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Julius Brink war 2005 Beachvolleyballer des Jahres © getty

Der Medaillen-Hattrick bei der WM hat Julius Brink angestachelt. 2012 will er mit Jonas Reckermann olympisches Edelmetall.

Rom - Die lange italienische Nacht der Beachvolleyballer musste ausfallen - Arme und Beine waren zu schwer. "Wenn man feiern kann, ist man meist zu müde", sagte Julius Brink nach dem Spiel um Platz drei.

Und so ließen die Bronzemedaillen-Gewinner den letzten WM-Abend gemütlich in einem römischen Ristorante ausklingen. "Bei einem Glas Wein - oder auch zwei, drei...", sagte Brink mit einem Grinsen. Dabei hätten er und Jonas Reckermann allen Grund für die große Sause am Tiber gehabt. 418767(DIASHOW: So sexy ist die Beachvolleyball-WM)

Nach dem Titelgewinn 2009 in Stavanger standen sie jetzt schon wieder auf dem Podium. Brink kennt das Gefühl wie kein anderer "Sandwühler" des Deutschen Volleyball-Verbands (DVV). Immer, wenn es bei einer WM Edelmetall für deutsche Beachvolleyballer gab, war der 28-Jährige dabei.

Lob vom Boss

Erst der Bronze-Coup beim Heimauftritt 2005 in Berlin zusammen mit Kjell Schneider, dann zweimal mit Reckermann. "Julius hat die ideale Mischung gefunden. Er ist erfahren, locker und fokussiert", sagte DVV-Sportdirektor Günter Hamel.

In der Gluthitze von Rom jedoch geriet auch Brinks Balance ab und zu ins Wanken. Im Halbfinale fetzte er sich zunächst mit dem späteren brasilianischen Weltmeister Alison, nach dem Spiel pflaumte er die Offiziellen an, weil ihm die Lust auf die Dopingprobe vergangen war.

Filmriss für die Krise

Wenn es nicht läuft, explodiert Julius Brink also schonmal. "Nach so einer Niederlage hilft eigentlich nur: Festplatte formatieren - am besten mit Alkohol", hatte er gesagt.

Wie so viele in der Szene begann der geborene Münsteraner seine Karriere auf hartem Hallenboden. Erst vor zwölf Jahren wechselte er den Untergrund und startete gleich durch, obwohl der Abwehrspezialist von Olympia Berlin für einen Beachvolleyballer mit 1,86 Metern eher als kleinwüchsig durchgeht.

Er war schon Welt- und Europameister, deutscher Meister, dazu viermal Spieler des Jahres - was noch fehlt, ist eine Medaille bei den Olympischen Spielen 2012.

Medaille im Visier

"Machen wir uns nichts vor: Nach zwei WM-Medaillen 2009 und 2011 fahren wir nicht nach London, um ohne was wiederzukommen", sagt Brink forsch.

Den Verband freut diese mutige Zielsetzung. "Das ist realistisch. Julius und Jonas werden alles dafür tun, denn sie wissen, es könnte ihre letzte Chance sein", sagt Hamel.

Noch nicht am Ende

In London wäre Brink 30, Reckermann 33 Jahre alt. Wenn man sieht, wie der Brasilianer Emanuel im diesjährigen WM-Finale selbst mit 38 Jahren noch durch den Sand gehüpft ist, könnte es aber durchaus noch mehr Chancen geben.

Nachwuchs steht bereit

Wenn die beiden in die Jahre gekommenen "Beach-Boys" irgendwann doch aufhören, sieht Hamel den DVV trotzdem gut aufgestellt. "Da habe ich keine Angst. Wir haben viele Einzelspieler, die nach ganz oben kommen können."

Er nennt Jonathan Erdmann als "größtes Blocktalent" und Stefan Windscheif als "größtes Abwehrtalent".

Männer oben dran

Beide verpassten mit ihren Partnern Kay Matysik und Sebastian Dollinger bei der WM nur knapp das Viertelfinale. `In der Gesamtheit sind wir bei den Männern näher an der Weltspitze dran", analysiert Hamel.

Sorgen bereitet ihm vielmehr das Abschneiden der Frauen. Die Europameisterinnen Sara Goller und Laura Ludwig scheiterten ebenso wie Katrin Holtwick und Ilka Semmler schon im Achtelfinale.

Lichtblick von Köhler/Sude

"Das Frauen-Finale war eine Leistungstufe höher als unser Niveau. Bei uns mangelt es an technischer Stabilität, Physis und Psyche", sagt Hamel.

Einziger Lichtblick waren die Auftritte von Jana Köhler und Julia Sude, die bis ins Viertelfinale vordrangen. "Und das praktisch ohne Unterstützung vom Verband. Die kochen auf kleiner Flamme und spielen trotzdem eine grandiose Saison."

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