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Point Guard Anton Gavel (r.) spielt seit 2009 beim Meister aus Bamberg © getty

Der Pokalfavorit vereitelt die Dragons-Sensation und zieht ins Finale ein. Artland lässt Fakten gegen die Refs sprechen.

Aus Bamberg berichtet Michael Spandern

Bamberg - Sie hatten die Sensation so greifbar wie nie, doch auch im dritten Kräftemessen dieser Saison mit Double-Gewinner Brose Baskets mussten sich die Artland Dragons hauchdünn geschlagen geben.

Der haushohe Pokalfavorit aus Bamberg setzte sich vor seinen Fans in "Freak City" mit 101:93 (85:85, 49:42) nach Overtime durch und greift im Finale am Sonntag (ab 16.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) gegen die New Yorker Phantoms Braunschweig nach dem nächsten Titel.

Den Sieg im hitzigen Thriller hatten die Franken auch den Referees zu verdanken, die mit 73 Fouls einen Ausscheidungskampf heraufbeschworen - und dabei gleich fünf Dragons vom Feld pfiffen.

Vier Dragons fliegen in der Overtime

Dragons-Trainer Stefan Koch hütete sich vor expliziter Kritik, ließ aber Fakten sprechen: "Es gab insgesamt 92 Freiwürfe, und 41 Fouls gegen uns - rund doppelt so viele wie wir durchschnittlich kassieren." (DATENCENTER: BBL Pokal).

Wie sehr das Pfeifkonzert der Schiri-Crew um Boris Schmidt die Niedersachsen wurmte, drückte auch Johannes Strasser nur mimisch aus.

Der Backup-Guard schied mit fünf Fouls aus, ebenso in der Verlängerung wie zuvor Adam Hess, Bryan Bailey und - als das Spiel noch völlig offen war - Artland-Topscorer Tyrese Rice (22 Punkte).

Sonderlob für Roberts und Terry

"Das hat uns das Spiel gekostet", legte sich Strasser fest. Coach Koch fasste seinem Team aber auch an die eigene Nase, vor allem Rice hätte am Ende die Finger weglassen müssen.

"Obwohl er einen sicheren Korb verhindert: Das war kein gutes Foul. Wir haben ihn gebraucht!"

So konnten Bambergs sechster Mann Brian Roberts (21 Zähler), Reyshawn Terry (15), Pedrag Suput und Anton Gavel (beide 14) in einem "ganz schön ruppigen Spiel", so ihr Coach Chris Fleming, den Sack zumachen.

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"Roberts mit seiner Offensive und Terry unter den Körben waren am Ende große Faktoren", befand er.

Bamberg erwischt Traumstart

Die Bamberger erwischten einen Traumstart und führten nach Dreiern von Gavel und Casey Jacobsen schnell 14:2.

Die Dragons bissen sich aber ins Spiel und ließen sich auch nicht beirren, als sie im zweiten Viertel erneut den Anschluss verloren (23:32).

Wirbelwind Bailey (17 Punkte, vier Assists), Center Darren Fenn (16 Punkte, fünf Rebounds) und erneut Bailey gelang mit einem 6:0-Zwischenspurt der Ausgleich (36:36).

Eindrucksvolle Antwort

Doch Gavel zeigte sich unbeeindruckt und verwandelte seinen zweiten Dreier. Zudem vertändelte Rice den Ball, und Terry stopfte zum 41:36.

[kaltura id="0_pjag4onw" class="full_size" title="Freak City peilt Titelverteidigung an"]

Der ehemalige Summer-League-Spieler der Dallas Mavericks legte von außen nach, und auch Jacobsen traf wieder für drei. Als er mal verwarf, fasste Pleiß nach - die Krönung des 13:2-Laufs zum 49:38.

Ruben Boumtje-Boumtje hielt die Quakenbrücker zur Halbzeit immerhin in Sichtweite.

Drei Unsportliche Fouls in Kürze

Bamberg konnte sich nicht mehr absetzen, auch weil sich Terry nach Baileys Fast-Break-Punkten ein Unsportliches Foul an Hess leistete und mit dem vierten persönlichen Vergehen ausgewechselt wurde.

Noch heftiger ging es nach einem Rebound von Pleiß zwischen dem deutschen Nationalcenter und Fenn, der trotz längst ertönten Pfiffs weiter hinlangte, zu.

Weil Pleiß überhart auskeilte, bekamen beide ein Unsportliches Foul.

Vorzeitiges Ende für Peavy

Glück hatten die Brose Baskets, als Hines ausrutschte: Zum Erstaunen vieler Zuschauer lasteten die Referees dem verteidigenden Peavy ein Foul an - das fünfte und Dienstschluss für den Puerto Ricaner noch im dritten Viertel.

Im Schlussviertel agierte Boumtje-Boumtje zunächst unglücklich, ließ Hines im Nachfassen punkten und vertändelte vorn den Ball. Bamberg war wieder auf 73:66 weg.

Dann aber setzte Boumtje-Boumtje selbst energisch Fehlwürfen von Strasser und Rise nach und vollstreckte per Dunking. Und Rise hängte erst den einen Kopf größeren Pleiß auf dem Weg zum freien Korbleger ab, nutzte im nächsten Angriff einen von zwei Freiwürfen zum 73:73 (35.).

Roberts rettet Bamberg die Overtime

Aus der Distanz bescherte Fenn den Dragons dann die erste Führung, wenig später kredenzte Bailey Kurz ein Drei-Punkt-Spiel - 80:77.

53 Sekunden vor Schluss glich Roberts per Dreier aus. Artlands Rice vergab auf der Gegenseite, Terry hatte Pech, und im allerletzten Versuch kam erneut Rice nicht durch - Overtime! "Wir haben nicht gescort", ärgerte sich Koch - die Siegchance kam nicht wieder.

Zwar schied in der Verlängerung mit Goldsberry zunächst ein Bamberger Ass mit fünf Fouls aus, doch der Ausschluss der beiden besten Quakenbrücker Rice und Bailey wog schwerer.

Das Stenogramm:

Artland Dragons - Brose Baskets Bamberg 93:101 (85:85, 42:49) n.V..Beste Werfer: Rice (22), Bailey (17), Fenn (16), Kurz (10) für Artland - Roberts (21), Terry (15), Suput (14), Gavel (14), Hynes (11) Jacobsen (11) für BambergZuschauer: 6800 (ausverkauft)

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