Ein mitreißendes Spiel gewonnen, das wichtigere vergeigt - haften bleibt der Eindruck: Nur Nowitzki ist Deutschlands Retter.

Die Aufgabe schien so überschaubar: In den ersten drei WM-Spielen den Rhythmus finden, dann durch Siege gegen Angola und Jordanien ins Achtelfinale einziehen.

Doch zunächst übertrafen Deutschlands Basketballer mit dem spektakulären Coup nach zwei Verlängerungen gegen Vize-Europameister Serbien alle Erwartungen, um dann gegen Angola - ebenfalls nach Overtime - an eben diesen zu zerbrechen und in der Vorrunde k.o. zu gehen.

Gewiss, die Angolaner sind sechsmal in Folge Afrikameister geworden und steigerten sich in Kayseri von Spiel zu Spiel.

Die Favoritenrolle nahmen die Deutschen im Vorfeld dennoch an und schienen ihr bis 1:45 Minuten vor Schluss, als sie neun Punkte vorne lagen, auch gerecht zu werden.

Dann aber vertändelten sie die Bälle reihenweise, zitterten bei jedem Wurf. Nicht nur die Youngster, vor die sich Bundestrainer Dirk Bauermann zur Recht unablässig stellt.

Auch Jan Jagla, der Held des Serbien-Siegs, Steffen Hamann und Demond Greene - allesamt Starter mit mehr als 100 Länderspielen auf dem Buckel - verliehen dem Team keine Stabilität und machten den Sack nicht zu.

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Und so stehen die "Bauermänner" in den Augen der Sportfans und wohl auch im eigenen Bewusstsein wieder da, wo sie vor dem famosen Abschluss der Vorbereitung und den packenden Fights gegen Argentinien und Serbien standen:

Sie sind ein verschworenes, pflegeleichtes und willenstarkes Team, das aber wenn's drauf ankommt auf die rettende Hand des Dirk Nowitzki angewiesen ist.

Als Spielentscheider auf der internationalen Bühne taugen die NBA-Anwärter Robin Benzing, Elias Harris und Tibor Pleiß momentan ebenso wenig wie EM-Shooting-Star Heiko Schaffartzik.

Benzing und Schaffartzik ließen in der Crunch Time gegen Angola zu viele Chancen liegen, Pleiß und Harris bekamen weder im Schlussviertel noch in der Verlängerung Bauermanns Vertrauen.

Und ohne den Erfolg gegen die Serben schlecht zu reden oder auf das Fehlen derer Topstars herumzureiten: Zum einen durfte das DBB-Team da als Underdog unbeschwert aufspielen, zum anderen setzte auch hier trotz einiger Anläufe kein Deutscher den Schlusspunkt, sondern der Fehlwurf von Milenko Tepic.

Die "Bauermänner" drohen nun aus der Euphorie in ein Trauma zu fallen, auch wenn der Trainer das Aus nicht als schweren Rückschlag verstanden wissen will.

Im nächsten Sommer werden mit Nowitzki und Chris Kaman die Go-to-Guys zurückkommen, und wohl wieder genauso viel Verantwortung schultern müssen wie vor und während Olympia 2008.

Die Chance, sich als Next Generation ein eigenständiges Selbstvertrauen zu erarbeiten, hat das Dutzend von 2010 am Mittwoch verspielt. Eine Chance, die womöglich erst 2013 wieder kommt.

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