung gearbeitet werden, um eine Chance auf den Überraschungscoup zu haben.

Schweden schont NBA-Akteur

Vor 5158 Zuschauern begann die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB) mit der zuletzt gewohnten Formation um Schaffartzik und den frenetisch gefeierten Ex-Bamberger Tibor Pleiß (12 Punkte).

Für die ersten Highlights sorgten jedoch Bayerns Robin Benzing und der kaum noch weg zu denkende College-Youngster Niels Giffey.

Bei den Gästen lief dagegen zunächst wenig zusammen. Während Jonas Jerebko (Detroit Pistons) über weite Strecken geschont wurde, traf der zweite NBA-Profi Taylor, von Michael Jordans Charlotte Bobcats, bei seinen ersten Versuchen nicht einmal den Ring.

Kreativer Angriff

Erst nach fast drei Minuten gelang den "Tre Kronor" der erste Treffer. Bundestrainer Frank Menz hatte sein Team defensiv gut eingestellt. Im Angriff wurde bewusst immer wieder Pleiß am Brett gesucht.

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Trotz des sieglosen Supercups und vier Pleiten in Folge präsentierte sich das junge DBB-Team gegen einen Gradmesser auf Augenhöhe konzentriert und gewohnt ausgeglichen.

In der ersten Hälfte wurde mit einer gewohnt ausgeglichenen Leistung eine gute Balance aus Mitteldistanzwürfen und Punkten aus der Zone gefunden. Vor allem Benzing und Pleiß überzeugten.

Star-Power fehlt

Das Fehlen eines echten ?Go-to-Guys?, der am Ende der Wurfuhr auftrumpft oder einen Lauf des Gegners stoppt, bleibt ohne die NBA-Stars um Dirk Nowitzki die große Schwäche.

Das wurde einmal mehr deutlich, als Taylor für Schweden im zweiten Viertel richtig anzog. Der ehemalige College-Star von der Vanderbilt University brachte die Skandinavier im Alleingang per 7:0-Lauf wieder auf 22:26 ran.

Trotz der Reduzierung auf den endgültigen Kader - der Bayreuther Nic Simon wurde als letzter Spieler gestrichen - passte auch die Rotation noch nicht hundertprozentig. Trotzdem stimmte der physische Zug zum Korb optimistisch und brachte zur Pause eine 40:31-Führung ein.

Schaffartzik führt Run an

Im dritten Viertel fielen nach gutem Passspiel bei den Spezialisten Schaffartzik und Co. auch einige Dreier, so sprang schnell ein 15-Punkte-Abstand heraus.

Zwar sorgte Taylors One-Man-Show weiterhin für Sorgenfalten und kleinere Wutausbrüche bei Menz, aber seine Truppe zelebrierte nun ein flüssiges Angriffsspiel. Auch Lokalmatador Maik Zirbes (13 Punkte) wurde effizient eingebunden.

Die - ohne Jerebko - vergleichsweise biederen Schweden waren aber nur phasenweise der propagierte Härtetest im Hinblick auf die weiteren EM-Gegner Belgien, Ukraine, Großbritannien und Israel.

Am Ende souverän

Deutschland behielt im Schlussviertel erstaunlich souverän die Oberhand.

Die Führungsspieler Pleiß, Schaffartzik, Benzing und Lucca Staiger bewiesen zuletzt gegen stärkere Einzelspieler vermisste Coolness.

Mit Staigers Dreier zum 69:52 fiel siebeneinhalb Minuten vor Schluss die Vorentscheidung. Bereits in der EM-Qualifikation waren 2012 zwei Siege gegen die Nordeuropäer gelungen.

Taylor leistete zwar noch einmal Widerstand, aber gegen Schaffartziks Aufbau- und Abschussqualitäten war kein Comeback mehr drin. Alex Kings Treffer zum 78:64 machte in der Schlussminute den Sack zu.

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