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Mike Krzyzewski (r.) führte die USA 2008 in Peking zu Olympia-Gold © getty

Das Team USA galt lange Zeit nur als "B-Mannschaft". Kurz vor WM-Beginn mausern sich die Amerikaner doch wieder zum Titelkandidaten.

Von Rainer Nachtwey

München - Man traute seinen Augen kaum:

Zehn Minuten waren zwischen Team USA und Litauen gespielt und die Amerikaner hatten gerade einmal sieben Punkte auf der Habenseite.

3 Korberfolge bei 21 Versuchen aus dem Feld entsprachen einer unterirdischen Trefferquote von nur 14,3 Prozent.

Kurios daran war, dass die Spieler von Trainer Mike Krzyzewski im Nachhinein darüber nicht wirklich unzufrieden.

Für sie war es ein Warnschuss zum richtigen Zeitpunkt und ein daraus resultierender Lerneffekt so kurz vor der WM in der Türkei (vom 28. August bis 15. September LIVE bei SPORT1).

"Müssen uns an Europäer anpassen"

"So dürfen wir eine Partie nicht beginnen", zeigte sich Danny Granger einsichtig: "Aber das wichtige dabei ist, wir können daraus lernen."

Und lernen muss die junge Truppe der Amerikaner, bei denen fünf der noch 13 Spieler 21 Jahre und acht unter 24 Jahre alt sind, in allen Bereichen. Das weiß sie auch.

"Wir müssen lernen, ruhig und souverän weiterzuspielen", sagte Lamar Odom. "Wir müssen lernen, uns ans Spiel der Europäer anzupassen", sagte Andre Iguodala.

"Wir müssen uns an die ungewohnte Umgebung anpassen", sagte "Coach K" und bezog sich auf den rutschigen Boden in Madrid:

"Und wir müssen lernen, mit dem Start der Begegnung zu 100 Prozent wach zu sein. Denn in den 40 statt der 48 Minuten hast du bis zu 30 Mal weniger den Ball. Daran müssen wir uns gewöhnen."

Leistungssteigerung in der Defensive

Nach dem kuriosen Start hätten sie sich dann aber mit den "Widrigkeiten arrangiert", meint Chauncey Billups. "Nachdem ich drei Freiwürfe in Folge verworfen hatte, musste ich lachen. Ich habe mir nur gedacht: 'Woah, das kann nicht dein Ernst sein.' Aber das war ein guter Test für uns."

Am Ende gewannen die USA gegen die Litauer noch souverän mit 77:61 - dank starker Verteidigung. Gerade die Defensive war von vielen Experten als Schwäche prognostiziert worden.

"Unsere Verteidigung hat uns geholfen, die Schwierigkeiten zu überwinden. Mit unserer Defensivleistung haben wir ihren Willen gebrochen", analysierte Tyson Chandler.

Überzeugend gegen Spanien

Gegen Titelverteidiger und WM-Favorit Spanien bewies die Truppe von "Coach K", dass sie gewillt ist zu lernen. Mit 16:3 legte sie einen famosen Start hin.

Zwar verspielte sie im letzten Viertel den zwischenzeitlich auf 14 Punkte angewachsenen Vorsprung, war aber im entscheidenden Moment hellwach. Und wieder war es die Defensive - zwei Blocks von Kevin Durant in den Schlusssekunden -, die den Amerikanern den Sieg bescherte.

Rondo verzichtet freiwillig

"Das war eine gute Erfahrung, die wir hier in Madrid gemacht haben", sagte Stephen Curry: "Vor so einem enthusiastischen Publikum gegen eine Heimmannschaft zu spielen, hilft uns enorm für die WM in der Türkei."

Curry galt bis zuletzt als Streichkandidat. Nach dem Rückzug von Rajon Rondo steht der 21 Jahre alte Guard der Golden State Warriors nun ebenso im Kader wie Eric Gordon und Russell Westbrook. 278679(DIASHOW: Diese Stars fehlen bei der WM)

Schwache Leistung gegen Litauen

Rondo verzichtete nach offiziellen Angaben aus privaten Gründen auf den Trip in die Türkei. Allerdings wird auch Rondos dürftige Vorstellung gegen Lettland (zwei Punkte, ein Assist, vier Turnovers) eine Rolle gespielt haben.

Gegen Spanien wurde er von Coach Krzyzewski nicht nominiert und sagte kurz vor seinem Rückzug vielsagend zu "ESPN": "Ich wurde beim letzten Spiel nicht eingesetzt, das sagt doch alles."

Erste Wahl auf der Spielmacherposition ist jetzt Derrick Rose von den Chicago Bulls.

Garbajosa von US-Team überzeugt

Auch ohne Rondo gelten die Amerikaner nach dem starken Aufritt gegen Spanien längst wieder zu den Top-Favoriten, nachdem sie zuvor als B-Mannschaft abgestempelt wurden.

"Das Spiel hat ganz klar gezeigt, dass diese beiden Teams die absoluten Titelkandidaten sind", kürte Spaniens ehemaliger NBA-Spieler Jorge Garbajosa die Amerikaner zum Favoriten. (ANALYSE: Spanien fehlt der "Klebstoff")

Am Mittwoch steht der letzte Test in Griechenland an. Dort können die US-Boys diese neu gewonnen Stellung weiter untermauern.

Die voraussichtliche Starting Five der USA:

Kevin Durant (Oklahoma City Thunder) - Andre Iguodala (Philadelphia 76ers) - Lamar Odom (Los Angeles Lakers) - Chauncey Billups (Denver Nuggets) - Derrick Rose (Chicago Bulls)

Weiter im Kader:Russell Westbrook (Oklahoma City Thunder) - Rudy Gay (Memphis Grizzlies) - Stephen Curry (Golden State Warriors) - Eric Gordon (Los Angeles Clippers) - Tyson Chandler (Dallas Mavericks) - Danny Granger (Indiana Pacers) - Kevin Love (Minnesota Timberwolves)

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