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Casey Jacobsen (l.) wechselte 2009 von ALBA Berlin nach Bamberg © getty

Casey Jacobsen spricht bei SPORT1 über das Selbstverständnis und die Go-to-Guys seines Teams sowie den Druck des Favoriten.

Aus Bamberg berichtet Michael Spandern

Bamberg - Er ist die Verbindung der zwei großen Bamberger Zeitalter: Casey Jacobsen führte die Brose Baskets 2007 unter Dirk Bauermann zur Deutschen Meisterschaft.

Nach seiner Rückkehr tat er es 2010 erneut - diesmal unter Coach Chris Fleming, aber wieder als Finals-MVP.

Dazwischen lagen ein ordentlicher dritter Anlauf in der NBA und eine durchwachsenen Saison bei ALBA Berlin.

Nun heimste der Small Forward, der 287 NBA-Partien und davon 14 als Starter in seiner Vita hat, auch seinen zweiten Pokalsieg mit den Franken ein - als ein Rädchen im Kollektiv, das für den Finalsieg gegen die New Yorker Phantoms Braunschweig keinen Spieler mit mehr als zehn Punkten brauchte.

Im SPORT1-Interview spricht der 30-jährige Jacobsen über das Bamberger Selbstverständnis, die Go-to-Guys sowie den Druck des Favoriten.

SPORT1: Herr Jacobsen, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem vierten Titel mit Bamberg. Was macht diesen Titel besonders?

Casey Jacobsen: Er ist aus zwei Gründen besonders: Erstens haben wir ihn vor den Augen unser Fans errungen und sie können den Titel mit uns genießen. Und zweitens ist es viel schwerer, einen Titel zu verteidigen als ihn zum ersten Mal zu gewinnen. Wir mussten dafür sehr, sehr hart arbeiten. Das ist ein toller Lohn. (DATENCENTER: BBL Pokal)

SPORT1: Hätten Sie gedacht, dass es so schwer wird gegen die Phantoms, gegen die Ihr Team in der Saison zweimal gewonnen hat?

Jacobsen: Wir haben durchaus mit einem schweren Spiel gerechnet. Gleichzeitig erwarten wir aber auch, jedes Spiel zu gewinnen. Das heißt nicht, dass wir nicht glauben, Braunschweig könnte uns nicht schlagen. Vielmehr haben wir das Selbstvertrauen zu sagen: Wenn wir gut spielen, gewinnen wir auch.

SPORT1: Aber gut gespielt haben die Brose Baskets nicht unbedingt...

Jacobsen: Nein, über weite Strecken nicht. Es gab einen Moment, da habe ich gedacht, es ist nicht unser Abend. Aber dann haben wir es doch noch geschafft.

SPORT1: Warum kam Ihr Team nicht wie gewohnt ins Rollen?

[kaltura id="0_azjmox4i" class="full_size" title="Teil eins der Titelverteidigung"]

Jacobsen: Spielt keine Rolle, weil wir gewonnen haben... Vielleicht haben wir unser Passspiel nicht so wie gewohnt aufgezogen. Braunschweig hat uns davon abgehalten, das zu tun, was wir vorhatten. Aber als es drauf ankam, haben wir in der Abwehr Herz gezeigt und vorne einige Spielzüge durchgekriegt.

SPORT1: Viele haben vor dem Turnier gesagt, Bamberg habe in der eigenen Halle einen großen Vorteil. Wog nicht der Druck, daheim der große Favorit zu sein, genauso schwer?

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Jacobsen: Nein, zu Hause zu spielen war absolut ein Vorteil. Druck haben wir in jedem Spiel. Ob wir in Frankfurt, Artland oder in Braunschweig gespielt hätten: Favorit wären wir ohnehin gewesen, sogar, wenn wir auf dem Mond gespielt hätten. Vielleicht war der Druck etwas größer, weil wir unsere Fans nicht enttäuschen wollten, aber das hatten wir im Griff. Wir wachsen an unseren Aufgaben.

SPORT1: Was hat in der Crunch Time den Unterschied für die Brose Baskets gemacht?

Jacosbsen: Offensiv sind wir ruhig geblieben und haben unsere Freiwürfe verwandelt, was wir gegen Artland versäumt hatten. Defensiv haben wir die Braunschweiger endlich davon abgehalten, Offensivrebounds zu holen, was einer der Schlüssel war, im Spiel zu bleiben. Das war wichtig.

SPORT1: In den beiden Spielen war kaum auszumachen, ob es in Ihrem Team einen Go-to-Guy gibt. Wer soll den planmäßig am Ende des Spiels die Verantwortung übernehmen?

Jacobsen: Dafür haben wir keine festen Regeln. Üblicherweise geben wir den Ball zu demjenigen, der an diesem Abend gut drauf ist. Wenn keiner wirklich heiß ist, setzen wir auf Brian Roberts, der uns in der Crunch Time oft weitergeholfen hat, oder blocken Peja Suput frei. Aber wirklich jeder kann bei uns den letzten Wurf nehmen.

SPORT1: Setzt Bambergs Pokalsieg auch schon ein Zeichen in Richtung Playoffs?

Jacobsen: Nein, ich glaube nicht, dass der eine Wettbewerb mit dem anderen etwas zu tun hat. Die Playoffs werden eine extreme Herausforderung. Auch das wird schwerer als im Vorjahr, weil alle Teams uns unbedingt schlagen wollen. Sie sind richtig heiß. Aber diese Herausforderung nehmen wir an, wir sind tough.

SPORT1: Was wird Ihnen von diesem Abend in Erinnerug bleiben?

Jacobsen: Genießen und Spaß haben. Die Feier mit meiner Familie und meinen Teamkollegen. An diesen Abend werde ich mich immer erinnern, wenn ich mal auf meine Karriere zurückschaue. Ich werde mich an die Titel erinnern, an die Parties danach und daran, welch eng verschworener Haufen wir sind.

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