Der Pokalsieg ist Berlins erster Titel in der neuen Halle, über die Hoeneß die Nase rümpft. Baldi stichelt bei SPORT1 zurück.

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Aus Berlin berichtet Michael Spandern

Berlin - Die Erleichterung bei ALBA über den ersten Titel seit 2009 war so groß, dass für Genugtuung wenig Platz war.

Aber madig lassen wollte sich der einstige Serienmeister seinen siebten Pokalsieg dann auch nicht.

Bayern-Trainer Svetislav Pesic hatte bereits vor dem Endspiel der Berliner gegen Ulm gesagt, man brauche ja nur das TOP FOUR zu sich zu holen, um den Pott auch zu gewinnen.

Da klang dann wohl auch der Ärger durch über die Halbfinal-Pleite, den er am Samstag noch weggelächelt hatte (Bericht) .

"Viele haben gesagt, wir müssen uns den Titel bloß abholen", sagte ALBA-Manager Baldi zu SPORT1. "Dass wir dem Druck standgehalten haben, zeugt vom Charakter dieser Mannschaft."

Einen Konter gegen den FCB, der vor dem Turnier einen Big Man verletzungsbedingt verloren und den Einsatz von zwei weiteren als fraglich eingestuft hatte, setzte er bei SPORT1 aber doch.

"Bayern hatte auf dem Papier so viele Verletzte, dass man sich fragen musste, wer überhaupt noch aufläuft", ätzte Baldi. "Am Ende hat nur einer gefehlt."

Der Fluch ist gebrochen

Seine Freude schmälerte auch nicht, dass lediglich zwei Siege für den Gastgeber nötig waren, um diese Trophäe einzusacken.

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"Normalerweise ist die Meisterschaft wichtiger", meinte der Manager. "Aber wir hatten in der O2-World, in der wir seit 2008/09 spielen, noch keinen Titel gewonnen. Wir haben nie darüber gesprochen. Aber jetzt können wir sagen: Der Fluch ist gebrochen. Das bedeutet uns wahnsinnig viel."

Sportdirektor Mithat Demirel sagte SPORT1, es sei "ein sehr guten Gefühl, dass wir die Halle eingeweiht haben".

Hoeneß lästert: Lieblos, geschmacklos, billig

Doch auch das 14.500 Zuschauer fassende Prunkstück am Ostbahnhof machten die Bayern nieder.

Präsident Uli Hoeneß lästerte gegenüber dem "Tagesspiegel": "Es ist alles sehr einfach hier, ich finde ziemlich billig. Allein die Logen sind eine Katastrophe, sehr lieblos, sehr geschmacklos, das ist nichts."

Dazu ärgerte sich Hoeneß auch über ALBAs Aufsichtsratsvorsitzendem Axel Schweitzer, der die Bayern mit "russischen Oligarchen" verglichen hatte: "Was mich an dem Mann wundert, ist, dass er jetzt schon zum zweiten Mal über mich gesprochen hat, ohne mit mir gesprochen zu haben. Das ist kein guter Stil."

Obendrein sei auch die Atmosphäre in der Berliner Halle nicht gerade mitreißend, befand der Logengast.

Obradovic hofft auf neue ALBA-Ära

Den Orkan, der nach der Schlusssirene des Endspiels vom Oval gen Spielfeld ging, hatte er da noch nicht gehört.

Es soll nicht der letzte gewesen sein: "Hoffentlich ist dies der Beginn einer neuen Ära", sagte Trainer Sasa Obradovic. Und Demirel schloss sich an: "Wir haben lange keinen Titel mehr gewonnen, und dieser soll hier nur der erste sein."

Sommer für Sommer hatte ALBA zuletzt den Kader gründlich ausgemistet, auch der Trainerstuhl war einer der heißesten in der Beko BBL.

Mit Obradovic, der den Pokalsieg emotional mit der Geburt seiner Kinder gleichsetzte, scheint nun der erfolgsbesessene Basketballpurist gefunden, der alle auf Linie bringt.

Zu wenig Geld für Kontinuität

Ob die ersehnte Kontinuität aber auch im Kader einkehrt, wollte Baldi nicht versprechen: "Ein Team zusammenzuhalten, muss man sich auch erlauben können. Es wäre nicht das erste Mal, das wir es versuchen. Es geht auch darum, Ansprüche erfüllen zu können, und die wachsen nun mal mit den Erfolgen."

Darüber dürfte der weniger betuchte Finalist Ulm viel lauter klagen. Erstmals ins Eurocup-Viertelfinale und erstmals seit 1996 ins Beko-BBL-Pokalfinale eingezogen, müssen die Schwaben ihren MVP John Bryant wohl nach der Saison ziehen lassen. (DATENCENTER: Beko BBL)

Ulms Deutsche enttäuschen

Einen Titel aber hat er noch nicht. So kauerte Big John tieftraurig auf einem Stuhl und brachte nur einen Satz heraus: "Wir hätten eben noch härter kämpfen müssen."

Am Kampf aber lag es nicht, eher an der fehlenden Qualität der Reservisten. Oder daran, dass die Deutschen einen schlechten Tag erwischt hatten.

Einen davon erwähnte Coach Thorsten Leibenath, ganz gegen seine Gewohnheit, anschließend namentlich: Daniel Theis.

Leibenath hofft auf die Zukunft

Der Jung-Nationalspieler, der im Halbfinale gegen Artland noch groß aufgespielt hatte, agierte übermotiviert, überhastet, "letztlich unglücklich".

Dennoch sei er froh, den 20-Jährigen über 14 Minuten lang und auch in kritischen Phasen auf dem Feld gehalten zu haben. "Das wird ihm in Zukunft unglaublich helfen."

Ein echter Trost war das für die Ulmer aber nicht. Schließlich sind Titel gegenwärtig nur dank Bryant in greifbar, und die wahrscheinlich zweitletzte Chance mit ihm dahin.

Wohl auch deshalb hatte Leibenath nach der Niederlage in der Kabine "das innere Bedürfnis, positive Worte zu finden."

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