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Ricky Rubio wurde 2009 von den Minnesota Timberwolves an dritter Stelle gedraftet © getty

Spanien muss bei der WM auf Pau Gasol und Jose Calderon verzichten. Zwei Jungspunde und die Mannschaft als Ganzes sind gefordert.

Von Rainer Nachtwey

München/Madrid - Weltmeister 2006, Olympiazweiter 2008 und Europameister 2009: Kommt man auf die Erfolge der spanischen Basketball-Nationalmannschaft bei den letzten Turnieren zu sprechen, fällt automatisch ein Name: Pau Gasol.

Der 30 Jahre alte Big Man der Los Angeles Lakers wurde beim WM-Titel 2006 sowie bei der kontinentalen Meisterschaft 2009 jeweils zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt.

Beim Vorbereitungsspiel der Spanier gegen die USA war Gasol in der "La Caja Magica". Aber nicht wie die Fans es sich gewünscht hätten auf dem Court, sondern unter den Zuschauern.

Gasol gönnt sich eine Pause, nimmt an den Welttitelkämpfen in der Türkei (vom 28. August bis 15. September LIVE bei SPORT1) nicht teil.

Gasols Körper schreit nach Auszeit

Nach drei Jahren mit der Abfolge NBA-Finals, Olympisches Finale, NBA-Finals, EM-Finale, NBA-Finals will er seinem Körper eine Ruhephase gönnen.

"In den letzten vier Jahren habe ich wohl so viele Spiele bestritten wie kein anderer auf der Welt. Jetzt schreit mein Körper nach einer Auszeit", begründete der Nummer-3-Draft-Pick von 2001 seine Absage.

Kleiner Bruder in der Pflicht

Dennoch taucht bei den Spaniern der Name Gasol weiterhin auf dem Spielberichtsbogen auf. Paus Bruder Marc, der mit 2,15 Metern zwei Zentimeter größer ist als Pau, soll die Lücke unter dem Korb schließen, die der Verzicht seines fünf Jahre älteren Bruders hinterlassen hat.

Pau Gasols Teamkollegen wissen um die Bedeutung seiner Person. "Jeder, der sagt, es würde uns nicht beeinträchtigen, lügt. Pau ist die Führungsfigur im Team", sagt Spaniens Nachwuchshoffnung Ricky Rubio. "Wenn wir Probleme hatten, war er immer zur Stelle, um uns zu retten."

Ein Spieler weniger, ein Fan mehr

Aber nicht nur auf Marc Gasol, auch auf Rubio ruhen die Hoffnungen der Spanier. Der Aufbauspieler muss den Denker und Lenker im spanischen Spiel, Jose Calderon, ersetzen.

Calderon zog sich im letzten Vorbereitungsspiel gegen die USA (85:86) eine Muskelverletzung zu, fällt für das Turnier in der Türkei aus.

"In solch einer Situation kann man nicht viel sagen. Man kann nur über das Pech jammern, sich im letzten Moment zu verletzen", gibt sich Calderon enttäuscht. "Ich wünsche meinen Teamkameraden viel Glück in der Türkei. Ich bin mir sicher, dass sie eine gute Rolle spielen werden. In der Heimat haben sie eben jetzt noch einen Fan mehr."

"Calderons Wille fehlt Spanien"

Bundestrainer Dirk Bauermann bedauert seinen Kollegen Sergio Scariolo aufgrund Calderons Ausfalls. Er weiß um Calderons Einfluss auf das spanische Spiel.

"Für mich war Calderon immer so der Klebstoff dieser Mannschaft. Seine Entschlossenheit, sein Willen und seine Fähigkeit, das Spiel zu lesen und zu steuern, das wird den Spaniern sicher fehlen", sagt der Coach im Gespräch mit SPORT1, "aber sie haben auf allen Positionen nicht nur einen oder zwei, sondern sogar drei oder vier starke Spieler. Wenn irgendjemand so einen Verlust kompensieren kann, dann die Spanier."

Nur eine Niederlage in der Vorbereitung

Und die Iberer scheinen trotz der beiden Ausfälle von Pau Gasol und Calderon für die Titelverteidigung gerüstet. Die Niederlage gegen Team USA - noch mit Calderon - war die einzige der Vorbereitung.

Und hätten sie die Anfangsphase der Partie (3:16) nicht verschlafen, hätte die am Schluss enge Partie auch zu Gunsten der Spanier ausgehen können.

"Wir haben ganz schwach und unkonzentriert begonnen, aber als wir unseren Rhythmus gefunden hatten, war es ausgeglichen", sagt Juan Carlos Navarro.

Spanien und USA absolute Titelfavoriten

Nun gilt es für die Spanier das Fehlen der Topstars als Einheit zu kompensieren. "Wenn wir als Mannschaft auftreten und zusammenspielen, können wir die Auswirkungen der Ausfälle minimieren", gibt sich Rubio zuversichtlich.

Und Garbajosa sieht seine Mannschaft nach dem Auftritt gegen die USA immer noch als die, die es zu schlagen gilt. "Das Spiel hat ganz klar gezeigt, dass diese beiden Teams die absoluten Titelkandidaten sind."

Auch ohne Pau Gasol und Jose Calderon.

Die voraussichtliche Starting Five der Spanier:

Rudy Fernandez (Portland Trail Blazers) - Jorge Garbajosa (Real Madrid) - Marc Gasol (Memphis Grizzlies) - Juan Carlos Navarro (FC Barcelona) - Ricky Rubio (FC Barcelona)

Weiter im Kader:Alex Mumbru (Bilbao Baskets) - Felipe Reyes (Real Madrid) - Sergio Llull (Real Madrid) - Fran Vazquez (FC Barcelona) - Fernando San Emeterio (Saski Baskonia) - Victor Claver (Valencia BC) - Raul Lopez (Khimki Moskau)

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