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Angelina Grün bekam in diesem Jahr den Volleyball-Award verliehen © getty

Im Interview erklärt Angelina Grün, warum sie in den Sand gewechselt ist und welche Umstellungen beim Beachvolleyball auf sie zukamen.

Das Gespräch führte Benjamin Bauer

München - Deutscher und Italienischer Meister, Pokalsieger und Champions-League-Gewinner:

Nach 14 Jahren Volleyball auf höchstem Niveau wechselt Angelina Grün das Metier und den harten Hallenboden gegen Sand.

Zusammen mit Rieke Brink-Abeler startet die 30-Jährige seit diesem Jahr als Beachvolleyball-Team

Im Interview der Woche erklärt Angelina Grün, warum sie in den Sand gewechselt ist, welchen Reiz der Beachvolleyball ausmacht und welche Umstellungen auf sie zukamen.

SPORT1: Frau Grün, war der Umstieg vom harten Hallenboden auf den weichen Sand geplant oder eine Schnapsidee?

Angelina Grün: Also eine Schnapsidee war es sicherlich nicht, aber es war auch nicht lange eingefädelt. Letzten Sommer bis April 2009 habe ich noch in der Halle gespielt und mir dann eine Auszeit gegönnt. Ich habe ein Praktikum gemacht, auch mal ein, zwei Jux-Turniere im Sand gespielt, um dann im September ein ernsthaftes Turnier zu spielen, was ich bislang noch nie gemacht hatte. Es hat mir Spaß gemacht, und mir wurde gesagt, ich würde mich nicht ganz blöd anstellen. Und so ist die Idee gereift. Im Januar stand ich dann tatsächlich mit meiner Partnerin in der Beach-Halle.

SPORT1: Ist das eine große Umstellung gewesen, gar eine neue Welt?

Grün: Die Welten überschneiden sich natürlich schon irgendwie, aber in vielerlei Hinsicht ist das eine andere Sportart. Man kann einige Techniken nicht eins zu eins übernehmen, und die Komponente Wind kenne ich aus der Halle auch nicht. Deshalb habe ich sicherlich noch sehr viel Trainingsbedarf. Zudem ist man im Sand bei jeder zweiten Aktion selber gefragt.

SPORT1: Was wird dann vermehrt trainiert?

Grün: Ganz am Anfang haben wir versucht, ins Spielen reinzukommen, weil wir nicht so viel Zeit hatten, uns vorzubereiten. Was für mich aber sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat, war das Zuspielen. Die Regelungen beim Beachvolleyball sind härter, und da genau den Ball zu spielen, der auch meiner Partnerin gefällt, erfordert viele Wiederholungen und viel Trainingsintensität.

SPORT1: Macht es im Sand denn Spaß?

Grün: Ja, absolut. Ganz am Anfang war ich sicherlich noch ein bisschen gefrustet. Man ist ja auch ein bisschen verwöhnt. Es macht am meisten Spaß, wenn man es kann und erfolgreich ist, mit dem was man macht. Das Training hat mir zwar schon immer Spaß gemacht, aber im Spiel war es schon mal frustrierend, wenn man den Ball nicht dahin bringen konnte, wo man ihn hinhaben wollte. Das verbessert sich nach und nach. Und das Training sollte sich auch irgendwann mal auszahlen.

SPORT1: Stimmt das Image des Beachvolleyball mit Sommer, Sonne und guter Stimmung? Gefällt Ihnen das oder wünschen Sie sich manchmal die Sporthalle zurück?

Grün: Schönes Wetter und Party drumherum - das ist nicht immer so. Es ist schon ein hartes Business, und es steckt viel Arbeit dahinter. Man muss bei Wind und Wetter raus. Es ist schön, wenn es voll ist, wenn Musik läuft und am Besten die Sonne scheint, aber man muss genauso gut die Leistung um 9 Uhr bei acht Grad bringen, wenn Nieselwetter ist.

SPORT1: Haben Sie jetzt mehr Reisestrapazen?

Grün: Ja, viele kurzfristige Sachen. In der Halle war das alles besser gegliedert und organisiert von anderen Instanzen oder Verband und Verein. Jetzt, wo man alles selber in der Hand hat, kommt es auf die Leistung an. Je weiter man im Turnier kommt, desto länger kann man an einem Ort bleiben. Man weiß nie ganz genau, wo man am nächsten Tag steckt.

SPORT1: Welches Ziel haben Sie sich persönlich gesteckt? Olympia beispielsweise?

Grün: Wir haben jetzt erst angefangen, Turniere zu spielen. Ich bin da noch sehr unerfahren und es wäre einfach vermessen, von großen Zielen zu sprechen. Wir müssen erstmal schauen, ob wir bei den internationalen Turnieren die erste Runde überstehen. Das sind unsere kurzfristigen Ziele. Auch wenn wir natürlich bereits in diesem Jahr international überzeugen und uns auf der deutschen und internationalen Tour im Hauptfeld etablieren wollen.

SPORT1: Wie sind sie in diese Beachvolleyball-Familie aufgenommen worden?

Grün: Bislang bin ich mit offenen Armen aufgenommen worde, allerdings weiß man ja nie, was die Leute denken. Für mich ist momentan alles neu, da ist es für die anderen einfacher zu sagen: "Guck mal, die Grün ist neu." Ich muss natürlich versuchen, mir durch Leistung Respekt zu verschaffen.

SPORT1: Sie spielen jetzt mit einer Partnerin zusammen, vorher mit einer Mannschaft? Fehlt Ihnen dieser Mannschaftsgedanke?

Grün: Ich habe ja nicht aufgehört, weil mir das in der Halle keinen Spaß mehr gemacht hat. Momentan vergleiche ich das auch nicht, ich bin in der Herausforderung drin und stecke da meine ganze Energie rein. Das Zusammenspiel mit meiner Partnerin ist sehr intensiv, weil natürlich die ganze Verantwortung auf uns beide verteilt ist, die Punkte zu machen. Sicherlich gibt es noch einen Trainer, aber der kann im Spiel nicht so viel ausrichten. Das ist ebenfalls eine neue Herausforderung.

SPORT1: War der finanzielle Aspekt ein Beweggrund für den Wechsel?

Grün: Also man kann mit Sicherheit sagen, hätte ich die finanzielle Absicherung gewollt, dann hätte ich in der Halle bleiben müssen. Denn das Beachvolleyballspielen ist nur dann lukrativ, wenn man gut ist, gute Sponsoren hat und vorne in der Weltspitze steht.

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