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Dirk Nowitzki (l.) verfolgte als Zuschauer den letzten EM-Test gegen Schweden © imago

Trotz des Erfolges im letzten EM-Test gegen Schweden stapelt der Trainer tief. Nowitzki ist Logengast. Günther warnt bei SPORT1.

Aus Bamberg berichtet Eric Böhm

Bamberg - Dieser Tage läuft im deutschen Basketball vieles anders als gewohnt.

Super-Ikone Dirk Nowitzki tritt bei Länderspielen nur als Fan im Heimaturlaub auf, und an der Seitenlinie steht kein namhafter Derwisch wie Svetislav Pesic oder Dirk Bauermann mehr.

Stattdessen trägt das heilige Trikot mit der 14 nun Andreas Seiferth, Bundestrainer ist der zumindest international noch recht unbekannte Frank Menz.

Entsprechend backt die Nationalmannschaft trotz des 78:66-Sieges im abschließenden Test gegen Schweden (Bericht) vor der EM in Slowenien (4. Bis 22. September) kleine Brötchen.

"Das war heute ein wichtiger Sieg. Wir haben unseren Plan umgesetzt. Die WM-Quali ist aber kein Thema. Wir hoffen, ein paar Spiele zu gewinnen", sagte Menz.

Erwartungshaltung kleinhalten

Menz versucht bewusst, den Druck von seiner jungen Mannschaft zu nehmen, bei der nicht einmal mehr der Coach ein Star ist.

Angesichts des Auftaktgegners Frankreich (Mi., ab 21 Uhr) und vieler Testspielpleiten - gegen aber meist hochkarätige Konkurrenz - kann ihm das niemand verdenken.

Gleichzeitig wird Pesics Assistent bei der glanzvollen EM-Qualifikation 2012 nicht müde, seinen Plan vom Aufbau eines Reservoirs aus "zehn, zwölf Spielern auf europäischem Topniveau" zu propagieren, das sei aber "noch ein langer Weg.

Individuelle Klasse fehlt

Mit vielen Neulingen und keinem der NBA-Profis wäre das Erreichen der Zwischenrunde schon ein großer Erfolg. Ein Platz unter den ersten sechs Teams - die direkte WM-Qualifikation - erscheint tatsächlich nicht realistisch.

Denn auch bei der Generalprobe gegen biedere Schweden ohne Jonas Jerebko (einer von zwei NBA-Akteuren) wurde das Fehlen der individuellen Extraklasse, die Nowitzki über Jahre verkörperte.

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Der unumstrittene "Go-to-Guy", der aus nichts einen wichtigen Korb machen kann, fehlt. Aus der fehlenden Erfahrung auf europäischem Spitzenniveau resultieren auch die nach wie vor vielen Ballverluste - allein 18 gegen Schweden.

"Dirkules", sein Mentor Holger Geschwindner und Ex-Nationalspieler Armin Andres sahen in ihrer Loge trotzdem eine Leistungssteigerung. "Wir waren heute relativ konstant. Es ist natürlich wichtig, mit einem Sieg in das Turnier zu gehen", sagte Per Günther bei SPORT1.

Schaffartzik überzeugt

Die phasenweise guten Auftritte der fast zweimonatigen Vorbereitung geben tatsächlich nicht nur mittelfristig Anlass zur Hoffnung.

Es hat sich eine neue Hierarchie um die Startformation gebildet, die sich vor den anderen Gruppengegnern Belgien, Ukraine, Großbritannien und Israel nicht verstecken muss.

Speziell Kapitän Heiko Schaffartzik stellte gegen die Skandinavier als Topcorer mit perfekter Dreierquote plus sechs Rebounds und fünf Assists seine Rolle als Anführer und Regisseur unter Beweis.

Weg wird fortgesetzt

Dass es angesichts der vielen Absagen in der Tiefe und gegen Topleute wie Schwedens NBA-Flügel Jeffery Taylor (25 Punkte) hier und da fehlt, ist logisch

Wichtig ist: Pesics eingeschlagener Weg mit viel Spielzeit für Talente wie College-Youngster Niels Giffey trägt allmählich Früchte. Menz' auf Geschwindigkeit und Aktionen in Korbnähe ausgelegtes System greift immer besser.

Günther warnt vor Israel

Die Spieler sind daher auch nicht ganz so pessimistisch wie ihr Trainer. "Wir haben manchmal Lehrgeld bezahlt, aber es gibt einen positiven Trend. Es ist mehr drin", betonte Schaffartzik auf SPORT1-Nachfrage.

Der verbesserte Günther hat den hinter Frankreich schärfsten Konkurrenten für das Weiterkommen schon ausgemacht: "Israel ist stärker als die anderen drei."

Der von ihm selbst zuletzt noch kritisierte zweite Anzug um den Ulmer passte gegen ein Team auf Augenhöhe.

"Vieles ist möglich"

Fast noch wichtiger war vor dem Abflug am Montag nach Ljubljana, dass Bayern Münchens Robin Benzing offenbar gerade rechtzeitig seine Form findet.

Trotz kleiner Abwehrschwächen verschaffte sein Zug zum Korb nach ausgeheilter Fußverletzung dem DBB-Team eine weitere Dimension.

Schaffartzik formulierte dementsprechend seine Marschrichtung: "Wir wollen uns in jedem Spiel eine Siegchance erarbeiten, immer das Maximale herausholen und schauen, was dann geht."

Am Ende ließ sich sogar "Mr. Understatement" Menz noch ein "vieles ist möglich" entlocken. Vielleicht gelingt ja doch das Wunder von Slowenien.

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