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Chris Fleming trainierte von 2000 bis 2008 die Artland Dragons © getty

Im Pokal-Viertelfinale sieht sich Bamberg des Heimvorteils beraubt und denkt, Artland sei die "Frankenhölle" zu heiß.

Von Johanna Herdejost

München - Es herrscht dicke Luft vor dem Asylspiel der Brose Baskets Bamberg in Bayreuth.

Dass der Pokal-Verteidiger das Viertelfinale gegen die Artland Dragons (ab 19.30 Uhr) nicht in der schier uneinnehmbaren Stechert-Arena, sondern rund 65 Kilometer entfernt in Bayreuth austragen muss, treibt die Bamberger auf die Palme.

Der Ärger gilt aber nicht den Tennisprofis des deutschen Davis-Cup-Teams, die sich dort bereits auf ihre Duelle gegen Argentinien vorbereitet haben und durch ihre Ortswahl die "Frankenhölle" blockieren. (DATENCENTER: Der Beko BBL Pokal)

Vielmehr zürnt das Überteam der Beko BBL dem Underdog aus dem kleinen Quakenbrück, der eine Verschiebung der Partie ablehnte, obwohl die Liga bereits ihren Segen gegeben hatte.

Revanche für 2011

"Natürlich stimmte Artland nicht zu. Sie haben siebenmal in Folge hier in der Stechert Arena verloren", stichelte Headcoach Chris Fleming in Richtung seines langjährigen Arbeitgebers.

Der Trainer, sonst kein Freund der lauten Töne, hat weder die Statistik vergessen noch das Halbfinale 2011, das sein Team trotz Heimvorteils nur ganz mühsam und dank 21 Brian-Roberts-Punkten nach Verlängerung gewann.

Damals waren die Dragons nicht gerade begeistert, dass ausgerechnet das dominierende Team der Liga den Zuschlag für das Beko BBL Top Four bekommen hatte.

Zweifel am Sportsgeist der "Drachen"

Nun zieht Bambergs Geschäftsführer Wolfgang Heyder sogar den Sportsgeist der "Drachen" in Zweifel: "Faktisch gilt: Eine andere Terminentscheidung unter Sportsmännern ist möglich gewesen", schrieb er in einem Blog.

Und er meint: "Das Beharren unserer sportlich hoch geschätzten Gegner aus Norddeutschland auf dem Spieltermin hat die Brose Baskets einer hochklassigen Sportveranstaltung beraubt."

[kaltura id="0_zqyy1bls" class="full_size" title="Dragons bezwingen Oldenburg"]

Alles Lamentieren nützt den Bambergern jedoch nichts, am Ende führt nur ein Sieg sie ins Top-Four-Turnier, das am 24./25. März in Bonn ausgetragen wird.

"Dann muss man Bamberg schlagen"

Und auch gegen hochklassigen Sport spricht eigentlich wenig. Sowohl die Bamberger, die in diesem Jahr das Pokal-Triple schaffen wollen, als auch die Mannen von Cheftrainer Stefan Koch spielen eine starke Saison.

Das Spiel der Artland Dragons profitiert vom flinken David Holston, der als kleinster Spieler der Liga aktuell die Scorerliste anführt.

Knapp 89 Punkte pro Spiel erzielt das offensivstärkste Team der Beko BBL - das allerdings auf die defensivstärkste Mannschaft der Liga trifft, die pro Partie nur knapp 69 Zähler zulässt.

"Bamberg ist zweifacher Meister und zweifacher Pokalsieger - es hätte sicherlich leichtere Lose gegeben", gab Tyron McCoy, Co-Trainer der Dragons, zu. Doch der US-Amerikaner weiß: "Wenn man diese Saison etwas erreichen will, muss man letztendlich Bamberg schlagen."

Watts noch nicht fit

Weniger mit dem Gegner als mit sich selbst beschäftigt sich der Tabellenzweite ratiopharm Ulm. Denn im Viertelfinale gegen die EWE Baskets Oldenburg (20 Uhr) muss das Überraschungsteam ohne seinen besten Power Forward auskommen.

Dane Watts laboriert nach einem Trainingsunfall vor sechs Tagen an einer Sprunggelenksverletzung, Teamarzt Dr. Christoph Buck sprach sich gegen einen Einsatz des Amerikaners aus.

Grund genug für Ulms Coach Thorsten Leibenath, den Niedersachsen die Favoritenbürde zuzuschieben. Er verspricht aber: "Wir werden 40 Minuten kämpfen, als ob es kein Morgen gäbe."

"Donnervögel" am Boden

Spielmacher Per Günther glaubt an den Traum vom Finalturnier: "Wir sollten versuchen, im Pokal eine Überraschung zu schaffen", sagte er SPORT1.

Die "Donnervögel" aus Oldenburg sind momentan ebenso flügellahm wie ihre mythischen Namensgeber.

Der Ex-Meister aus Oldenburg, der im Dezember in Ulm 83:101 unterging, konnte 2012 nur zwei seiner fünf Partien gewinnen und steht aktuell nur auf dem achten Tabellenrang - weit hinter den eigenen Ansprüchen. (DATENCENTER: Die Beko BBL)

Vor allem die klare Schlappe im Niedersachsen-Derby bei den Dragons am Samstag dürfte das Team von Predrag Krunic als Ballast mitbringen.

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