"Ohne Erfolg nimmt die Euphorie schnell wieder ab"
Von Michael Spandern
München - Ihr Olympiasieg war sicher einer der emotionalsten aus deutscher Sicht. Julius Brink und Jonas Reckermann besiegten im Finale erstmals die Weltranglistenersten Emanuel/Alison aus Brasilien und krönten ihre Karriere in London mit der Goldmedaille.
Doch viel Zeit zum Feiern bleibt dem Duo aus Westfalen nicht. Bei den Deutschen Meisterschaften am Timmendorfer Strand (Männerfinale So., ab 18 Uhr im TV auf SPORT1) wollen Brink/Reckermann auch ihren vierten DM-Titel holen, seit sie im Winter 2008 zueinander fanden.
Mit einem Sieg wären beide mit sechs Triumphen auf nationaler Ebene Rekordhalter.
Im SPORT1-Interview verrät der 30-Jährige Brink, wie er sich nach der Komplettierung der Goldsammlung neu motiviert und wie die Beziehung zu Reckermann gewachsen ist. Außerdem klärt er das Schicksal der ominösen Maskottchen. (NACHBERICHT: Mit Gummipuppen zum Wunder)
SPORT1: Herr Brink, Ihr Olympiasieg in London hat eine riesige Euphorie entfacht. Wessen Gratulation hat Sie am meisten überrascht?
Was war die "größte" deutsche Medaille?
Julius Brink: Alle NRW- und Bundesminister haben Jonas und mir gratuliert. Das zeigt, wie weit wir vorgedrungen sind und welche Begeisterung wir für uns und unseren Sport entfacht haben.
SPORT1: Das ist Ihnen auch bei den SPORT1-Usern gelungen, die im Voting Ihr Gold als den größten deutschen Triumph in London bewertet haben. Was bedeutet es, den Diskus-Riesen Robert Harting und den Deutschland-Achter abgehängt zu haben?
Brink: Es freut uns sehr, dass unsere Goldmedaille so eine riesige Beachtung gefunden hat. Die unglaubliche Dramaturgie im Finale hat natürlich ihren Teil dazu beigetragen. Die Ruderer mit ihrem Start-und-Ziel-Sieg und Robert Harting, der mittlerweile auch über 30 Siege in Folge errungen hat, sind das Nonplusultra in ihrer Sportart. Bei uns geht es enger zu, vielleicht hat unser Sieg die Menschen daher noch mehr bewegt.
SPORT1: Künftig wird es wohl keine Geldprämien mehr von der Deutschen Sporthilfe mehr geben. Was haben Sie beide mit den 15.000 Euro für die Goldmedaille gemacht?
Brink: Das Geld ist weder auf meinem Konto noch verplant. Meine Eltern haben mir immer gesagt, ich solle nicht über Geld reden, das ich noch nicht habe. Ich habe mir auch noch keine Wünsche überlegt, die ich mir erfüllen will. Aber dass ich so viel Geld bekomme, ist eine tolle Sache.
SPORT1: Im Beachvolleyball sind die Preisgelder für jede Platzierung ja nachzulesen. Können Sie als Olympiasieger zusätzlich eine Antrittsprämie fordern oder wie lässt sich das Gold zu Geld machen?
Brink: Auf der deutschen und auf der World Tour, bei der wir unser täglich Brot verdienen, ist das nicht möglich. Aber Beachvolleyball bringt ein tolles Image mit, hatte in London wieder mal eine Top-Location und war der Publikumsmagnet. Ich finde, wir haben dort sportlich überzeugen können und uns für potenzielle Sponsoren interessant gemacht.
SPORT1: Gönnen Sie sich nun auch mit Blick auf die Sponsoren keine längere Pause, obwohl Sie so lange und so hart auf Olympia hingearbeitet haben?
Brink: Wir haben bereits vor Olympia gesagt, dass wir uns anschließend einige Tage trainingsfrei nehmen, um die Akkus aufzuladen und den Kopf frei zu bekommen. Und wir wollten uns die Zeit nehmen, unseren Förderern zu danken und im Erfolgsfall einige Einladungen anzunehmen. Aber auch die DM sind uns sehr wichtig, wir wollen da unbedingt überzeugen. Uns ist klar: ohne den Erfolg nimmt die Euphorie sehr schnell wieder ab.
SPORT1: Wie motivieren Sie sich, nachdem Sie beide alle großen Titel gewonnen haben, nun für die DM?
Brink: Wir haben in London so viel positive Emotionen erlebt, dann haben wir durch so viele E-Mails erfahren, wie sehr die Menschen mitfiebern. Da ist es ganz leicht, für die Fans, die weit anreisen und sich auf uns freuen, in Timmendorf unser Bestes zu geben.
SPORT1: Nach Olympia überraschten Sie mit dem Bekenntnis, Gummipuppen als Maskottchen eingekauft zu haben. Da die ja nun kaputt sind: Was nehmen Sie stattdessen mit zum Timmendorfer Strand?
Brink: Wer sagt, dass die kaputt sind?
SPORT1: Sie sagten doch in London, Ihre Mitbewohnerinnen hätten den Puppen Unvorstellbares angetan…
Brink: Die haben natürlich etwas getan mit den Puppen aus Gummi - ich sage bewusst nicht Gummipuppen, da wir sie ja nur mitgenommen haben, um sie zu bekleiden. Aber: den Puppen geht es sehr gut. Sie stehen bei uns zu Hause und sind nach wie vor unsere Glücksbringer.
SPORT1: Die Schweizer Laciga-Brüder, die 2005 Vize-Weltmeister waren, gingen sich privat aus dem Weg und haben kaum mal ein Wort miteinander gewechselt. Wie viel machen Brink/Reckermann außerhalb des Feldes gemeinsam?
Brink: Im Vergleich zu den Laciga-Brüdern haben wir da ein sehr inniges Verhältnis. Wir sind ein sehr, sehr gutes Team - auf und neben dem Platz. Wir haben uns aber nicht als beste Freunde zusammengetan, sondern weil wir den maximalen Erfolg wollten. Doch wir haben so viel zusammen erlebt und sind dadurch zusammengewachsen. Wir gehen offen und loyal miteinander um, auch wenn es wie in jeder Beziehung Aufs und Abs gibt.
SPORT1: Gab es einen Moment, nach dem Sie wussten, dass diese Konstellation über Jahre hinweg funktioniert?
Brink: Nein, wir wussten, als wir uns im Winter 2008 zusammengetan haben, dass wir uns sehr, sehr hohe Ziele gesetzt haben. Wir wollten Beachvolleyball nach unseren eigenen, innovativen Vorstellungen spielen und in diesen vier Jahren das Optimum herausholen. Das haben wir trotz Rückschlägen und Verletzungen auf beeindruckende Weise hinbekommen. Das macht mich sehr stolz.
SPORT1: Müssen Sie als der drei Jahre Jüngere Jonas Reckermann davon überzeugen, noch bis zu den Spielen in Rio gemeinsam weiterzumachen?
Brink: Jonas weiß ganz genau, dass Rio für unseren Sport noch mal einen neuen Pfeiler darstellt. Brasilien ist ein unglaublich emotionales Land, in dem die Wurzeln unseres Sports liegen. Aber vom Kopf her sind wir so kurz nach London noch nicht in der Lage, so weit vorauszudenken. Nach der Saison wird sich jeder von uns im Urlaub seine Gedanken machen, aber vielleicht werden wir auch erst 2013 wissen, ob es so lange weitergeht.
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