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Pascal Roller wurde 2005 Vize-Europameister mit der deutschen Mannschaft © imago

Im Interview mit Sport1.de schaut Pascal Roller auf die Spiele zurück und erklärt, warum Deutschland keine NBA-Spielmacher hat.

Von Michael Spandern

Dem Sieg gegen Angola folgten vier zum Teil happige Niederlagen: Das olympische Turnier war für das deutsche Nationalteam bereits nach der Vorrunde vorbei.

Trotzdem hat die Stimmung bei den Spielern von Trainer Dirk Bauermann nicht lange gelitten, verrät Pascal Roller im Interview mit Sport1.de. Erst recht nicht bei ihm: Nach seiner Rückkehr aus China freute er sich über die Geburt von Tochter Delisa Isabel Olympia.

Der 31-Jährige von den Deutsche Bank Skyliners aus Frankfurt hatte schon vor dem Abflug nach Peking angekündigt, als Nationalspieler aufzuhören.

Um geeignete Nachfolger sorgt sich der Spielmacher nicht, erklärt aber, warum Deutschland keine Weltklasse-Spieler auf dieser Position hat.

Sport1.de: Die Olympischen Spiele sind Vergangenheit. Was bleibt zurück?

Pascal Roller: Es war eine bombastische Veranstaltung mit einem enormen logistischen Aufwand. Das haben die Chinesen bravourös bewerkstelligt. Auf mich hat besonders das olympische Dorf bleibenden Eindruck hinterlassen. Da hatte ich das Gefühl, mit der Qualifikation etwas erreicht zu haben. Alle haben lange gekämpft, um dabei zu sein.

Sport1: Welche herausragenden Sportler haben Sie dort getroffen?

Roller: Gesehen habe ich eigentlich fast alle: Phelps, Bolt, Nadal, Federer. Auch die amerikanischen Basketballer haben sich in der Mensa blicken lassen. Aber ich bin keiner, der auf die Leute zugeht, um ein gemeinsames Foto zu machen.

Sport1: Und innerhalb des deutschen Lagers?

Roller: Wir waren mit den Handballern im selben Haus, die Tischtennisspieler waren unter uns. Da lernt man sich schon kennen und wünscht sich Glück. Wir haben zum Beispiel die Hockey-Herren bei einem Vorrundenspiel unterstützt.

Sport1: Erhofft hatten Sie sich aber sportlich gesehen etwas mehr. Wie sehr schmerzt das Verpassen des Viertelfinales?

Roller: Wir haben das Schlüsselspiel gegen China knapp verloren. Wir hätten natürlich gerne gezeigt, dass wir zu den besten Acht in der Welt gehören. Aber die Art und Weise, wie wir manche Spiele verloren haben, zeigt, dass wir schon beim Quali-Turnier in Athen zu viele Kräfte gelassen haben. Daher ist die Enttäuschung bei mir nicht allzu groß. Wir haben gekämpft und waren konzentriert, doch es hat nicht gereicht.

Sport1: Wie war danach die Stimmung im Team?

Roller: Am Tag nach dem China-Spiel waren wir bedrückt, doch am Tag des letzten Spiels gegen die USA hatten wir uns mit dem Ausscheiden abgefunden, da haben wir auch nicht auf Ergebnis gespielt, sondern der Trainer wollten alle noch mal spielen lassen. Danach sind wir noch gemeinsam ausgegangen.

Sport1: War das nun tatsächlich Ihr Abschiedsspiel?

Roller: Ich denke schon. Das war ein toller Abschluss, da war mir auch egal, wie hoch wir verloren haben. Ich habe nicht immer so viel Einsatzzeit in der Nationalmannschaft bekommen wie in diesem Sommer. Auch aufgrund meines Alters kann ich guten Gewissens sagen: Ich war lange genug dabei.

Sport1: Jason Kidd ist 35 und hat die USA als Spielmacher zu Gold geführt?

Roller: Ich höre ja auch nicht mit dem Basketball auf, und kann auch noch das eine oder andere Spiel entscheiden. Aber ich möchte auch mal einen Sommer mit meiner Freundin und Familie verbringen.

Sport1: Hat der Bundestrainer nicht versucht, Sie umzustimmen?

Roller: Nein, er hat die Entscheidung absolut akzeptiert und sich bei mir für das Engagement bedankt.

Sport1: Auch Robert Garrett und Demond Greene spielen mit dem Gedanken, nicht mehr für Deutschland aufzulaufen. Da droht doch ein großes Loch auf den Guard-Positionen?

Roller: Da würde ich nicht schwarzmalen. Andere werden in diese Rolle hineinwachsen, wie Gordon Geib, Johannes Strasser oder auch Nico Simon.

Sport1: Deutschland hat mit Uwe Blab, Christian Welp, Detlef Schrempf und Dirk Nowitzki schon vier Big Men in die NBA gebracht. Tim Ohlbrecht ist hoffentlich der nächste. Doch bei den Spielmachern fehlt seit Jahren ein Weltklasse-Mann. Woran liegt das?

Roller: Ich sehe einen Grund dafür darin, dass gerade auf dieser Schlüsselposition in der Bundesliga seit jeher ein Ausländer spielt - auch, als nur zwei Ausländer pro Team erlaubt waren. Das dient natürlich nicht der Entwicklung der Talente. Ich habe immer darauf geachtet, dass ich zu einem Verein gehe, bei dem ich auch spiele. Ich hatte nie Lust, nur zu trainieren. Ein junger Spieler sollte lieber auf etwas Geld verzichten und nicht gleich zu einem Topteam gehen. Wenn er sich durchsetzt, kann er später noch genug verdienen.

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