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Die Brose Baskets Bamberg gewinnen nach 1992 und 2010 zum dritten Mal den Pokal © getty

Ausgelaugt und ohne Rhythmus glückt den Franken die Pokalverteidigung. Coach Fleming genießt still - zum Feiern fehlt Personal.

Aus Bamberg berichtet Michael Spandern

Bamberg - Da stand er nun vor den Schnipseln seines Wirkens: Die Reinigungskräfte beseitigten bereits das bei Siegerehrungen unvermeidliche Glitzerkonfetti, als Chris Fleming ganz Kaiser-like den Kopf gesenkt übers Parkett schritt und den Moment genoss.

Zwei Teenager auf der Jagd nach einem Handyfoto vom Bamberger Erfolgscoach beendeten das Stillleben jäh, Fleming stellte sich trotzdem höflich zur Verfügung.

Er wirkte erschöpft nach dem 69:66-Zittersieg im Pokalfinale gegen die unbeugsamen New Yorker Phantoms Braunschweig, die ebenso knapp am Favoritensturz scheiterten wie 21 Stunden zuvor die Artland Dragons bei ihrer Overtime-Niederlage(DATENCENTER: BBL Pokal).

"Wir waren müde"

Warum die Brose Baskets jeweils die Oberhand behalten hatten, wusste Fleming nicht ganz genau.

Wohl aber, warum sie gegen Braunschweig nicht zu ihrem aus der Liga gewohnten Glanze fanden: "Wir waren müde, das hat man deutlich gemerkt", sagte der 41-Jährige zu SPORT1.

Darum sei es seinem Team auch nicht gelungen, die notwendigen Emotionen zu entwickeln. Stattdessen haderten sie erneut mit den Referees, obwohl diese dem Heimteam 34 Freiwürfe gewährten und den Phantoms nur zehn.

Obwohl sie vor der langen Braunschweiger Garde gewarnt waren, verloren die Bamberger das Reboundduell.

Liga-Präsident: Überhaupt kein Heimvorteil

Ob sein Team den Tabellenfünften der Beko BBL unterschätzt habe, wie es Kombo-Guard Anton Gavel andeutete? "Nein, meine Spieler haben nur eine sehr hohe Erwartung an sich selbst."

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Zu dieser Erwartungshaltung kam noch der Druck der heimischen Kulisse in "Freak City", die nach dem dritten Titel in 13 Monaten gierte.

Auch wenn es kein Bamberger wahrhaben wollte: In keiner ihrer 85 Top-Four-Minuten spielten die Brose Baskets befreit auf. "Es ist deutlich zu sehen, dass von einem Heimvorteil überhaupt keine Rede sein kann", verkehrte Liga-AG-Präsident Thomas Braumann die Diskussion um die Standortvergabe ins Gegenteil.

Bambergs Credo: "Nine strong"

In der Crunch Time aber machte das unerschütterliche Selbstvertrauen des Titelverteidigers den Unterschied zu seinen Gunsten.

"Hier glaubt jeder an den anderen. Wer gerade gut drauf ist, kriegt den Ball, jeder kann das Spiel entscheiden", sagte Casey Jacobsen zu SPORT1.

[kaltura id="0_azjmox4i" class="full_size" title="Teil eins der Titelverteidigung"]

War Pat Rileys NBA-Meistercredo bei den Miami Heat 2006 "15 strong", so ist es bei Bamberg der Glaube der Neuner-Rotation an sich selbst und jeden Mitspieler. Mit nur zehn Punkten waren Anton Gavel und Pedrag Suput bereits die erfolgreichsten Werfer des Cupsiegers.

Argumente für viele Leistungsträger

"Ja, definitiv", sei die Geschlossenheit ein großes Plus seines Teams, so Fleming, der das Top-Four-Video den Sponsoren als Argument vorlegen kann, dass sie auch 2011/12 Geld für mehr als fünf Leistungsträger bereitstellen sollten.

Denn während Artland am Vortag in den Schlussminuten den foulbedingt hinausgestellten Tyrese Rice schmerzlich vermisste, fehlte Braunschweig am Ende des Finals Kyle Visser, der unüberlegt sein fünftes Foul beging, merklich.

Nun geht Bamberg mit dem Bewusstsein, gegen zwei in Flemings Augen "sehr starke Gegner" dem Druck standgehalten zu haben, in die Playoffs und auf die Jagd nach dem ersten "Double-Double", seit ALBA Berlin 2003 Meisterschaft und Pokalsieg erfolgreich verteidigte.

Kein Babysitter für Fleming jr.?

Doch erst mal steht in "Freak City" die große Sause an: "Die Jungs sollen feiern und nicht an morgen denken, so oft holt man schließlich keine Titel", verteilt Fleming Persilscheine.

Er selbst - auch beim Pokalsieg der Dragons 2008 nicht als "Feierbiest" aufgefallen - fehlt dabei womöglich wegen eines Personalproblems:

"Ich glaube, ich muss zu Hause bleiben und zusehen, dass mein kleiner Sohn ins Bett kommt. Ich weiß nicht, ob wir noch einen Babysitter gefunden haben." Zumindest beim Coach war der Glaube an den Titel nicht so groß, dies vorab sicherzustellen.

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