In seiner Kolumne schreibt Markus Rehm über die Junioren-WM in Tschechien, seine Erfolgsbilanz und die schwindenden Kräfte.

Liebe Leichtathletik-Freunde,

Road to London, das ist für mich nicht nur der Name diese Kolumne die ich auf SPORT1 mit meiner Teamkollegin Vanessa Low schreibe, sondern es ist vielmehr mein Weg zu dem Ziel, auf das ich hinarbeite.

Aber natürlich ist es noch eine ganze Weile hin bis zu den paralympischen Spielen 2012 in London, und davor haben wir noch einige andere Wettkämpfe, auf die es sich vorzubereiten gilt. Dazu zählen im Januar 2011 die Weltmeisterschaften in Christchurch, Neuseeland, die als Saisonhöhepunkt für das nächste Jahr gelten. Aber auch die Deutschen Meisterschaften und weitere internationale Wettkämpfe zählen dazu.

Nach einer langen und anstrengenden letzten Saison hat mir meine Trainerin Steffi Nerius eine kurze Trainingspause von zwei Wochen gegönnt, um mich von den Wettkämpfen zu erholen und um mich für das kommende Training neu zu motivieren. Denn besonders bei meinem letzten Wettkampf, der Junioren-WM im Tschechien, habe ich gemerkt dass einfach langsam die Kraft und Motivation für einen solchen Wettkampf fehlt.

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Trotz allem kann ich mit zwei Gold und einer Silbermedaille mehr als zufrieden sein. Zudem habe ich mit der wiederholten Weltrekordweite von 6,84 Meter meinen eigenen Weltrekord eingestellt.

Nur mit den Zeiten über die 100m und 200m war ich nicht so ganz zufrieden, da ich mir eigentlich etwas mehr erhofft habe. Jedoch kann man bei bis zu 3,3 Meter Gegenwind pro Sekunde auch keine Bestzeiten in den Läufen erwarten. Schon am Start hatte ich kein gutes Gefühl. Da mir der Wind bereits im Startblock ins Gesicht blies, war mir klar dass eine Bestzeit fast unmöglich ist.

Alles in allem hatten wir eine sehr schöne Zeit in Tschechien, aber leider haben wir, außer einem Abendessen in der historischen Altstadt, nicht viel von dem Land gesehen.

Am letzten Abend kam dann noch der gemütliche Teil der JWM. Und somit ging es mit der holländischen und französischen Mannschaft noch auf in eine naheliegende Bar bis wir auch die letzte Medaille gebührend gefeiert hatten

Nicht nur ich war bei der JWM recht erfolgreich, auch meine Teamkollegin Vanessa verbesserte im Weitsprung ihren eigenen Weltrekord auf 4,12 Meter und hat somit als erste oberschenkelamputierte Frau die 4m Marke geknackt. Alles in allem war das komplette deutsche Team sehr erfolgreich und hat im Medaillenspiegel hinter Großbritannien einen tollen zweiten Platz belegt.

Wie schon gesagt habe ich mir nach diesem Wettkampf eine kurze Auszeit genommen, um einfach mal so richtig auszuspannen. Dabei hab ich auch endlich mal wieder Zeit gefunden, um mit meinem Wakeboard ein paar Runden auf dem Wasser zu drehen. Außerdem habe ich mir noch etwas Zeit genommen um mich auf mein nächstes berufliches Projekt vorzubereiten, die Meisterschule in der Orthopädietechnik zu absolvieren.

Gut erholt und neu motiviert freue ich mich jetzt schon auf die ersten Trainingseinheiten. Zwar wird bevorstehenden Vorbereitungszeit auch mal ganz schön hart, dafür wird man in der kommenden Saison ja auch mit hoffentlich wieder guten Ergebnissen belohnt.

Euer Markus

Markus Rehm (22) aus Donzdorf musste nach einem Wakeboard-Unfall im Alter von 14 Jahren der rechte Unterschenkel amputiert werden. Fortan verschrieb er sich erfolgreich dem Behindertensport. Bei der IWAS-WM in Bangalore gewann er 2009 Gold im Weitsprung und mit der 4 x100-m-Staffel. Zudem hält er den Weltrekord im Weitsprung (6,84 m). Beim TSV Bayer 04 Leverkusen wird Rehm von Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius trainiert. Sein großes Ziel ist die Teilnahme an den Paralympics 2012 in London. In seiner SPORT1-Kolumne berichtet er regelmäßig über seine Stationen auf dem Weg dorthin.

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