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in Vancouver 2010 gewann Verena Bentele fünf Mal Olympia-Gold © getty

Nach den Erfolgen bei den Paralympics in Vancouver geht bei Verena Bentele die Suche nach zusätzlichen Sponsoren weiter.

München - Verena Bentele muss plötzlich laut lachen. Nein, sagt sie, ausgesorgt habe sie noch lange nicht.

Trotz des Aufstiegs zum Medienstar nach fünf paralympischen Goldmedaillen in Vancouver lebt die sehbinderte Langläuferin und Biathletin noch immer in ihrer Münchner Studentenbude. "Bei mir hat sich keine große Firma gemeldet und mir den Supervertrag angeboten", sagt Bentele.

Seit ihren überragenden Auftritten von Vancouver ist kein einziger neuer Sponsor dazugekommen. Leben kann die 28-Jährige von ihrem Sport mittlerweile dank ihrer bisherigen Geldgeber sowie finanzieller Unterstützung von Verband und Sporthilfe.

"Müssen Überzeugungsarbeit leisten"

Dennoch wünscht sie sich manchmal ein wenig mehr Anerkennung. Nicht nur für sich, sondern für den gesamten Behindertensport.

"Mit dem Erfolg kriegen andere riesige Werbeverträge angeboten. Das ist bei uns einfach nicht der Fall. Wir müssen weiter Überzeugungsarbeit leisten, dass wir einen Werbewert verkörpern."

Bentele von Termin zu Termin

Über einen leeren Terminkalender kann sich Bentele allerdings nicht beklagen. Seit Vancouver habe es "viel positiven Stress" gegeben, die Zeit sei "wie im Flug, wie im Traum vergangen. Ich war total überrascht, welchen Anklang die Paralympics gefunden haben."

Seit Wochen reist die lebensfrohe Blondine von Termin zu Termin, sozusagen nebenbei schreibt sie ihre Magisterarbeit in Literaturwissenschaften. Die Schulterklopfer sind zahlreich geworden, Bentele ist auf vielen Veranstaltungen gern gesehener Gast.

Kürzlich war sie der Stargast des Sozialverbandes VdK in Berlin, demnächst steht ein Termin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an.

Rummel kommt überraschend

Der Rummel um ihre Person ist ihr noch etwas unangenehm. Die Bedienung des Restaurants spricht sie an, ob sie nicht die Skiläuferin aus dem Fernsehen sei.

"Ja", sagt sie und grinst. "Für mich ist das immer noch witzig, so angesprochen zu werden. Damit rechne ich einfach nicht."

"Davon lebt der Sport"

Bentele sieht sich nicht als der große Sportstar, den alle auf der Straße ansprechen. Sie lässt sich jedoch gern als Gesicht des Behindertensports vermarkten.

"Es ist doch so, dass die Leute Gesichter mit einer bestimmten Sportart verbinden. Ich habe kein Problem damit, wenn die Leute mich mit den Paralympics in Verbindung bringen. Davon lebt der Sport ja auch."

Vancouver als Initialzündung

Bentele ist schon lange im Geschäft. 1998 erlebte sie in Nagano ihre ersten Paralympics. Vieles hat sich seitdem getan, aber erst Vancouver war die Initialzündung.

"Dort wurden die Paralympics aus dem Schattendasein geholt", sagt Bentele. Der Rummel sei deutlich nachhaltiger, nun gehe es darum, dass die Qualität des Sports auch in den vier Jahren zwischen den Paralympics wahrgenommen werde.

Zukunft noch unklar

Ob Bentele in Sotschi 2014 oder vier Jahre später in München - wenn die Stadt den Zuschlag erhalten sollte - noch dabei ist, steht in den Sternen.

"Momentan bin ich, wie sagt man so schön, in der Entscheidungsfindungsphase. Ich muss schauen, dass ich nach dem Studium einen Job finde, der sich mit dem Training vereinbaren lässt," sagt Bentele. Sie könne sich nicht erst nach der Karriere überlegen, was sie denn einmal werden wolle.

Reha nach Knie-OP

Momentan ist an ordentliches Training ohnehin nicht zu denken. Anfang Mai wurde Bentele am Meniskus operiert, zurzeit steht vorrangig Reha auf dem Programm.

Setzt sie ihre Karriere fort, dürfte sich ein Problem schon einmal erledigt haben. Ihr Begleitläufer Thomas Friedrich überlegt nun doch ernsthaft, weiter mit Bentele zu arbeiten. Einst suchte Bentele per Uni-Aushang und Zeitungsannonce nach dem perfekten Begleitläufer, diese mühsame Suche nach Ersatz bliebe ihr erspart.

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