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Nenad Krstic (l.) gewann 2009 mit Serbien Silber bei der EM in Polen © imago

Der serbische NBA-Center verharmlost seinen blutigen Angriff auf den Griechen Bouroussis. Auch gegen Fotsis werden Vorwürfe publik.

Von Michael Spandern

München - "Der gute Ruf des Basketballs ist schrecklich beschmutzt worden", stellt der Weltverband fest und kündigt an, die wüste Schlägerei im WM-Test zwischen Griechenland und Serbien in Athen schonungslos aufzuarbeiten.

"Die FIBA wird alle nötigen Schritten gegen jeden Spieler einleiten, dessen Beteiligung an diesem schockierenden Vorfall zu erkennen ist", erläutert Generalsekretär Patrick Baumann.

Nachdem sich alle Reservisten und auch einige Zuschauer ins Getümmel stürzten, wurde die Abschlusspartie des Akropolis-Turniers am Donnerstag 2:40 Minuten vor dem Ende abgebrochen.

Zwar werde es keine vorschnellen Sanktionen gehen, doch der Verband werde "nicht zögern, so rigoros wie möglich gegen die vorzugehen, die den Sport in Verruf gebracht haben".

"Eine Dummheit wurde begangen"

Vor allem Nenad Krstic, der NBA-Profi im serbischen WM-Kader, muss nun eine Sperre befürchten, die bis weit in die am 28. August Titelkämpfe in der Türkei hineinragt. Im zweiten Vorrunden-Spiel treffen die Serben auf Deutschland.

Krstic hatte einen Stuhl auf Yannis Bouroussis geworfen und dem wegen einer Handverletzung nicht eingesetzten Griechen eine blutende Wunde am Kopf beigebracht.

"Eine Dummheit wurde begangen", verharmloste Krstic seine Tat und vermied es auch, sich als handelnde Person zu nennen.

Nachdem er von der Polizei festgenommen, in der Nacht aber wieder freigelassen wurde, sage er serbischen Medien: "Ich kenne die Regeln nicht, aber hoffentlich werde ich nicht bestraft."

Angst vor den halbnackten Zuschauern?

Geradezu abenteuerlich war, wie sein Coach Dusan Ivkovic die Szene beschrieb.

Krstic, den Betreuer just von seinen Verfolgern Bouroussis und Sofoklis Schortsanitis abgeschirmt hatten, habe "nur Selbstverteidigung ausgeübt und sich einen Stuhl genommen, nachdem halbnackte Zuschauer aufs Feld gestürmt waren. Der Stuhl ist ihm aus der Hand gefallen und hat Bouroussis eine Abschürfung zugefügt."

"Das hätte nicht passieren dürfen", räumte Ivkovic immerhin ein. Der Serbe steckt in einem Dilemma, übernimmt er doch nach der WM den griechischen Vizemeister Olympiakos Piräus. "Das Verhältnis zu den Griechen hat sich nun deutlich verschlechtert."

Erster Akt: Teodosic vs. Fotsis

Chronisch schlecht ist das Verhältnis zwischen Olympiakos und dem Doublegewinner Panathinaikos Athen.

Und den ersten Akt der Akropolis-Keilerei bestritten mit dem Griechen Antonios Fotsis (Panathinailos) und dem Serben Milos Teodosic (Olympiakos) auch zwei Lokalrivalen.

Teodosic hatte Fotsis bei einem Dreierversuch gefoult, manche Beobachter behaupten, er habe dem griechischen Power Forward in die Weichteile gefasst.

Daraufhin war Fotsis auf 13 Zentimeter kleineren, aber für seine unsaubere Spielweise berüchtigten Kombo-Guard losgegangen. Teodosic landete einen leichten Kinnhaken, Fotsis griff sich Teodosic am Nacken und soll ihn - wie der serbische Verband schreibt - bespuckt haben.

Schortsanitis nimmts mit mehreren auf

Krstic eilte herbei und packte Fotsis an der Gurgel, was wiederum Schortsanitis und Bouroussis auf den Plan rief.

"Die Griechen haben mit der Rauferei angefangen, es waren keine Ordner da und Fans sind aufs Feld gelaufen", schilderte Krstic, der mittlerweile seinem Team nach Belgrad nachgereist ist, seine Sicht der Dinge.

Tatsächlich durften sich die Spieler, allen voran der gut 150 Kilo schwere Schortsanitis in einer Traube von Serben, unbehelligt austoben, prügelten auch auf am Boden liegende Spieler ein.

"Ein ruhiger Kerl, der immerzu lächelt"

Die Szenen haben auch bei den Amerikanern für Aufsehen gesorgt. Trainer Mike Krzyzewski sagte, er habe sie dem Team USA als Anschauungsunterricht dafür gezeigt, wie sie sich im Fall der Fälle nicht verhalten sollten.

"Wenn so etwas passiert, sollten sie weggehen und höchstens Teamkollegen, aber nicht Gegner wegzerren. Schließlich repräsentiert man sein Land."

Coach K berichtete, dass sich Kevin Durant und Russell Westbrook, Mitspieler von Krstic bei den Oklahoma City Thunder, über dessen Verhalten sehr gewundert hätten: "Sie waren überrascht, weil er solch ein ruhiger Kerl ist, der immerzu lächelt."

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