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Neben dem finalen Blocked Shot lieferte Semih Erden 9 Punkte, 3 Rebounds, 2 Assists © FIBA

In den letzten 4,3 Sekunden wenden die Türken gegen Serbien durch einen Korbleger das Aus ab. Ein Center verhindert ein Drama.

Von Michael Spandern

München - In einem atemberaubenden Thriller hat die Türkei ihr erstes WM-Halbfinale gewonnen und durch das 83:82 (35:42) gegen den Vize-Europameister Serbien das Traumfinale gegen den Litauen-Bezwinger USA (So., 20.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) perfekt gemacht.

In den letzten fünf Sekunden ließen ein Korbleger von Kerem Tunceri und ein von Semih Erden abgeblockter Wurf die Gastgeber in Istanbul jubeln.

NBA-Profi Hidayet Türkoglu war bei der Neuauflage des EM-Finals von 2001 mit 16 Punkten erfolgreichster Werfer beim Sieger, bei den Serben hielt der Ex-BBL-Profi Marko Keselj mit 18 Zählern dagegen.

Türkei legt nach Auszeit zu

Die Türken setzten Serbien mit hautenger Verteidigung mächtig zu. Und in der Zone räumte Ömer Asik auf und schüchterte die Eindringlinge ein.

Doch durch Dreier von Milenko Tepic und Novica Velickovic gewannen die Serben Sicherheit, während die Gastgeber fünf der ersten acht Würfe vergaben. Nach einem Fehlpass von Türkoglu und 6:12-Rückstand nahm Bogdan Tanjevic die erste Auszeit.

Shooting Guard Ömer Onan kam nun in Fahrt, und steckte Türkoglu an: Die Neuverpflichtung der Phoenix Suns glich nach einem Korbleger durch einen Dreier zum 15:15 aus.

Teodosic provoziert mit Gesten

Die Serben behaupteten nach Milos Teodosics Dreier den Vorsprung, und Kosta Perovic stopfte mit Nachdruck zum 26:22.

Doch im Gegenzug riss 1,92-Meter-Mann Sinan Güler die Fans von den Sitzen, als er trotz Fouls des 25 Zentimeter größeren Perovic und Schräglage abschloss. Allerdings bewahrten die Serben kühlen Kopf, gingen durch sieben Punkte in Folge mit 33:25 in Führung. (SERVICE: Die WM-Statistiken)

Teodosic, der glänzend Regie führte und neben 13 Punkten elf Assists verbuchte, zog mit überheblichen Gesten den Zorn des Publikums auf sich. Güler ließ sich binnen 30 Sekunden drei Fouls anhängen, und die türkischen Innenspieler ließen einige klare Chancen liegen.

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Onan bringt den Dome zum Kochen

Als die Gastgeber sich auf 31:35 herangekämpft hatten, versenkte der Ex-Kölner Keselj mit Ablauf der Angriffszeit einen Dreier aus über sieben Metern.

Im dritten Viertel brachte Türkoglu seine Farben per Dreier heran, Onan glich unter frenetischem Jubel der 15.000 Zuschauer im Sinan Erdem Dome aus.

Aber Teodosic blieb eiskalt: Sein Dreier und zwei Assists des Griechenland-Legionärs sorgten für einen 8:0-Zwischenspurt, kurz darauf ließ er einen Layup zum 56:48 folgen.

Teodosic mit Floater für drei

Wieder arbeiteten sich die Türken auf einen Zähler heran, wieder legte Keselj einen Dreier für die Serben nach, die mit drei Punkten Vorsprung ins Schlussviertel gingen.

Die Nerven flatterten auf beiden Seiten. Türkoglu erzielte zwar per Dreier den 64:66-Anschluss, verpasste aber unter Bedrängnis bei einem Korbleger den Ausgleich.

Keselj traf im sechsten Versuch seinen vierten Dreier, Teodosic aus dem Lauf zum 72:64. Prompt antwortete Kerem Tunceri mit drei Punkten.

Tunceri wendet das Blatt

Bei sechs Punkten Rückstand verwarf Onan aus der Distanz, doch Asik war beim Offensiv-Rebound zur Stelle - punktete trotz Unsportlichem Foul.

Tunceri legte zwei Punkte nach und im folgenden Angriff drei zum 76:75 - erstmals nach der Halbzeit führten die Türken.

Der wacklige Freiwerfer Asik - 78 Sekunden vor Schluss von Teodosic an der Hüfte gehalten - hielt sich den Kopf und schritt zur Auswechslung, sodass Ender Arslan die Freiwürfe übernehmen konnte. Auch der traf jedoch nur einen.

Drama in den Schlusssekunden

17 Sekunden verblieben. Teodosic setzte Rasic in Szene, der unter dem Korb den Extra-Pass auf Velickovic spielte. Dessen Punkte zum 82:81 ließen der Türkei noch 4,8 Sekunden zur Antwort.

Tunceri kam nach der Auszeit, dem Einwurf von der Mittellinie und einem Gedränge auf dem linken Flügel völlig frei zum Korbleger - die Halle stand Kopf. Es blieben noch immer 0,5 Sekunden, und die Serben fanden mit ihrem Einwurf Velickovic. Doch dessen Tip-In-Versuch blockte Center Erden ab und verhinderte ein türkisches Drama.

Stattdessen geht das Märchen der Gastgeber in den finalen Akt.

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