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Tibor Pleiß wechselte 2009 von den Köln 99ers zu den Brose Baskets Bamberg © imago

Bei SPORT1 spricht der Noch-Bamberger Tibor Pleiß über Wünsche der Thunder, seine Big Points und die Anti-Stimmung im Pokal.

Aus Bonn berichtet Michael Spandern

Bonn - Es ist Zeit zu gehen.

Ganz so deutlich sagt es Bambergs Trainer Chris Fleming seinem Ausnahmetalent unter den Körben nicht, schließlich würde er Tibor Pleiß zu gerne behalten.

"Aber er ist soweit, dass er es endlich macht. Er träumt auch von der NBA und muss es im Sommer zumindest versuchen", sagte Fleming beim TOP FOUR in Bonn, wo Pleiß mitverantwortlich war für den dritten Pokalsieg der Brose Baskets nacheinander (NACHBERICHT: Titel trotz Buhrufen: Bamberg zahlt den Preis).

"Er ist 22 und hat es auch verdient, das große Geld zu verdienen. Ich würde ihm das gönnen", fügte der Erfolgscoach an.

Sein Interesse an der NBA steigt

Doch da ist dieser Wohlfühlfaktor in "Freak City". Nationalcenter Pleiß, im Juni 2010 von den Oklahoma City Thunder am Drafttag verpflichtet, zaudert noch mit dem Sprung über den großen Teich.

"Ich versuche mich auf die Gegenwart zu konzentrieren", sagt der 22-Jährige im SPORT1-Interview - und muss es kurz unterbrechen. Die Fans skandieren seinen Vornamen, der 2,15-Meter-Schlacks bedankt sich lächelnd.

Dann erläutert er, welche Erwartungen Oklahoma City an ihn hat, dass sein Interesse an der NBA gestiegen sei und es eine Mindestvoraussetzung gibt, damit er ein Jahr in Bamberg dranhängt.

SPORT1: Egal ob Champions Cup, Meisterschaft oder Pokal - seit 2010 gegen alle Titel in Deutschland an die Brose Baskets. Langweilt das nicht irgendwann mal?

Tibor Pleiß: Ganz und gar nicht. Wir haben schließlich jeden Tag auf diese zwei Spiele hintrainiert. Wir haben es wieder mal geschafft, haben uns in dieser Saison wieder als Team gefunden und die erste Trophäe nach Hause geholt.

SPORT1: Was ist denn anders als in den bei den beiden Pokalsiegen zuvor?

Pleiß: Nicht viel. Wir haben den gleichen Trainerstab, viele der Spieler aus den letzten beiden Jahren. Dazu haben wir drei Verstärkungen, die sich gut eingefügt haben. Wir haben wieder mal Dominanz gezeigt und uns schnell einen Vorsprung erspielt.

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SPORT1: Im Finale gegen die Telekom Baskets Bonn ja. Aber das Halbfinale gegen ratiopharm Ulm stand auf des Messers Schneide, bis sie am Ende der Verlängerung zwei Körbe gemacht haben. Was hat Ihr Coach Ihnen gesagt, da Sie zuvor ja eher durchwachsen gespielt hatten?

Pleiß: Ich bin sehr glücklich, wie das gelaufen ist. Das war ähnlich wie die Meisterschaft 2010. Da habe ich auch die entscheidenden Punkte gemacht. Er hat mir gesagt: 'Du hast uns ins Finale gebracht. Ich bin sehr stolz auf Dich.'

SPORT1: Chris Fleming sagt auch, dass Sie von der NBA träumen. Kurz nach dem Draft vor nicht mal zwei Jahren sagten Sie, die NBA interessiere Sie nicht besonders und die Namen der meisten Spieler würden Ihnen nichts sagen...

Pleiß: Das hat sich geändert. Das ist natürlich nicht einfach, wenn die Spiele morgens um 4 oder 5 Uhr laufen. Aber ich habe sehr engen Kontakt zu den Oklahoma City Thunder, die mir die meisten ihrer Spiele als DVD schicken, damit ich sie mir zuhause anschauen und ein Gefühl dafür bekommen kann. Da meine Gedanken schon nach Oklahoma gehen, interessiere ich mich sehr dafür, was da abläuft.

SPORT1: Zu welchen Spielern halten Sie über Handy oder Social Media Kontakt?

Pleiß: Zu den Spielern habe ich noch gar keinen Kontakt. Vor zwei Jahren habe ich bei der WM Durant und Westbrook mal Hallo sagen können, aber das war es auch schon.

[kaltura id="0_q4szc2ru" class="full_size" title="Bamberg feiert den Titel Hatrick"]

SPORT1: Wann treffen Sie die Entscheidung, ob Sie in diesem Sommer in die NBA gehen?

Pleiß: Jetzt noch nicht. Ich glaube eher nach der Saison. Ich versuche mich auf die Gegenwart zu konzentrieren, die Meisterschaft und die Playoffs.

SPORT1: Aber angeblich sind ständig Abgesandte der Thunder in Bamberg, um sich um Sie zu kümmern. Wer außer General Manager Sam Presti taucht da auf?

Pleiß: Scouts, Physiotherapeuten, Athletiktrainer - da waren letztens fünf Leute hier und haben mich beobachtet. Dass die so viel Interesse an mir haben, gibt mir natürlich ein gutes Gefühl.

SPORT1: Mischen die sich auch in Ihr Individualtraining ein?

Pleiß: Sie sagen den Coaches schon, was sie gerne sehen möchten. Und das habe ich bisher auch gut umgesetzt.

SPORT1: Was genau ist das?

Pleiß: Gute Pässe, zum Rebound gehen und gute Defense spielen. Und auch mal von draußen werfen.

SPORT1: Allerdings stagniert Ihre Spielzeit. Egal ob Ihr Centerkollege Elton Brown, Kyle Hines oder aktuell Marcus Slaughter heißt: die klare Nummer 1 unter dem Korb sind Sie nicht. Müsste das nicht Ihr Ziel sein?

Pleiß: Am Ende ist wichtig, dass wir gewinnen. Unser Coach versucht, jeweils den passenden Mann zu finden. Aber natürlich möchte ich auf dem Feld stehen, weil ich mich da einfach wohl fühle. Da bin ich zu Hause, das ist, als wenn ich in einer anderen Welt wäre.

SPORT1: Noch ist Bamberg Ihre Welt. Könnten Sie Freak City überhaupt verlassen, wenn Ihr die Meisterschaft nicht holt?

Pleiß: Wenn ich doch bleibe, wäre es wichtig, in der höchsten Klasse, also in der Euroleague, zu spielen. Aber darüber mache ich mir keine Gedanken.

SPORT1: Im Pokal herrschte eine unüberhörbare Anti-Bamberg-Stimmung. Hat Sie das irritiert?

Pleiß: Ich finde so eine Stimmung ganz gut. Das macht Basketball doch aus. Wenn ich weiß, dass die Fans gegen uns sind, pusht uns das und ich versuche noch mehr zu geben und noch etwas stinkiger zu werden. Das ist doch viel besser, als wenn es leise ist.

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