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Dirk Bauermann (r.) wurde im September 2012 als FCB-Coach entlassen © imago

Der entlassene Coach sorgt mit einem Lügen-Vorwurf gegen Hoeneß für Unruhe. Dabei hat Pesic vor den TOP FOUR genug Probleme.

Von Eric Böhm

München - Die Pokal-Mission steht unter keinem guten Stern: Die Auswärtsmisere und personeller Notstand haben den FC Bayern aus dem Tritt gebracht - jetzt sorgen auch noch Lügenvorwürfe von Dirk Bauermann für Unruhe (News).

"Eine komplette Lüge" sei es, dass es in der Mannschaft Disziplinlosigkeiten gegeben habe, sagte der frühere DBB-Trainer bei seiner Vorstellung als neuer Trainer des litauischen Klubs Lietuvos Rytas Vilnius.

Genau dies hatten Präsident Uli Hoeneß und die Klubführung nach Bauermanns Aus behauptet.

Bauermann sieht sich als Bauernopfer

"Im Team hat es Probleme persönlicher Art gegeben", sagte Bauermann und sieht sich in der Beziehung als Bauernopfer eines Machtkampfs zwischen Hoeneß und Sportdirektor Marko Pesic.

"Sie haben eine Lösung getroffen und mich entlassen", so der Ex-Coach.

Für Bauermanns Nachfolger Svetislav Pesic macht der Trubel die Vorbereitung auf das Cup-Halbfinale in Berlin gegen Gastgeber ALBA nicht einfacher.

Erster Titel nach 45 Jahren?

Dabei sollte nach dem Viertelfinal-Coup in Bamberg beim TOP FOUR (ab Sa., 17 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und LIVESTREAM) doch der erste Titel seit 45 Jahren nach München geholt werden.

"Eigentlich kommt der Pokal zu einem schlechten Zeitpunkt. Wir wissen noch nicht, wer spielen kann. Wir können auch nicht trainieren, wie wir wollen", bestätigt Pesic.

Big Men mit Blessuren

Seine drei besten Big Men plagen sich mit Blessuren herum. Jared Homan hat sich zwar am maladen Sprunggelenk nicht den befürchteten Bänderriss zugezogen, sein Einsatz bleibt aber fraglich.

Power Forward Chevon Troutman zwickt ein Halswirbel und Lawrence Roberts wurde wegen einer mehrfachen Jochbogenfraktur aus dem Trier-Spiel (Bericht) operiert. (DATENCENTER: Beko BBL)

"Das ist die schlimmste Situation für einen Trainer. Du weißt nicht, mit wem du planen kannst. Wir müssen abwarten", erklärt der Coach.

Roberts will spielen

Auch um ALBA keinen Vorteil zu verschaffen, pokert der zweimalige Pokalgewinner - mit den Berlinern. Hoffnung gibt es bei allen drei Kandidaten. Vor allem der vielseitige Roberts ist heiß.

"Er hat eine Maske bekommen, ist guter Dinge und will unbedingt spielen. Die Frage ist, ob der Trainer ihn aufstellen will", sagt Pesic mit einem Augenzwinkern.

Topfit wird das Trio aber ohnehin nicht. Neben dem deutschen Nationalmannschaftskapitän Jan-Hendrik Jagla wird es also möglicherweise auf eine Geheimwaffe hinauslaufen.

Alternative Nadjfeji

Der routinierte Ex-Albatross Aleksandar Nadjfeji könnte gegen die starken Berliner um Power Forward Deon Thompson unter den Körben gefragt sein.

"Er kann uns mit seiner großen Erfahrung helfen. Wenn er gebraucht wird, ist er auch zur Stelle", lobt ehemalige Bundestrainer den mittlerweile 36-jährigen Landsmann.

Auch eine kleinere Variante mit Robin Benzing auf der großen Flügelposition wäre denkbar. Auch wenn Pesic dies gewohnt trocken abschmettert: "Wir spielen schließlich nicht Fußball! Wir brauchen große Spieler."

Die physischen Probleme sind aber nur ein Teil des Problems. Nach drei Auswärtspleiten in Folge bei ausnahmslos schwächer besetzten Kontrahenten, fehlt das Selbstvertrauen.

Pesic spricht über Erfolgserlebnisse

Vor dem schweren Gang zum Auswärtsspiel in die Hauptstadt greift der serbische Erfolgscoach deshalb in die psychologische Trickkiste.

"Wir sprechen nicht über die Niederlagen, sondern über unsere Erfolgserlebnisse. In Bamberg haben wir gezeigt, dass wir es können. Diese positive Erfahrung betonen wir", sagt Pesic.

Zwar sehen sich die Bayern angesichts der Ausgangslage nicht als Favorit, als Tourist fährt der Krösus der Beko BBL aber nicht nach Berlin. Im ersten Halbfinale duellieren sich ratiopharm Ulm und die Artland Dragons.

"Klar ist: Wir wollen nicht nur ein schönes Wochenende in Berlin verbringen, wir wollen das Beste aus der Möglichkeit machen. ALBA weiß, wir sind kein leichter Gegner", betont Pesic.

Wiedergutmachung geplant

Etwas gutzumachen hat das Team in seinem zweiten Wohnzimmer.

Im ersten Spiel nach dem Amtsantritt des 63-Jährigen setzte es eine klare Niederlage.

Damals hatte sein langjähriger Spieler Sasa Obradovic gegen den Lehrmeister die Nase vorn. Das taktische Duell zwischen den beiden Serben geht Pesic entspannt an.

"Kenne seine Philosophie"

"Den Trainer Obradovic kenne ich nicht so gut, aber den Spieler. Ich kenne seine Philosophie, die zieht er konsequent durch. Da erwarte ich keine Überraschungen", erklärt Pesic.

Ob Vereinspräsident Uli Hoeneß zu dem "Basketball-Fest" (Pesic) kommt, ist noch nicht klar.

Womöglich sind ihm Bauermanns Querschüsse aus Litauen Motivationshilfe, nach Berlin zu reisen.

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