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David Blatt gewann mit der Sbornaja im Jahr 2007 den Titel bei der Europameisterschaft © getty

Die Aussagen des russischen Trainers in Bezug auf das Olympia-Finale könnten bei Team USA für Extra-Motivation sorgen.

Von Olaf Mehlhose

München/Istanbul - David Blatt ist selbst schuld.

Mit seinem Kommentar, die Sowjetunion habe bei den Olympischen Spielen 1972 zu Recht die Goldmedaille gewonnen, hat er das von Mike Krzyzewski betreute Team vor dem Achtelfinalspiel zwischen der USA und Russland (ab 16.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) zusätzlich motiviert.

Die Gegenattacke des US-Coaches ließ nicht lange auf sich warten: "Er ist ein Russe", sagte Krzyzewski über seinen Trainerkollegen, der in Wirklichkeit die amerikanische und die israelische Staatsangehörigkeit besitzt (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

"Er muss das wahrscheinlich sagen, weil er Russland trainiert", mutmaßte der US-Coach: "Aus der Perspektive der USA wird es immer negativ in Erinnerung bleiben - und das sollte es auch. Positiv ist es für jene, die an Märchen glauben."

Zur Erklärung: Im olympischen Finale 1972 hatten sich die Sowjets in einem umstrittenen Finale durchgesetzt, in dem die letzten drei Sekunden dreimal wiederholt wurden.

Gute WM trotz fehlender Stars

Russland spielt trotz des Fehlens ihrer Starspieler Andrei Kirilenko, J.R. Holden und Wiktor Chrjapa ein bisher überraschend starkes Turnier.

Zudem ist der Europameister von 2007 die erste Mannschaft, die sich körperlich mit den USA auf Augenhöhe befindet - im Frontcourt hat die Sbornaja sogar einen leichten Größenvorteil.

Dass es dazu reicht, den Olympiasieger ernsthaft zu gefährden, ist allerdings nicht anzunehmen.

US-Offense kaum zu stoppen

Wie für die vorherigen Gegner wird die Hauptaufgabe darin bestehen, den Angriffswirbel der Amerikaner - bisher durchschnittlich 96 Punkte pro Spiel - zu unterbinden.

Neben Topscorer Kevin Durant (17,7 Punkte pro Spiel) verfügt der dreimalige Weltmeister mit Eric Gordon, Chauncey Billups und Derrick Rose über mehrere Spieler, die die Partie im Alleingang entscheiden können.

[kaltura id="0_fvdi0r9o" class="full_size" title="T rkei im Halbfinale"]

Durch ihre überragende Athletik sind die US-Boys auch unter dem Korb das Maß aller Dinge - 41 Rebounds stehen pro Partie zu Buche.

Zum Vergleich: Die Russen schnappen sich durchschnittlich knapp 37 Abpraller (SERVICE: Die WM-Statistiken).

Harte Gangart der Russen

Wie gegen Neuseeland wird die Sbornaja versuchen, die USA mit körperlich hartem Spiel zu beeindrucken.

Mit Knicks-Neuzugang Timofey Mozgov (12,5 Zähler pro Spiel), Sascha Kaun (11,5), Sergey Monya (11) und Andrej Worontsewitsch (9,7) verfügt Russland über mehrere Optionen, in der Offensive zum Erfolg zu kommen.

Spielmacher Anton Ponkratschow (5,8 Assists) ist der drittbeste Vorlagengeber des Turniers.

Defensive entscheidet

Der Schlüssel zum Erfolg über Russland liege in der Defensive, erklärte Krzyzewski:

"Es muss unser Ziel sein Ponkratschow zu bewachen, wenn er in die Zone zieht (Sascha) Kaun (Timofey) Mozgov vom Korb wegzuhalten und (Sergej) Monya keine freien Würfe zu geben."

Scola macht den Unterschied

Im zweiten Viertelfinale zwischen Argentinien und Litauen (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) sind die Südamerikaner leicht favorisiert.

Den Ausschlag könnte, wie schon gegen Brasilien, die Form von Topscorer Luis Scola (30,3 Punkte pro Spiel) geben.

Kaum Entlastung für Kleiza

Litauen, eins von bisher drei ungeschlagenen Teams, spielt bisher eine überraschend starke WM, doch schon im Spiel gegen China offenbarten sich einige Schwächen.

Linas Kleiza (19,5 Punkte) trägt die Hauptlast in der Offensive auf seinen zugegebenermaßen breiten, aber noch jungen Schultern.

Bei den Argentiniern wird der überragende Scola zumindest von Carlos Delfino (17,8 Punkte), und gegen Brasilien auch durch Hernan Jasen, ein wenig entlastet.

Zudem haben die Argentinier im Aufbau mit dem erfahrenen Pablo Prigioni und dem unermüdlichen Luis Cequeira einen klaren Vorteil gegenüber den Litauern, bei den Spielmacher Mantas Kalnietis noch nicht die ordnende Figur ist.

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