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John Bryant (2. v. l.) trägt seit 2010 das Trikot von ratiopharm Ulm © imago

John Bryant könnte den Vizemeister zum Saisonende verlassen. Bryants Herz spricht wohl für Ulm, seine Statistiken aber dagegen.

Von Felix Götz

München/Ulm - Per Günther würde einiges tun, um auch in der kommenden Saison gemeinsam mit John Bryant bei ratiopharm Ulm zu spielen.

Der Spielmacher kündigte vor dem TOP FOUR um den Pokal der Beko BBL (ab Sa., 17 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und LIVESTREAM) mit einem Augenzwinkern an, in eine Gameshow gehen zu wollen, und im Falle des Hauptgewinns 250.000 Euro an seinen Klub abzutreten, um den 2,11-Meter-Koloss zu bezahlen (DATENCENTER: Beko BBL).

"Das ist verrückt. Aber ich hoffe, er gewinnt, weil ich gerne in Ulm bleiben würde", sagte Bryant dazu der "Südwest Presse".

Verträge laufen im Sommer aus

Dabei ist noch nicht einmal klar, ob Günther selbst in der kommenden Saison noch im Trikot des Pokalsiegers von 1996 -der in Berlin nach dem zweiten Titel der Klubgeschichte greift - auflaufen wird.

Bei beiden Spielern läuft der Vertrag im Sommer aus. Beide haben vor allem durch ihre tollen Auftritte im Eurocup das Interesse anderer Vereine geweckt. Und beide haben Blut geleckt. (BERICHT: Ulms Euro-Märchen endet in Bilbao)

"Klar, wenn man einmal um die Meisterschaft und international gespielt hat, dann will man in der Liga nicht mehr um Platz zehn kämpfen", meinte Günther.

Und auch Manager Thomas Stoll weiß um die Schwierigkeit, seine Leistungsträger an der Donau zu halten: "Ein Per Günther oder ein John Bryant müssen sich keine Gedanken machen, ob sie international spielen. Die brauchen Ulm dazu nicht."

Topwerte im Eurocup

Wobei die Chancen nur bei Bryant richtig schlecht stehen. Der BBL-MVP der vergangenen Saison ist heiß begehrt.

In 13 Eurocup-Partien machte der US-Center durchschnittlich 16 Punkte.

Zudem schnappte sich der 25-Jährige neun Rebounds pro Partie, was Eurocup-Bestwert bedeutet, und wurde zweimal als Spieltags-MVP ausgezeichnet.

"Ein unglaublicher Spieler"

"Bryant ist ein unglaublicher Spieler", zeigte sich Trainer Fotios Katsikaris von "Big John" begeistert, nachdem er mit Bilbao die Ulmer im Viertelfinale ausgeschaltet hatte:

"Ich bin mir sicher, dass wir ihn bald bei einem Topklub sehen werden. Ulm sollte die Zeit mit ihm genießen."

Bryant selbst, der laut Stoll nun zehn Mal so viel wert ist wie zum Zeitpunkt seiner Verpflichtung durch die Ulmer, würde "sehr gerne bleiben".

"Erst einmal den Pokal gewinnen"

Allerdings weiß der Kalifornier genau, dass er woanders viel mehr Geld verdienen könnte.

"Ich weiß, dass ich im Eurocup gute Leistungen gebracht habe und dass das gut für mich ist", meinte Bryant, der zu College-Zeiten aufgrund massiver Gewichtsprobleme den wenig schmeichelhaften Spitznamen "Big Country" verpasst bekam:

"Aber jetzt will ich erst einmal den Pokal gewinnen und in den Playoffs für Furore sorgen. Die nächste Saison ist die nächste Saison. Dazu kommen wir, wenn die Runde vorbei ist."

Im letzten Jahr gab es im Halbfinale ein bitteres Overtime-Aus gegen den späteren Pokalsieger Brose Baskets Bamberg. "Darüber haben wir diese Woche häufig gesprochen und ich denke, dass wir dadurch alle besonders motiviert sind", sagte der Center.

Eurocup-Erfolg bringt kein Geld

Will Bryant weg, dann haben die Schwaben keine Chance. Gehälter wie bei europäischen Topklubs sind in Ulm, wo pro Saison rund 4,5 Millionen Euro zur Verfügung stehen, nicht drin.

Auch das weite Vordringen auf europäischer Ebene spülte kein Geld in die Kasse der Schwaben.

"Wir schreiben eine schwarze Null", erklärte Stoll die Eurocup-Bilanz: "Eigentlich ist das traurig. Im Fußball könntest du nach so einer Saison Bryant locker bezahlen. Im Basketball bekommst du nicht einmal Geld fürs Finale."

Gute Chancen bei Günther

Wesentlich bessere Chancen hat der Vizemeister bei Günther.

"Ich glaube, dass Ulm das hinbekommt", sagte der deutsche Nationalspieler auf die Bedingungen angesprochen, die zu seinem Verbleib führen würden.

Der 25-Jährige würde eine schnelle Einigung begrüßen.

Dann könnte er sich nicht nur voll auf die Playoffs konzentrieren, sondern womöglich auch noch die fehlende "Kohle" für Bryant einspielen.

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