Titel trotz Buhrufen: Bamberg zahlt den Preis
Aus Bonn berichtet Michael Spandern
Bonn - Etwas unbeholfen stand Chris Fleming da mit dem übergroßen Weißbierglas, reckte den Bamberger Fans den erhobenen Daumen entgegen und reichte das Gefäß dann ohne getrunken zu haben an seine Spieler weiter.
Doch dem Trainer, seit fast drei Jahren im Süden heimisch, mangelte es weder an Begeisterung für Weißbier noch für den dritten Pokalsieg, den die Brose Baskets soeben unter seiner Ägide eingefahren hatte.
"Ich war einfach nur leer nach diesem Wochenende", sagte Fleming zu SPORT1, obwohl sein Team beim 82:73-Finalsieg gegen die gastgebenden Telekom Baskets Bonn ( Bericht) recht souverän Geschichte geschrieben und den ersten Pokal-Hattrick im deutschen Basketball perfekt gemacht hatte.
"Diese Qualität können wir uns nicht leisten"
Nach dem entschlossenen 14:6-Start kamen die Bonner vor der Halbzeit zwar einmal auf vier, danach aber nicht mehr näher als auf fünf Punkte heran.
Wenn die Magentafarbenen ihre Aufholversuche nicht selbst mit fahrlässigen Fehlern stoppten, stellte Bamberg "clever und abgebrüht" die Verhältnisse klar, wie es Bonns Coach Michael Koch beschrieb.
Klar seien diese Attribute die eines Champions, die sein Team nicht hat, gab er von SPORT1 gefragt zu. Das aber liege an den Unterschieden im Etat: "Diese Qualität können wir uns nicht leisten."
Dass Qualität kostet, brachte die Griechen einst dazu, Koch in dessen Zeit als Spieler in Athen den Spitznamen "Mercedes" zu verleihen.
Erfahren, selbstlos, titelhungrig
Die Bamberger zahlen den Preis, wie vor Saisonbeginn für Center Marcus Slaughter. Der zahlte zurück mit 17 Punkten und neun Rebounds, bei denen der Titelverteidiger mit insgesamt 45:33 klar die Hoheit hatte.
"Wir sind ein sehr talentiertes, erfahrenes Team und spielen mit einer Menge Herz. Und vor allem ist jeder von uns selbstlos", erläuterte Slaughter bei SPORT1. "Wir tun, was für den Sieg nötig ist."
Nach drei Pokaltriumphen, drei Siegen im Champions Cup und zwei Meistertiteln nacheinander zahlt die Fleming-Truppe aber auch den Preis sinkender Sympathien, stellte er fest.
Blick geht gen Meisterschaft
"Jeder wollte uns verlieren sehen, hat gebuht und gepfiffen. Wenn du Erfolg hast und ständig gewinnst, will jeder dich scheitern sehen", erklärte Slaughter die Anti-Bamberg-Stimmung in beiden Partien.
Und er fuhr fort: "Wir wollten beweisen, dass wir nicht zum Scheitern hierher gereist sind, sondern um zu gewinnen."
Nach dem ersten Titel seiner Profi-Karriere lenkt der 31-Jährige den Blick gleich nach vorn: "Jetzt gehen wir den nächsten an und versuchen, durch die Playoffs zu marschieren." Zumal der Pokal im Vergleich zur Meisterschaft "nicht der wichtigste" Titel ist, wie sein Trainer betonte.
Silber für Koch keine Schande
"Das Hauptgericht kommt noch", sagte auch Koch, dessen Team allerdings mit dem Erreichen der Playoffs ein weitaus niedrigeres Ziel hat.
Immerhin: Dafür hat der Hauptsponsor eine Erhöhung des Etats für 2012/13 ausgelobt, was die Lücke zu den Bambergern verkleinern könnte.
Bei der Siegerehrung schweiften Kochs Blicke allerdings nicht neidisch zu den Titelhamstern, sondern anerkennend über seine Akteure.
Er selbst hatte sich schnell damit abgefunden, dass der ewige Zweite Bonn weiter ohne Titel dasteht: "Ich habe schon vier von den Silbermedaillen, dafür soll man sich nicht schämen. Lieber viermal Zweiter als nicht im Endspiel gewesen."